Sie sind hier:

Prognose des Bauernverbands - Ernte wird besser - aber Dürre wirkt nach

Datum:

Der Bauernverband rechnet mit einer deutlich besseren Ernte als im Dürresommer 2018. Doch die Trockenheit in den Böden wirkt nach. Und nun wären Niederschläge erforderlich.

Mähdrescher erntet Gerste am 03.07.2018 in Goettingen.
Getreide wird in Deutschland auf einer Fläche von 6,4 Millionen Hektar angebaut.
Quelle: dpa

Die Landwirtschaft atmet etwas auf. Denn für dieses Jahr sind die Ernteaussichten bis auf weiteres gut. So geht der Deutsche Bauernverband (DBV) von einer Getreideernte von 47 Millionen Tonnen aus – das wären rund 9 Millionen Tonnen oder knapp 24 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Allerdings liegt dieser deutliche Anstieg vor allem an den schlechten Ernteerträgen durch den Hitzesommer 2018. "Der Vergleich der diesjährigen Erntemenge mit dem Extremjahr 2018 verzerrt das Bild etwas", sagte der Verbandspräsident Joachim Rukwied. "Wir erwarten in diesem Jahr eine Ernte knapp unter dem Durchschnitt."

"Nachwirkungen der Dürre noch spürbar"

Besser geeignet, um die Prognose für die Ernte in diesem Jahr ins Verhältnis zu setzen, ist deswegen der Durchschnitt des Erntevolumens in den vergangenen Jahren. Und da liegt die prognostizierte Ernte in diesem Jahr um rund eine Million Tonnen unter dem Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2017.

Für die angespannte wirtschaftliche Lage in vielen Betrieben wird auch dieses Jahr keine Verbesserung bringen
Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbande

Denn die extreme Trockenheit hielt beispielsweise bis zur Aussaat von Wintergetreide im Herbst 2018 an - entsprechend betroffen sind die Felder. Die Pflanzen sind vergleichsweise spät und in einigen Gebieten nur lückenhaft gewachsen. "Die Nachwirkungen der Dürre sind noch immer deutlich spürbar. Für die angespannte wirtschaftliche Lage in vielen Betrieben wird auch dieses Jahr keine Verbesserung bringen", sagte Rukwied.

Böden zu trocken

Im vergangenen Jahr hatten Landwirte mit starken Einbußen zu kämpfen, viele Bauern beantragten staatliche Dürrehilfen. Der Rückversicherer Munich Re taxiert die direkten Schäden für das vergangene Jahr auf insgesamt 3,2 Milliarden Euro, ein großer Teil davon allerdings war nicht versichert. Eingerechnet in diese Summe sind Land- und Forstwirtschaft, aber auch Schäden, die etwa im Transport- und Energiesektor wegen des anhaltenden Niedrigwassers in den Flüssen auftraten.

Auch für dieses Jahr sehen Experten wieder Probleme auf Forst- und Landwirtschaft zukommen. Denn durch den vergangenen Hitzesommer sind die Böden in vielen Regionen – und Bodenschichten nach wie vor trocken. "Normalerweise wird der Boden nach Hitzeperioden ordentlich wieder mit Wasser aufgefüllt", erklärt der Agrar-Meteorologe Wolfgang Janssen vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach. "Durch die enorme Trockenheit im letzten Jahr aber hat es in vielen Gebieten nur gelangt, die obersten Schichten wieder aufzufüllen, darunter ist es trocken."

"Wenn es nicht regnet, sieht es wieder kritisch aus"

Deutlich zu erkennen sind die Nachwirkungen der Dürre von 2018 beim Winterraps, Deutschlands wichtigster Ölpflanze. Die Anbaufläche in diesem Jahr liegt nach Angaben des Bauernverbandes um rund 30 Prozent unter der Fläche des Vorjahres. Das liegt daran, dass die Aussaat vielerorts in der großen Hitze schlicht keinen Sinn gemacht hätte.

Durch Niederschläge und den vergleichsweise kühlen Mai sehen die Prognosen für Getreide zwar recht gut aus. Bei Mais und Zuckerrüben aber ist die Voraussage schwieriger. "Da kommt es darauf an, wie die nächsten Wochen verlaufen. Wenn es da nicht regnet, sieht es wieder kritisch aus", sagt Wolfgang Janssen. Und dass es kritisch werden kann, hat beispielsweise der Juni gezeigt. Denn der war der wärmste Juni seit Beginn der systematischen Temperaturaufzeichnungen. In Frankreich wurde mit 45,9 Grad ein neuer Temperaturrekord gemessen.

Wärmere Sommer auch in den kommenden Jahren erwartet

So stellen auch die Klimaforscher bei Munich Re eine zunehmende Wahrscheinlichkeit für heißere und trockenere Sommer fest. Und feuchtere und wärmere Winter. In denen fallen die Niederschläge dann weniger als Schnee, sondern als Regen – und lassen die Überschwemmungsgefahren ansteigen. "Die Indizienlage ist mittlerweile so stark, dass wir davon ausgehen müssen, dass sich diese Entwicklung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ähnlich fortsetzen wird", sagt Ernst Rauch, Chef-Klima- und Geowissenschaftler von Munich Re.

Deswegen fordert der Bauernverband die Einführung einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage, damit Landwirte in guten Jahren Geld zurücklegen und in schlechten verwenden können. Die bisherigen Pläne der Bundesregierung sehen dagegen nur vor, die Versicherungssteuer der Landwirte zu senken.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.