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Prozess in den USA - Monsanto droht für Bayer zum Fiasko zu werden

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Bayer ist in den USA zu einer Schadensersatzstrafe von mehr als 71 Millionen Euro verurteilt worden. Damit droht die Monsanto-Übernahme zu einem Fiasko zu werden.

Archiv: Bayer - Werk in Leverkusen, aufgenommen am 12.03.1998
59 Milliarden Euro hat Bayer für Monsanto gezahlt - eine Übernahme, die enorme Risiken birgt.
Quelle: dpa

Innerhalb weniger Tage hat Bayer einen weiteren Prozess in den USA im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichter Glyphosat verloren. Die Jury des Bundesbezirksgerichtes in San Francisco hat einem Kläger in Kalifornien wegen seines Krebsleidens einen Schadenersatz in Höhe von 80,3 Millionen Dollar zugesprochen, das sind umgerechnet rund 71,4 Millionen Euro.

Musterfall für weitere Vergleiche

In einem ersten Verfahren in der vergangenen Woche hatten die Geschworenen festgestellt, dass das glyphosathaltige Mittel "Roundup" ein "wesentlicher Faktor" für den Lymphdrüsenkrebs des Klägers, des 70-Jährigen Edwin Hardeman ist. Nun hat das Gericht in einem zweiten Schritt entschieden, inwieweit der Hersteller des Pestizids, die Bayer-Tochter Monsanto, dafür haftbar gemacht werden kann. Die Antwort der Geschworenen fällt mit der Schadensersatzsumme von 80,3 Millionen Dollar klar aus. Und sie bedeutet nichts Gutes für Bayer und Monsanto.

Der Grund: Bei dem zweigeteilten Verfahren handelt es sich um einen richtungsweisenden "Bellwether Case", grob übersetzt ein "Leithammel-Verfahren". Im US-amerikanischen Recht ist Bellwether eine Art Musterfall, an dem sich andere Kläger orientieren können. Solche Fälle sollen dabei helfen, anderen Klägern einen Maßstab für mögliche Vergleichszahlungen an die Hand zu geben. Allein bei dem zuständigen Richter in San Francisco sind rund 800 ähnlich gelagerte Klagen von Landwirten, Gärtnern und Verbrauchern gebündelt.

Bayer reagiert "enttäuscht"

Und das ist nur ein Bruchteil der Verfahren, mit denen Bayer sich nun konfrontiert sieht. Denn in den USA ist eine regelrechte Klagewelle in Gang gekommen, nachdem im vergangenen August bereits dem krebskranken Schulhausverwalter Dewayne Johnson ebenfalls fast 80 Millionen Dollar Schadenersatz zugesprochen worden sind. Insgesamt liegen in den USA über 11.000 Klagen gegen Bayer vor. Nach den nun gesprochenen Urteilen könnten weitere Folgen.

Der Bayer-Konzern zeigte sich in einer ersten Reaktion - wie in den vorangegangenen Verfahren auch - "enttäuscht" von dem Urteil. Bayer geht nach wie vor davon aus, dass glyphosatbasierte Herbizide nicht krebserregend sind. Das Unternehmen will deshalb gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen. Man stehe hinter seinen Produkten und werde sie entschieden verteidigen. Das Unternehmen verweist darauf, dass aus seiner Sicht das jetzt abgeschlossene Verfahren keinen Einfluss auf zukünftige Fälle habe.

Monsanto-Übernahme potentielles Fiasko

Das sehen viele Beobachter allerdings anders - und der Aktienkurs des Konzerns spricht darüber Bände. Seit August vergangenen Jahres, als das erste Urteil gegen Monsanto-Bayer erging, ist der Aktienkurs von Bayer um rund 40 Prozent eingebrochen. Anleger befürchten offenbar, dass Schadenersatzzahlungen in Milliardenhöhe auf den Konzern zukommen werden. Die Übernahme von Monsanto erscheint vor diesem Hintergrund als potenzielles Fiasko.

Denn Bayer hatte für die Übernahme des Saatgut- und Pestizidriesen aus den USA rund 59 Milliarden Euro bezahlt - es war die größte Auslandsübernahme eines deutschen Unternehmens in der Geschichte. Seitdem ist Bayer zwar zur weltweiten Nummer 1 im Bereich der Agro-Chemie aufgestiegen. Doch mit der Größe sind auch die Risiken explodiert.

Bayer nun ein Übernahmekandidat?

Denn Monsanto steht für industrielle Massen-Agrar-Chemie, genverändertes Saatgut eingeschlossen. Umweltschützer kritisieren den Konzern seit langem, Bayer hat sich mit Monsanto also auch ein Reputationsproblem eingehandelt. Mit den Urteilen in den USA und möglichen Schadensersatzzahlungen droht massiver wirtschaftlicher Schaden.

Wenn nun in solchen Verfahren gegen den Konzern entschieden wird, hat sich Bayer wirklich ein Problem eingekauft.
Analyst Thomas Schiessle

"Die Risiken hatte man schon in der Planung der Übernahme zu berücksichtigen. Das gilt nun im neuen Lichte dieser Gerichtsverfahren umso mehr", sagte Branchenanalyst Thomas Schiessle vom Analystenhaus Equi.ts gestern, wenige Stunden vor dem Gerichtsurteil. "Wenn nun in solchen Verfahren gegen den Konzern entschieden wird, hat sich Bayer wirklich ein Problem eingekauft." Das sehen einige seiner Kollegen ähnlich. Denn abgesehen von möglichen Schadensersatzzahlungen in Milliardenhöhe birgt nach Ansicht eines Branchenexperten bei Union Investment auch der niedrige Aktienkurs von Bayer ein Problem: Bayer könnte damit zu einem Übernahmekandidaten für die Konkurrenz werden.

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