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Bayer-Monsanto-Deal umstritten - "Mit sozialer Marktwirtschaft hat das nichts zu tun"

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Der Bayer-Monsanto-Deal ist nicht nur wegen seiner Größe historisch - er ist höchst umstritten. Kritiker fürchten die sozialen und ökologischen Folgen, andere die ökonomischen.

Traktor sprüht Pflanzenschutzmittel auf Feld
Gut fürs Geschäft: dem Bauern zum Einheits-Saatgut gleich das passende Pflanzenschutzmittel verkaufen zu können. Vor allem, wenn man der einzige Anbieter ist.
Quelle: zb-bildfunk

Es sind die letzten Meter eines Marathons: Nach der Ankündigung vor zwei Jahren darf der deutsche Chemie-Riese Bayer den amerkainischen Saatgut-Konzern Monsanto komplett übernehmen. Damit steigen die Leverkusener zum Weltmarktführer im agrarchemischen Bereich auf - insbesondere bei Saatgut. Die Fusion oder Übernahme ist schon wegen ihrer Größe historisch: Mit einem Volumen von rund 63 Milliarden Dollar - umgerechnet etwa 56 Milliarden Euro - ist es die größte Auslandsübernahme eines deutschen Unternehmens in der Wirtschaftsgeschichte.

"Wir werden den Kritikern zuhören"

In der Folge wird ein umstrittener Name von der globalen Landkarte verschwinden - nämlich der von Monsanto selbst. Das ist ein naheliegender PR-Schachzug, denn bei vielen Menschen weckt der Name Monsanto eher schlechte Assoziationen. Monsanto lieferte während des Vietnamkrieges "Agent Orange" an das US-Militär, das damit den vietnamesischen Urwald entlaubte und immense Gesundheitsschäden bei der Bevölkerung verursachte.

Ebenfalls kein gutes Bild auf Monsanto wirft die Produktion und der Verkauf des Herbizids "Roundup", das den Wirkstoff Glyphosat enthält. Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) halten den Unkrautvernichter für "wahrscheinblich krebserregend". Dass die Zulassung durch die EU Ende letzten Jahres verklängert wurde, sorgte für erhebliche Empörung.

Bayer-Chef Werner Baumann ist sich ganz offensichtlich bewusst, dass viele Menschen hierzulande die Übernahme kritisch sehen. "Wir werden unseren Kritikern zuhören und mit ihnen zusammenzuarbeiten, wo wir eine gemeinsame Basis finden. Es darf nicht passieren, dass der Fortschritt angesichts verhärteter ideologischer Fronten zum Erliegen kommt."

Vor allem gut fürs Geschäft

Kritik an der Übernahme kommt von Umweltschützern und Sozialpolitikern gleichermaßen. Denn die Märkte für Saatgut und Pflanzenschutz werden schon jetzt von nur wenigen Riesenkonzernen dominiert. Zunehmend liefern Giganten wie Bayer und Monsanto alles aus einer Hand: Saatgut und die passenden Pestizide gleich dazu.

Das ist einerseits folgerichtig, weil Unkrautvernichter auf diese Weise - zumindest theoretisch - äußerst wirksam sei und effizient eingesetzt werden können. Es ist vor allem aber gut fürs Geschäft, weil Bauern beides bei einem Produzenten einkaufen müssen. Und das bringt wiederum das Problem mit sich, dass Bauern abhängig sind von den wenigen Giganten im Allgemeinen und Bayer im Besonderen.

"Ich finde es problematisch, dass die Produktion von Saatgut und der entsprechenden Pestizide in einer Hand liegen, da sollte es eine ganz klar eine Trennung geben", sagt etwa der Sprecher der Grünen im Europaparlament, Sven Giegold. "Die Marktkonzentration in diesen beiden Märkten hat mit sozialer Marktwirtschaft nichts mehr zu tun."

Integration soll in zwei Monaten beginnen

Um den Kauf zu finanzieren, wird Bayer neue Aktien heraus geben. Durch diese Kapitalerhöhung wollen die Leverkusener sechs Milliarden Euro an frischem Kapital einsammeln. Um die Übernahme zu ermöglichen, musste Bayer im Vorfeld andere Unternehmensbereiche an den Konkurrenten BASF verkaufen -  und zwar Geschäftsteile im Gesamtwert von fast acht Milliarden Euro. Dieser Verkauf von Unternehmensteilen soll in zwei Monaten abgeschlossen sein - schätzt Konzernchef Baumann. Dann sollte die eigentliche Arbeit beginnen: die Integration von Monsanto in den Bayer-Konzern.

Wegen des Verkaufs von Unternehmensteilen jedenfalls muss der fusionierte Konzern in Zukunft etwas kleinere Brötchen backen als früher geplant. Kalkulierte Bayer ursprünglich mit zukünftigen Einsparungen durch die Fusion von 1,5 Milliarden Euro jährlich, sind es nun noch 1,2 Milliarden.

Das Schwerste liegt noch vor Bayer

Es war ein langer Weg, die Behörden in unterschiedlichen Ländern von dem Deal zu überzeugen: 30 Kartellbehörden mussten zustimmen, zuletzt hatte das US-Justizministerium grünes Licht gegeben. Und es war ein teurer Einkauf. "Das ist eine Wette, bei der es darum geht, dass man zukünftig mehr Saatgut und Pestizide braucht als in der Vergangenheit", erklärt Börsenhändler Oliver Roth von Oddo Seydler. "Wenn diese Wette nicht aufgeht, inklusive der reibungslosen Integration von Monsanto in den Konzern, dann hat Bayer ein Riesenproblem."

Wie sich das verhält, wird man wohl in einigen Jahren erst sagen können. Nach zwei Jahren Arbeit an der Fusion dürften steht die eigentliche Arbeit für Bayer aber jetzt erst bevor: das Verschmelzen zweier Giganten zu einem funktionierenden Konzern über den Atlantik hinweg. Und - last but not least - einen schwierigen Beweis zu erbringen: Dass die Fusion in sozialer und ökologischer Hinsicht wirklich von Vorteil für alle Beteiligten sei - für Bauern weltweit und für Verbraucher. Denn die essen schließlich, was Bayer nach der Fusion mit Monsanto aussähen wird.

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