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Real Madrid gegen Bayern München - Der Schmerz des Unvermögens

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Nach dem Aus im Halbfinale der Champions League rätseln die Bayern über ihre Blackouts. Trainer Heynckes ist enttäuscht über das selbst verschuldete Ende des Triple-Traums.

UEFA Champions League, Real Madrid - FC Bayern München am 1.5.2018 - Robert Lewandowski
Viel probiert, trotzdem verloren: der FC Bayern um Torjäger Robert Lewandowski. Quelle: ap

Als Jupp Heynckes später im Bauch des Estadio Santiago Bernabéu auf dem Podium saß, war wenig Wehmut zu vernehmen. Eine "große Enttäuschung" für seine Spieler und ihn persönlich beklagte der Trainer des FC Bayern zwar wegen des Ausscheidens aus der Champions League nach dem spektakulären und unglücklichen 2:2 im Halbfinal-Rückspiel bei Real Madrid, das nach dem 1:2 im Hinspiel zu wenig war, um mit dem Traum vom Triple am 26. Mai zum Finale nach Kiew reisen zu dürfen. Doch seinen Abtritt von der internationalen Bühne nach seinem letzten Spiel in der Champions League betrachtete Heynckes erkennbar ohne inneren Aufruhr.

Ein haarsträubender Fehler

"Natürlich ist das eine Situation, in der ich weiß: Jetzt ist es endgültig, dass ich nie mehr auf die Trainerbank zurückkehre bei einem Champions-League-Spiel", sagte Heynckes nüchtern. Aber er finde, "das ist auch gut so, weil ich denke: Nicht so viele mit 72 gehen solche Abenteuer noch ein." Am 9. Mai wird Heynckes sogar bereits 73 Jahre alt, weswegen er sein Lebensglück erst recht nicht mehr vom Fußball abhängig machen möchte, in dem er als Spieler und Trainer ohnehin alle wichtigen Titel gewonnen hat. Auch deswegen konnte er nun glaubhaft sagen: "Ich habe da überhaupt keine Emotionen. Es ist vorbei. Ich bin nur enttäuscht über das heutige Ergebnis."

Diese Enttäuschung war allen in der Münchner Belegschaft gemein nach einem hochklassigen und dramatischen Halbfinale gegen den Titelverteidiger, der in beiden Verabredungen von Aussetzern der eigentlich überlegenen Bayern maßgeblich profitiert hatte. Im Hinspiel von Rafinhas haarsträubendem Fehlpass, der Reals Siegtor zur Folge hatte. Und nun vom nicht minder grotesken Fauxpas von Sven Ulreichs unmittelbar nach Beginn der zweiten Halbzeit, nach dem Karim Benzema sein zweites Tor des Abends zum zwischenzeitlichen 2:1 erzielte (46.). Zuvor hatte Joshua Kimmich die Münchner in Führung gebracht (3.) und Benzema ausgeglichen (11.). Später traf der von Real ausgeliehene James Rodríguez zum 2:2 (63.), dem weitere Großchancen folgten, aber wieder einmal nicht deren Verwertung. 

Trost für Ulreich

"Sven hat ja eine ganz tolle Saison gespielt. Er hat einfach einen Blackout gehabt", sagte Heynckes über die entscheidende Szene des Dienstagabends und kam nach Ansicht der Fernsehbilder von Corentin Tolissos Rückpass und Ulreichs kurioser Einlage zu dem Eindruck, "dass er den Ball mit den Händen aufnehmen wollte und dann gemerkt hat, das geht ja gar nicht. Und dann ist er konfus geworden." Sehr bitter sei dies für den Spieler und die gesamte Mannschaft. Dennoch müsse er dieser "ein großes Kompliment machen", befand Heynckes und lobte sich dann auch indirekt selbst. Er sagte: "Ich habe den FC Bayern in der Verfassung, in der Form, schon viele Jahre nicht gesehen."

Letztmals vermutlich in der Triple-Saison 2013, nach der sich Heynckes in den Ruhestand verabschiedet hatte, ehe er im Oktober 2017 als Nothelfer bei fünf Punkten Rückstand auf den damaligen Tabellenführer Borussia Dortmund und nach einer heftigen 0:3-Niederlage im Gruppenspiel bei Paris Saint-Germain zurückkehrte. Inzwischen hat der FC Bayern souverän den Meistertitel gewonnen und greift im Pokalfinale am 19. Mai in Berlin gegen Eintracht Frankfurt und den künftigen Münchner Trainer Niko Kovac nach dem Double. Doch in der Champions League steht nun zum fünften Mal hintereinander gegen eine spanische Mannschaft das Aus zu Buche, zum dritten Mal nach 2014 und 2017 gegen Real.

Warum das so ist und sich wie in den Vorjahren individuelle Unzulänglichkeiten einstellen, darüber dürften die Münchner noch länger rätseln. "Es liegt nicht an etwas Grundsätzlichem, dass es nicht reicht. Es wiederholt sich aber in all den Jahren, dass wir einfach zu viele individuelle Fehler machen", erkannte Thomas Müller im Schmerz über das eigene Unvermögen. Gefehlt habe "das Glück und die Qualität in den Details".

Bessere Mannschaft - trotzdem ausgeschieden

Mats Hummels berichtete von einem Gespräch mit seinem Nationalmannschaftskollegen Toni Kroos von Real Madrid. Dieser habe ihm gesagt: "'Das Ding haben nicht wir gewonnen, ihr habt es euch selber zuzuschreiben, dass ihr nicht im Finale seid.' Und damit hat er leider Recht", sagte Hummels. Als Kroos später vor die Mikrofone trat, wertete er den glücklichen Einzug ins Finale und die Chance auf den dritten Gewinn des Henkelpotts in Serie auch als Beleg für das eigene Selbstverständnis. Die beiden Vergleiche gegen die Bayern in der Gesamtrechnung für sich entschieden zu haben, "zeigt unsere Qualität" urteilte Kroos und ergänzte: "Die Erfolge der letzten Jahre geben uns ein Grundbewusstsein." Der FC Bayern sei in den beiden Halbfinals nun zwar die bessere Mannschaft gewesen, "trotzdem hatte ich keine Zweifel, dass wir ins Finale kommen. So ein Gefühl kommt mit dem Erfolg."

Auf diesen muss der national unangefochtene deutsche Branchenführer in der Champions League weiter warten. Und das, obwohl der Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gerade "das beste Spiel in der Champions League in den letzten fünf Jahren mit Bayern München" gesehen hatte, wie er auf der Bankettrede sagte. Die entscheidende Kühle allerdings fehlte wieder einmal, vorne wie hinten. Das wusste auch Jupp Heynckes, nach seinem letzten internationalen Spiel bei jenen Königlichen, mit denen er vor 20 Jahren seinen ersten der beiden Titel in Europas Eliteliga errungen hatte.

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