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Landtagswahl - Bayern-Wahl im GroKo-Schatten

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Die Bayern wählen heute einen neuen Landtag - und könnten einen politischen Erdrutsch auslösen. CSU und SPD müssen mit herben Verlusten rechnen. Die Grünen sind auf Höhenflug.

Von Freude bis Entsetzen ist alles dabei – die Prognosen für die bayerische Landtagswahl sorgen für gemischte Gefühle. ZDF-Korrespondent Bollmann berichtet aus dem Wahlstudio.

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Deutlicher kann man kaum demonstrieren, wie unglücklich Bayerns Wahlkämpfer mit der Ausstrahlung der Großen Koalition in Berlin sind. Zur Abschlusskundgebung der CSU im Münchener Löwenbräukeller ist kein Mitglied der Bundesregierung als Ehrengast eingeladen, sondern der Bundeskanzler unseres Nachbarn Österreich, Sebastian Kurz. Eine Rolle, die traditionell der CDU-Vorsitzenden zusteht.

GroKo-Parteien in der Abwärtsspirale

Auch im Wahlkampf war Angela Merkel so gut wie nicht anwesend. Aktive Unterstützung aus dem Kanzleramt, wohl weder gewollt noch gewünscht. Die CSU befindet sich in den Umfragen im Sinkflug und schreibt einen großen Teil der Schuld den Streitereien der GroKo in Berlin zu.

Doch auch die SPD scheint von dieser Abwärtsspirale erfasst zu sein. So legen es die Umfragen nahe: Während demnach die CSU ihre absolute Mehrheit verliert, ist die SPD sogar im freien Fall. 20,6 Prozent bei der letzten Landtagswahl, steht sie nun wenige Tage vor der Wahl im ZDF-Politbarometer bei 12 Prozent. Sie ist nicht weit davon entfernt, ihre Wählerstimmen zu halbieren.

So ging die Wahl 2013 aus
Partei Stimmenanteil
CSU 47,7%
SPD 20,6%
Freie Wähler 9,0%
Grüne 8,6%
FDP 3,3%
Linke 2,1%

Auf Distanz zur Bundespolitik

Es ist schwer vorstellbar, dass es nur an den Inhalten der beiden Parteien liegt. CSU und SPD haben in Bayern weniger Gemeinsamkeiten als Union und SPD auf Bundesebene - und sich einen heftigen Wahlkampf geliefert. Die größte Gemeinsamkeit besteht darin, dass sie in der Berliner Koalition vertreten sind. In Bayern geht es nicht nur um rechts oder links, es geht um die Arbeit der GroKo.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder beteuerte nachdrücklich, sich während der Zeit des Wahlkampfes aus der Bundespolitik heraushalten zu wollen (und das CSU-Chef und Bundesinnenminister Horst Seehofer zu überlassen). Das ist umso erstaunlicher, weil es immer ein gewichtiges Wahlargument der CSU war, als bayerische Partei die Bundespolitik mitzugestalten.

Und Bayerns SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen setzte die SPD-Bundesvorsitzende Andrea Nahles im Streit um den Präsidenten des Verfassungsschutzes massiv unter Druck. Das überraschte, weil Nahles viel Zeit und Termine für den bayerischen Wahlkampf reserviert hatte und geduldig Seite an Seite mit der SPD-Spitzenkandidatin Natascha Kohnen durch die bayerische Provinz tingelte, in der sich die SPD traditionell schwer tut. Kohnens Kritik war mit großer Wahrscheinlichkeit der Versuch der bayerischen SPD, zu zeigen, dass sie Distanz zur GroKo hält.

Parallel mit den fallenden Umfragewerten von CSU und SPD in Bayern gingen die Umfragewerte von Union und SPD auf Bundesebene in den Keller.

Berliner Opposition im Aufwind

Gewinner sind die Parteien, die im Bundestag auf den Oppositionsbänken sitzen. AfD, Grüne, FDP und auch die Linke. Letztere, die es noch nie in den bayerischen Landtag geschafft hat, nähert sich in den Umfragen der Fünf-Prozent-Hürde. Die Grünen sind geradezu auf einem Höhenflug. Die Wahlkundgebungen mit den Spitzenkandidaten Katharina Schulze und Ludwig Hartmann ähneln einer Tanz-Show, so euphorisch und schwungvoll springen sie über die Bühne. Laut dem letzten ZDF-Politbarometer könnten sie ihren Stimmenanteil etwa verdoppeln.

Markus Söder (CSU) hat die Bierzelte gerockt, im Wahlkampf so gut wie alles ausgetestet und sich doch oft verschätzt. Schuld an seiner Misere sei aber die Berliner Politik.

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So wird wohl die Wahl das bayerische Parteiensystem neu aufstellen. Und plötzlich werden Koalitionen diskutiert, die bisher kaum vorstellbar waren, wie Schwarz-Grün. Rechnerisch ist nach dem letzten ZDF-Politbarometer sogar eine Regierung gegen die CSU möglich: ein Vierer-Bündnis aus Grünen, SPD, FDP und Freien Wählern. Nicht wahrscheinlich, aber denkbar. Es zeichnet sich ein politischer Erdrutsch im Freistaat ab.

Jürgen Bollmann leitet das ZDF-Landesstudio Bayern in München.

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