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Zukunft des Sozialstaats - Grundeinkommen für alle - fair oder ungerecht?

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Mit dem jetzigen Sozialsystem sind viele unzufrieden, aber wie kann es gerechter werden? Das bedingungslose Grundeinkommen erhitzt die Gemüter: Eine finanzielle Absicherung vom Staat, bedingungslos, von der Wiege bis zur Bahre. Könnte das die Alternative sein?

In Deutschland wird schon lange über das bedingungslose Grundeinkommen diskutiert. Statt Sozialleistungen teuer zu verwalten, wäre das ein Ansporn für alle, sagen die Befürworter. Die Kollegen von ZDFzoom sind Pro und Contra nachgegangen.

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Perry F., ein alleinerziehender Vater aus Leipzig, ist nach einer befristeten Maßnahme wieder arbeitslos und bezieht jetzt Hartz IV. Damit muss er mit drei Kindern auskommen. "Das Grundeinkommen würde vor allem Sicherheit geben", sagt der 51-Jährige. Er verzweifelt an der Bürokratie in den Jobcentern und möchte vor allem wieder Arbeit finden. Oft genug sieht er sich als Bittsteller.

Der deutsche Sozialstaat: Bürokratisch und teuer

Jeder zehnte Bürger in Deutschland ist auf staatliche Leistungen zur "Mindestsicherung" angewiesen, bekommt also zum Beispiel Hartz IV, Grundsicherung im Alter oder Sozialhilfe. Das deutsche Sozialsystem ist seit der Einführung der Hartz-IV-Reformen 2005 zu einem gigantischen Verwaltungs- und Kontrollapparat geworden, der große Summen verschlingt.

Der demografische Wandel und die zunehmende Automatisierung und Digitalisierung der Arbeitswelt bringen neue Herausforderungen mit sich. Experten bezweifeln, dass der Sozialstaat in seiner jetzigen Form den Belastungen der Zukunft gewachsen ist. Manche halten das "Bedingungslose Grundeinkommen" (BGE) für die Lösung.

Verein verlost Grundeinkommen für ein Jahr

Die Krankenschwester Daniela V. testet mit ihrer Familie bereits so etwas wie ein Grundeinkommen. Sie haben bei einer Verlosung eines gemeinnützigen Vereins in Berlin mitgemacht und gewonnen: 1.000 Euro pro Monat, ein Jahr lang. Ohne jede Gegenleistung. Von dem Extrageld will sie sich mit ihrem Mann selbstständig machen.

Das Experiment wird mit Spenden durch Crowdfunding finanziert. Der Verein "Mein Grundeinkommen" hat sich zum Ziel gesetzt, Erfahrungen damit zu sammeln. Vor allem aber wollen sie mit dem Projekt die Debatte um einen modernen, zeitgemäßen Sozialstaat voranbringen.

Ist das "Bedingungslose Grundeinkommen" gerecht?

Kann das "Bedingungslose Grundeinkommen" den Sozialstaat fit für die Zukunft machen? Der Schweizer Makroökonom Thomas Straubhaar hält das Grundeinkommen für "radikal gerecht" und "finanzierbar" durch eine 50-Prozent-Steuer auf alle Gewinne.

Armutsforscher Christoph Butterwegge lehnt das Modell jedoch strikt ab: "Es würde unseren Sozialstaat zerschlagen." Jeder müsse sich dann nämlich für alle Lebenslagen selbst sozial versichern und die, die jetzt schon wenig haben, stünden mit einem Grundeinkommen eher schlechter da als mit den jetzigen Sozialsystemen, so sein Argument.

Viel ist im Wahljahr 2017 von sozialer Gerechtigkeit die Rede. Das "Bedingungslose Grundeinkommen" könnte sicher nicht allein die Probleme der sich rasant verändernden Arbeitswelt und Gesellschaft lösen - aber die Diskussion darum kann wichtige Impulse für Lösungen geben.

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