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Nachwahlbefragung - Iren offenbar für Ende des Abtreibungsverbots

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In Irland deutet sich eine Zeitenwende an. Befragungen nach dem Referendum zeigen, dass eine Mehrheit für das Ende des strikten Abtreibungsverbots ist.

"Ja"-Kampagne bei Abstimmung in Irland
Die Iren wollen offenbar ein Ende des strikten Abtreibungsverbots Quelle: reuters

Die Nachwahlbefragungen vom Freitag prognostizierten einen Erdrutschsieg für Befürworter einer Lockerung der bisherigen Regelung. Wie aus einer von der Zeitung "Irish Times" veranlassten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos-MRBI hervorgeht, sprachen sich 68 Prozent der Wähler für eine Lockerung aus, 32 waren dagegen. Eine weitere Nachwahlbefragung im Auftrag von RTE sah ebenfalls eine Mehrheit von fast 70 Prozent für das "Ja"-Lager.

Für die Umfrage von Ipsos-MRBI wurden den Angaben zufolge rund 4.000 Bürger über ihr Abstimmungsverhalten befragt, die Fehlermarge lag bei 1,5 Prozent. Bei der RTE-Erhebung wurden ähnliche Methoden angewandt. Beide Wahltagsbefragungen deuteten auf einen starken Rückhalt für eine Abkehr vom strikten Abtreibungsverbot in praktisch allen Landesteilen hin.

Sollten die Zahlen der Umfragen Bestand haben, wäre der Erfolg des "Ja"-Lagers deutlicher ausgefallen als viele erwartet hätten. Mehr als 3,1 Millionen Iren durften abstimmen. Das offizielle Ergebnis wird für Samstagnachmittag erwartet.

Regierungschef stimmte mit "Ja"

Konkret betrifft das Referendum den achten Verfassungszusatz, der seit 1983 das Leben eines ungeborenen Kindes ab Empfängnis mit dem der Mutter gleichstellt. Frauen, die eine illegale Abtreibung vornehmen lassen, können in dem überwiegend katholischen Land wegen des Zusatzes bis zu 14 Jahre Haft bekommen. Tausende Irinnen reisen jedes Jahr nach Großbritannien, um dort abtreiben zu lassen.

Der irische Ministerpräsident Leo Varadkar teilte am Freitag bei Twitter mit, dass er mit "Ja" für eine Abschaffung des achten Verfassungszusatzes stimme. Gewählt werden konnte nur vor Ort, eine Briefwahl war nicht möglich. Befürworter einer Lockerung der strengen Gesetze begrüßten am Flughafen begeistert irische Wählerinnen und Wähler, die extra für die Abstimmung aus dem Ausland angereist kamen. "Willkommen zuhause", stand auf Plakaten und "Danke für diese Reise, damit andere Frauen sie nicht unternehmen müssen".

Emotionale Kampagne

In Briefen an die Redaktion der Zeitung "Irish Independent", die am Freitag veröffentlicht wurden, waren emotionale Aufrufe an Wähler zu lesen, die Lockerung der Abtreibungsgesetze abzulehnen. "Wenn wir mit 'Ja' stimmen, wird jedes Ungeborene, gewollt und ungewollt, null Rechte haben", schrieb eine Frau. "Ich glaube nicht, dass die schlauen Menschen von Irland dieses uneingeschränkte Abtreibung-auf-Wunsch-Gesetz wollen. Ich werde mit 'Nein' stimmen."

In der emotional geführten Kampagne hielt sich die katholische Kirche diesmal zurück - anders als vor dem Referendum 1983. Mehrere Skandale um Kindesmissbrauch hatten den Einfluss der einst in Irland übermächtigen Institution zuletzt schwinden lassen.

Gesetzesnovelle bei "Ja"-Sieg

Sollten die "Ja"-Wähler gewinnen, würden neue Abtreibungsgesetze im Parlament ausgearbeitet. Die Regierung von Varadkar schlägt vor, dass Abtreibungen während der ersten zwölf Wochen einer Schwangerschaft erlaubt werden. Schwangerschaftsabbrüche zu einem späteren Zeitpunkt sollten ihr zufolge in Sonderfällen zugelassen werden.

Überraschend ging im Jahr 2015 in Irland eine Abstimmung über die Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen aus, bei der eine Mehrheit für eine Änderung stimmte. Varadkar ist der erste offen schwule Premierminister des Landes.

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