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Bundesbehörde warnt - Keim-Risiko: Klinik-Essen oft unnötig gefährlich

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Mettwurst, oder Räucherfisch am Abend? Nur wenigen Hospital- und Heimleitern ist klar, dass rohe Wurst und Fisch gefährliche Keime enthalten können. Kontrolleure sind entsetzt.

Kontrollen des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ergaben, dass viele Kliniken und Heime Patienten mit ihrer Essensverpflegung Gesundheitsrisiken aussetzen.

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Wenn Opa nach einer Operation zum Abendbrot im Krankenhaus Teewurst bekommt, sind Lebensmittelkontrolleure alarmiert. Denn dieser Aufstrich gehört zu den Rohwürsten. Bei solchen Fleischprodukten liegt das Keimrisiko, das bei geschwächten Menschen leichter zu Infektionen führen kann, generell höher.

Nur zehn Prozent der untersuchten Alten- und Pflegeheime sowie Krankenhaus- und Kureinrichtungen verzichteten bei der Essensversorgung ganz auf solche Risikolebensmittel. "Es ist erschreckend, dass in so vielen Einrichtungen, in denen man gesund werden soll, das Risiko besteht, am Essen zu erkranken", erklärte BVL-Präsident Helmut Tschiersky bei der Vorstellung des Jahresberichts. Er sieht mögliche Ursachen eher nicht im Wunsch nach Kostenersparnis durch die Auslagerung der Verpflegung an externe Caterer. "Ich glaube, es gibt hier wirklich ein Informationsdefizit", ergänzte er. Um es klarzustellen: Es geht um potenzielle Gefahren.

Jede achte Probe streichfähiger Wurst betroffen

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hatte bereits 2011 Handlungsempfehlungen zum Schutz besonders empfindlicher Personengruppen vor Lebensmittelinfektionen herausgegeben. Nur gut die Hälfte der kontrollierten Einrichtungen (45 Prozent) kannte demnach diese Empfehlungen. Wie weitere Daten des BVL zeigen, fanden die Kontrolleure im vergangenen Jahr bei jeder achten Probe streichfähiger Rohwurst (12,2 Prozent) Listerienbakterien, die schwere Erkrankungen auslösen können. Im selben Jahr wurden 389 lebensmittelbedingte Krankheitsausbrüche an das Robert-Koch-Institut (RKI) und das BVL gemeldet. Darunter waren 49 Ausbrüche, deren Ursache sicher bestimmt werden konnte - neun davon (18,4 Prozent) betrafen Schulen, Kantinen und Pflegeheime.

Wie der BVL-Jahresbericht weiter zeigt, enthalten Smoothies aus frischem Obst und Gemüse beziehungsweise aus getrockneten Pflanzen oder Tiefkühlprodukten hingegen kaum Keime. Von den 158 untersuchten Proben wurden jeweils nur in einer Probe das Darmbakterium Escherichia coli beziehungsweise Listerien nachgewiesen. Salmonellen wurden gar nicht gefunden. Der Nitratgehalt in den meisten von 153 untersuchten Proben lag unter 200 Milligramm je Liter, nur bei zwölf Prozent wurden höhere Gehalte gefunden. Für Erwachsene stellen die Werte keine Gesundheitsgefahr dar. Bei einem Kind mit 25 Kilogramm Körpergewicht würde mit dem höchsten gemessenen Wert jedoch die täglich duldbare Aufnahmemenge überschritten. Nitrat wandelt sich im Lebensmittel oder im Körper zu gesundheitlich bedenklichem Nitrit um.

Auch Kosmetika im Focus

Im Fokus der Überwachungsbehörden stehen auch Kosmetika, 2017 wurden schwerpunktmäßig Händler auf Wochenmärkten, Flohmärkten oder Straßenfesten kontrolliert. Diese Produkte waren oft nicht ausreichend gekennzeichnet. Von den 1.291 untersuchten Produkten wurde knapp jedes fünfte deswegen beanstandet, unter anderem auch, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten war.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hatte nach eigenen Angaben bisher nicht die Gelegenheit, die neuen Zahlen zu prüfen. Sie sieht das angesprochene Gesundheitsrisiko in Kliniken für die gefährdete Patientengruppe aber weitestgehend ausgeschlossen. "Zur Essensversorgung besonders empfindlicher Patienten in den Krankenhäuser ordnen Ärzte und Pflegekräfte eine individuell auf diese Patienten zugeschnittene Diätkost an", sagte Sprecher Joachim Odenbach am Donnerstag. Die Verbraucherschutzorganisation foodwatch kritisierte, dass die Ergebnisse der Lebensmittelüberwachung nur anonym veröffentlicht würden. "Solange nicht alle Verstöße öffentlich werden, haben Lebensmittelbetriebe, Caterer oder Kantinenbetreiber kaum Anreiz, sich durchgehend an die lebensmittelrechtlichen Vorgaben zu halten", sagte Oliver Huizinga, Leiter Recherche und Kampagnen bei foodwatch.

Regelung des Bundes fehlt

Rechtlich seien den Behörden da noch die Hände gebunden, sagte Claudia Schmid für die Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz dazu. Was fehle, sei eine Regelung des Bundes. Bei ihren rund einer halben Million Betriebskontrollen in ganz Deutschland registrierten Lebensmittel-Kontrolleure 2017 rund 68.000 Verstöße - am häufigsten gegen Betriebshygiene und Hygienemanagement. Lebensmittel seien in Deutschland damit sehr sicher, sagte BVL-Präsident Tschiersky. Schwarze Schafe aber gibt es immer wieder. Zuletzt enttarnten die Behörden illegal eingefärbten Thunfisch - die Farbe sollte alten Fisch frisch aussehen lassen.

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