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Kalifornien - Beim Joint wohl besser Bio

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Über Cannabis und das Wohlergehen wird ausführlich gestritten - Forscher in Kalifornien machen jetzt ein neues Fass auf: Pestizide.

Geerntete Blüte einer Hanfpflanze
Geerntete Blüte einer Hanfpflanze Quelle: dpa

"Käufer aufgepasst", warnt Donald Land, Chemieprofessor an der Universität von Kalifornien in Davis. Zwar wird Cannabis in dem Bundesstaat zum Jahreswechsel legalisiert. Aber es könnte mit Pestiziden oder anderen Schadstoffen belastet sein, warnt der leitende wissenschaftlicher Berater der Steep Hill Labs, die Marihuana aus verschiedenen US-Staaten untersuchen.

Bei einem Test von Pflanzen aus Südkalifornien fielen 93 Prozent der Proben durch, weil sie Pestizide enthielten, so das Ergebnis. Für die meisten Konsumenten dürfte das eine unerfreuliche Überraschung sein. Sie verlassen sich auf die strengen Kontrollen der FDA, der Behörde, die für die Überwachung von Lebensmitteln und Arzneimitteln in den USA zuständig ist. "Bei Cannabis ist das aber leider anders", sagt Land. "Wer annimmt, es sei auf Sicherheit getestet worden, liegt falsch."

Nur ein Bruchteil kontrolliert?

Denn noch gelten für den Anbau von Hanfpflanzen nicht dieselben Auflagen wir etwa für Getreide. Zwar sollen strengere Regeln im Laufe des nächsten Jahres eingeführt werden, doch für Erzeuger und Händler gilt eine sechsmonatige Übergangsfrist, in der sie ihre Lagerware noch verkaufen dürfen. Und diese Pflanzen wurden angebaut im Rahmen des Programms für medizinisches Marihuana, das wesentlich weniger Auflagen vorsah.

Allerdings soll Cannabis, das nicht auf Rückstände untersucht wurde, zumindest gekennzeichnet werden. "Wenn die Leute einen 'Nicht getestet'-Sticker sehen, wissen sie wenigstens Bescheid und können entscheiden, ob sie das Produkt kaufen oder nicht", sagt der Sprecher des Amts für Cannabis-Kontrolle, Alex Traverso. Egal ob Joints, Cookies oder Öl: Es dürften viele dieser Etiketten zu sehen sein, wenn Cannabis-Produkte ab Januar in Kalifornien verkauft werden. Der Chemiker Land schätzt, dass weniger als fünf Prozent des bislang legal gehandelten medizinischen Marihuanas entsprechende Kontrollen durchlaufen haben.

Lernbedarf bei Cannabis-Bauern

Mit der Legalisierung von Cannabis müssen Erzeuger, Hersteller, Zwischenhändler und Verkäufer sich in einem Labyrinth von Vorschriften zurechtfinden, das erst noch Gestalt annimmt. Ein besonderes Augenmerk gelte dem Einsatz von Pestiziden, sagt Juan Hidalgo, Beauftragter für Landwirtschaft im Bezirk Santa Cruz. Landwirte, die Pestizide versprühen, müssen dafür eine behördliche Genehmigung haben und entsprechende Kenntnisse nachweisen, die alle drei Jahre aufzufrischen sind.

Bei den Cannabis-Bauern ist das laut Hidalgo bislang nicht der Fall. "Sie kennen sich mit den Regeln und dem richtigen Einsatz von Pestiziden nicht aus", sagt er. "Wir hoffen, dass wir das im Laufe der kommenden Wochen ändern können." Sollten zu hohe Verunreinigungen festgestellt werden, droht die Vernichtung der gesamten Ernte. Ein Lernprozess, der letztlich aber zum Erfolg führen werde, glaubt Land. Vor mehreren Jahren untersuchte sein Labor Cannabis-Produkte auf Spuren von Lösungsmitteln. Nur drei von 135 Proben waren frei davon. Zunächst seien die Produzenten wütend gewesen, weil sie ihre Ware nicht wie vorgesehen verkaufen konnten, erzählt der Wissenschaftler. Aber zwei Jahre später hätten alle 140 Proben den gleichen Test bestanden.

"Das war nie ein Thema"

Mike Winderman, Geschäftsführer von The Green Easy in Los Angeles, ist einer derjenigen, der mit Marihuana handelt. Wie in den meisten Läden, wurden die Produkte, die er verkauft, im Hinblick auf ihre Wirksamkeit getestet, nicht jedoch auf Pestizid-Rückstände. Prinzipiell unterstütze er das Ziel, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln beim Cannabis-Anbau zu reduzieren, sagt Winderman. Allerdings könne er nicht verstehen, warum das Ganze jetzt so aufgebauscht werde. "Die Leute haben 30, 40, 50 Jahre lang Gras geraucht und das war nie ein Thema."

Robert Watson von Dutchman's Flat in San Francisco hingegen hält Pestizid-Kontrollen für eine Selbstverständlichkeit. Seine Apotheke habe das medizinische Marihuana, das sie an Patienten ausgebe, schon immer testen lassen und werde das auch künftig mit freiverkäuflichen Cannabis-Produkten tun. "Das entspricht unserer Überzeugung", sagt Watson. "Die meisten Patienten würden keine Medikamente nehmen, die nicht getestet sind."

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