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Finnland, Frankreich, Slowenien - Bei der Digitalisierung führt Finnland

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Ausgewiesene Experten in Sachen Cybersicherheit und schnelles Internet mit einer Bandbreite von mehr als 100 Megabit pro Sekunde lassen Finnland einen der vorderen Plätze in Sachen Digitalisierung in Europa einnehmen. In Slowenien und Frankreich dagegen gibt es viele Hindernisse.

Beim EU-Gipfel in Tallinn beschäftigen sich die Staats- und Regierungschefs mit dem digitalen Fortschritt in Europa. Gastgeber Estland präsentiert sich in der Vorreiterrolle: Die Regierung tagt papierlos und Behördengänge können online erledigt werden.

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Schon im Jahr 2010 legte die damalige Digitalministerin Finnlands die Messlatte hoch. "Bis 2015 sollen alle Finnen Internet-Anschlüsse mit 100 Megabit nutzen können", gab Suvi Linden die Richtung vor. Im Jahr 2016 war das für die finnischen Städte geschafft. 96 Prozent der in Städten lebenden Finnen haben einen Breitbandanschluss mit einer Garantie von mindestens 100 Megabit beim Download. Auf dem Lande sieht es schlechter aus. Da hat Hochrechnungen zufolge weniger als ein Drittel einen Breitbandanschluss.

Allerdings mit einem durchschnittlichen Datendurchsatz von zwölf Megabit pro Sekunde liegen die Finnen vor den Slowenen und Franzosen. Frankreich landet hier einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zufolge mit 9,9 Megabit sogar auf dem drittletzten Platz in Europa. Der Statista-Dienst schätzt, dass derzeit knapp 80 Prozent der Slowenen einen Breitbandanschluss haben, gibt aber keine Mindestgeschwindigkeit an. Durch eine gesetzlich garantierte Netzneutralität, die jede Datenübertragung gleich behandelt wissen will, ist die slowenische Breitband-Infrastruktur für Anwender attraktiver als die französische.

Breitbandanschlüsse sind oft zu langsam

Rein nominell gilt in Europa ein Anschluss von mehr als einem Megabit pro Sekunde noch immer als "breitbandiger Anschluss". Das entspricht natürlich den alltäglichen Anforderungen bei der gewerblichen und privaten Internet-Nutzung überhaupt nicht mehr. Als noch wichtiger als der Datendurchsatz und die Abdeckung mit Breitbandanschlüssen gilt vielen Ökonomen und Technikern bei der Bewertung des Standes der Digitalisierung der Schutz von sogenannten kritischen Infrastrukturen und das Niveau der Netzsicherheit.

Hier sind finnische Sicherheitsexperten auf dem Weltmarkt ausgesprochen gefragt. "Das hat mit der engen Zusammenarbeit von Sicherheitsbehörden, Universitäten und Sicherheitsunternehmen zu tun", meint Professor Jarno Limnell, Sicherheitsberater, Militärexperte für digitale Kriegsführung und langjähriger Dozent an der Nationalen Verteidigungsuniversität Helsinki. Schon im Jahr 2012 hat Finnland ein sehr pragmatisches Gesetz zur Sicherung kritischer Infrastrukturen, wie etwa der Stromversorgung, Banken, Telekommunikationsnetzen und Verkehrssystemen, auf den Weg gebracht.

Finnland hat früh in Cyber-Sicherheit investiert

"Der zentrale Punkt dabei ist das Aufdecken von Sicherheitslücken", erläutert Jarno Limnell. Selbst die finnischen Militärs müssen Sicherheitslücken, die ihnen bekannt werden oder die sie selbst finden, an die Nationale Verteidigungsuniversität melden. Dort sorgt ein Clearing Center dafür, dass sie geschlossen werden. Auf diesen Sicherheitslücken basierende Angriffsprogramme können dann nicht mehr erfolgreich eingesetzt werden.

In Frankreich und in Slowenien dagegen besteht wie in den meisten europäischen Staaten keine Meldepflicht für Sicherheitslücken, sondern nur eine Pflicht, sicherheitsrelevante Vorfälle zu melden.

EU wählt anderen Kurs bei Sicherheit

Nachrichtendienste und Militärs haben eine solche europäische Meldepflicht verhindert, weil sie dann die Grundlage ihrer eigenen digitalen Waffen und Spionageprogramme bedroht sehen. "In Helsinki haben wir uns zu einer anderen Politik entschieden, weil wir gesehen haben, dass Angriffsmethoden wie die Evasion-Technik nur erfolgreich abgewehrt werden kann, wenn die zugrunde liegenden Sicherheitslücken geschlossen sind", berichtet Jarno Limnell.

Tatsächlich hatte die finnische Wirtschaft in den Jahren 2004 bis 2011 erheblich mit solchen digitalen Schädlingen zu kämpfen. Auch hier erkannte Digitalministerin Suvi Linden im Jahr 2010, dass ihr Land nur dann erfolgreich eine Digitalisierungsstrategie umsetzen kann, wenn die Sicherheitsvoraussetzungen stimmen. Doch diese Einsicht wächst in der EU erst sehr langsam.

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