Sie sind hier:

Probleme beim BER - Der verflixte siebte Termin

Datum:

Für den BER soll es einen neuen Eröffnungstermin geben - den siebten. Die letzte Verschiebung ist nur elf Monate her. Sieben Gründe, warum es wieder schiefgehen kann.

Baustelle Hauptstadtflughafen
Baustelle Hauptstadtflughafen Quelle: dpa

Gregor Klässig wollte mal einen Fish and Chips-Laden am BER eröffnen. Der Kredit dafür ist abgezahlt, über fünf Jahre 400.000 Euro. Der Shop im BER wäre sein Ruin gewesen, wenn er nicht noch andere Läden gehabt hätte. Ein neuer Termin, der siebte? "Sollen sie doch reden!", er hat die Hoffnung aufgegeben und wird erst aktiv werden, wenn der Flughafen ihm einen schriftlichen Termin mitteilt - zwölf Monate vor Eröffnung. Der Unternehmer geht davon aus, das wird 2021 oder 2022 oder gar nichts. "Noch nicht mal die Sprinkleranlage ist fertig!", sagt er. 

Sprinkleranlage

Und damit sind wir schon beim ersten großen Problem. Im Mai hieß es, bei der Sprinkleranlage müssten noch 2,5 Kilometer Rohre ausgetauscht werden, im verwinkelten Terminal mit Tausenden von Räumen und überfüllten Trassen. Es war die Rede von einer Sprinkler-Task-Force, die extra dafür gegründet wurde. Sie sollte bis zum Jahresende dafür sorgen, dass die Anlage läuft. Im TÜV-Bericht vom November heißt es: Wirksamkeit und Betriebssicherheit seien nicht gewährleistet. Auf Anfrage teilt die Flughafengesellschaft mit, dass die Sprinkleranlage wesentliche Mängel aufweist. Wie viele Meter der 2,5 Kilometer Rohre noch fehlen, da hüllt sich die Flughafengesellschaft in Schweigen und verweist auf den Termin heute. Mängel im Brandschutz haben beim BER Tradition: Sie waren schon der Grund für die Absage des ersten Eröffnungstermins 2012.   

Brandmeldeanlage

Die Sprinkleranlage soll verhindern, dass ein Feuer sich zum Großbrand entwickelt. Sie funktioniert also nicht, aber auch bei der Brandmeldeanlage sieht es nicht besser aus. Die Flughafengesellschaft gesteht auch wesentliche Mängel bei der Brandmeldeanlage 61 im Pier Nord ein. 

Entrauchungssteuerung

Die Entrauchungssteuerung soll bei Feuer dafür sorgen, dass der Qualm abgeleitet wird. Das Segment 1 jedoch weist wesentliche Mängel auf. "Wesentliche Mängel" ist bei der Flughafengesellschaft übrigens eine sehr oft genutzte Formulierung, konkreter wird sie jedoch nicht. Wann diese wesentlichen Mängel behoben sein werden, ist allerdings auch noch offen.

Sicherheitsbeleuchtung und Sicherheitsstromversorgung

Ähnlich sieht es bei der Sicherheitsbeleuchtung aus: Sie weist als Teil der Sicherheitsstromversorgung ebenso wesentliche Mängel auf. Es handelt sich um den Bereich im nördlichen Teil des Hauptterminals. Aber auch bei der gesamten Sicherheitsstromversorgung  geht die Flughafengesellschaft von wesentlichen Mängeln aus, der Bericht werde noch erstellt.

Elektroakustisches Notrufwarnsystem

Weiter geht es mit Problemen im nördlichen Teil des Hauptterminals: Auch das elektroakustische Notrufwarnsystem weist, ja genau, wesentliche Mängel auf.

Problem Hauptterminal

Die aufgeführten Probleme befinden sich allesamt im Hauptterminal. Kein Wunder, dass ein gewagter Plan existieren soll, den Flughafen ohne Hauptterminal zu eröffnen. Provisorien könnten das Hauptterminal ersetzten. Doch was wird dann mit dem Hauptterminal - rückt dessen Fertigstellung noch weiter in die Ferne? Gibt es dann eine Stück-für-Stück-Eröffnung? Der Flughafen stellt sich gegen diese Vermutungen und sagt: "Die Inbetriebnahme des BER wird mit allen Gebäuden erfolgen. Trotz aller technischen Schwierigkeiten bleibt das Fluggastterminal das Kernstück des BER und wird fertiggestellt."

Die Größe

Der "Masterplan", entwickelt vom derzeitigen fünften Flughafenchef Engelbert Lütke-Daldrup sieht Erweiterungen vor. Denn, wie schon lange bekannt, wird der neue Flughafen zu klein sein. Doch auch die im "Masterplan" vorgesehenen Erweiterungen machen ihn immer noch nicht groß genug für die Hauptstadt, so Kritiker.

Flughafenexperte Faulenbach da Costa sagt, so werde es viel weniger Check-in-Schalter als in Tegel geben, obwohl mehr Passagiere erwartet werden. Er sagt: "Die Passagiere werden dort unter elenden Bedingungen abgefertigt. Einen guten internationalen Standard wird es nicht geben." Er schlägt vor, den Hauptterminal zu entkernen und neu zu konzipieren. Das macht 900 Millionen Euro an Kosten. Doch wer garantiert, dass es dann beim zweiten Versuch klappt?

Unternehmer Gregor Klässig ist froh, dass er in der Zwischenzeit in Tegel investieren konnte. Da hat er einen Kaffeestand, der gut läuft und gut wäre auch, wenn das so bleibt. Doch da gibt es einen Haken - die Betriebsgenehmigung für den Flughafen Tegel läuft Ende 2019 aus. Auf unsere Anfrage hin beteuert die Flughafengesellschaft: Um eine weitere Genehmigung habe man sich schon gekümmert, sie werde sicher kommen. So sicher, wie die Eröffnung des BER ... ?

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.