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Nach Parlamentswahl - Großbritannien: May verliert engste Berater

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Nach dem Verlust ihrer absoluten Mehrheit muss Großbritanniens Premierministerin Theresa May eine weitere Schlappe hinnehmen. Ihre engen Vertrauten, Stabschef Nick Timothy und Co-Stabschefin Fiona Hill legen ihre Ämter nieder. Offenbar setzten einige Tories ihre Premieministerin unter Druck.

Nachdem die Konservativen in Großbritannien ihre Mehrheit verloren haben, gibt es erste Konsequenzen. Zwei Vertraute von Premierministerin May traten zurück.

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Nach der Wahlschlappe der Tories bei der Parlamentswahl in Großbritannien haben zwei langjährige Vertraute von Premierministerin Theresa May den Hut genommen. Die beiden Stabschefs Nick Timothy und Fiona Hill legten am Samstag ihre Ämter nieder. Britischen Medienberichten zufolge hatten führende Mitglieder der konservativen Tories den Verbleib Mays im Amt vom Rücktritt ihrer Stabschefs abhängig gemacht.

Experten meinen, dass der Verlust ihrer Berater ein schwerer Schlag für May ist: "Ich kann mir nicht vorstellen, wie Theresa May ohne die beiden funktionieren kann, sie sind quasi ihr rechter und ihr linker Arm. Das ist ein großes Opfer, das sie bringt, um Premierministern zu bleiben“, sagte der Journalist und politische Beobachter Tim Montgomerie dem ZDF.

"Toxische" Atmosphäre in Regierungsmannschaft

Nick Timothy erklärte am Samstag in einem von der Website "ConservativeHome" veröffentlichten Schreiben, er übernehme die Verantwortung für seine Rolle im Wahlkampf der Konservativen. Wenig später bestätigte ein Parteisprecher, auch Hill habe ihren Rücktritt eingereicht. Sowohl Timothy als auch Hill hatten May bereits während ihrer Zeit als Innenministerin von 2010 bis 2016 als Berater zur Seite gestanden.

Als Grund für das "enttäuschende Ergebnis" bei der Wahl am Donnerstag führte Timothy in seinem Schreiben einen "unerwarteten Anstieg der Unterstützung für Labour" an. Einen Mangel an Unterstützung für May habe es hingegen nicht gegeben. Timothy war vorgeworfen worden, maßgeblich hinter dem umstrittenen Vorhaben zu stehen, ältere Menschen größtenteils für die Kosten ihrer Pflege aufkommen zu lassen. Selbst in der konservativen Presse stieß dies auf massive Ablehnung. May zog den Plan angesichts der verbreiteten Empörung schließlich mitten im Wahlkampf wieder zurück.

Die beiden Stabschefs wurden britischen Medienberichten zufolge zudem für eine "toxische" Atmosphäre in Mays Regierungsmannschaft verantwortlich gemacht. Die frühere Kommunikationschefin der Premierministerin, Katie Perrior, beklagte gegenüber dem Sender BBC eine "schreckliche" Stimmung bei Treffen, an denen Timothy und Hill teilnahmen. Die beiden Stabschefs hätten keinen Respekt gegenüber Mitarbeitern oder sogar Kabinettsmitgliedern gezeigt. Sie habe gedacht, May benötige angesichts der Brexit-Verhandlungen "Diplomaten und keine Straßenkämpfer", sagte Perrior.

"May blickt in den Abgrund"

Eigentlich hatte May sich von der vorgezogenen Neuwahl ein starkes Mandat für die Brexit-Verhandlungen erhofft, ihre konservativen Tories erlitten stattdessen aber bittere Verluste und büßten ihre absolute Mehrheit eint. Trotz Rücktrittsforderungen ließ sich May am Freitag von Königin Elizabeth II. offiziell mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragen. Sie ist dabei auf die Unterstützung der nordirischen Democratic Unionist Party (DUP) angewiesen.
In der britischen Presse steht May massiv in der Kritik. "Sie ist erledigt", titelte die Boulevard-Zeitung "The Sun" am Samstag. Auch viele andere britische Zeitungen sehen die Premierministerin geschwächt: "May blickt in den Abgrund" lautete die Schlagzeile in der "Times", "Die Tories wenden sich gegen Theresa", schrieb die konservative "Daily Mail". "Koalition der Irren" titelte die Boulevard-Zeitung "Daily Mirror" mit Blick auf Mays angestrebte Minderheitsregierung mit Unterstützung der streng konservativen nordirischen DUP.

Auf Kritik stieß auch Mays Entscheidung, fünf wichtige Mitglieder ihres bisherigen Kabinetts im Amt zu belassen. Neben Außenminister Boris Johnson und Brexit-Minister David Davis sollen auch Finanzminister Philip Hammond, Verteidigungsminister Michael Fallon und Innenministerin Amber Rudd ihre Posten behalten. Für Samstagnachmittag berief May eine erste Kabinettssitzung ein.

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