Sie sind hier:

Acht Wanderer vermisst - Gewaltiger Bergsturz: "In gefährdetem Gebiet"

Datum:

Plötzlich scheint ein Berghang zu zerbröseln, und riesige Geröllmengen stürzen herab: Ein gigantischer Bergsturz begräbt Teile eines Schweizer Tals. Acht Wanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz werden vermisst. Es ist ein Unglück mit Vorankündigung.

Nach einem Bergrutsch in der Schweiz werden noch immer acht Personen vermisst. Unter ihnen sind nach Angaben der Kantonspolizei auch Deutsche und Österreicher. Das Unglück im Val Bondasca im Kanton Graubünden gilt als Gefahrengebiet.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Ein Bergsturz von riesigem Ausmaß hat acht Wanderer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in den Schweizer Alpen überrascht. Sie wurden am Donnerstag vermisst, wie die Kantonspolizei in Graubünden mitteilte. Polizei und Angehörige konnten die Wanderer im Bondasca-Tal telefonisch nicht erreichen. Die Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard verschaffte sich im Katastrophengebiet selbst einen Eindruck über die Lage und äußerte nur wenig Hoffnung für mögliche Überlebende.

Suche mit Helikoptern

Die Gesteins- und Schlammlawine hat das Tal am Mittwoch auf einer Länge von fünf Kilometern teilweise mehrere zehn Meter hoch verschüttet. Trotz intensiver Suche mit Helikoptern, Hunden und Handypeilung konnte zunächst keiner der Vermissten gefunden werden. Die Suche sollte auch in der Nacht zu Freitag weitergehen. Hubschrauber seien mit Wärmekameras im Einsatz. Dass sich die Wanderer in dem Gebiet aufhielten, war erst 24 Stunden später bekannt geworden.

Eine zweite Wanderergruppe, die auch in dem Tal in Graubünden vermutet und vermisst gemeldet worden war, tauchte inzwischen unversehrt in Italien auf, wie eine Sprecherin der Polizei im Kanton Graubünden bestätigte.

Fast zwei Cheopspyramiden

"Das war der größte Bergsturz der letzten Jahrzehnte", sagte Martin Keiser vom Amt für Wald und Naturgefahren. Rund vier Millionen Kubikmeter Gestein hatten sich am Mittwoch vom 3.369 Meter hohen Piz Cengalo gelöst. Die Gesteinsmenge entspricht fast zwei Cheops-Pyramiden. Erst im Laufe des Abends wurde das ganze Ausmaß des Unglücks erkannt.

Allein die Druckwelle der zerstörerischen Walze knickte viele Bäume um. Das Dorf Bondo am Talschluss musste geräumt werden. Rund 100 Einwohner kamen mit dem Schrecken davon, weil ein Vorwarnsystem Alarm geschlagen hatte. Der Bergsturz am Piz Cengalo war so gewaltig, dass die Erdbebenwarte in Zürich die Erschütterungen registrierte.

Beliebtes Wander- und Bergsteigergebiet

Das Tal rund 35 Kilometer südwestlich von St. Moritz ist ein beliebtes Wander- und Bergsteigergebiet. Hubschrauber brachten schon am Mittwoch 32 Menschen ins Tal. Feuerwehr, Polizei, Militär und Zivilschutz waren nach Angaben der Behörden mit mehr als 120 Leuten im Einsatz.

Die Wanderer hatten sich laut Behörden in einem offiziell ausgewiesenen Gefahrengebiet aufgehalten. Die Gemeinde Bondo habe zuletzt am 14. August eine Warnung vor einem möglichen Felssturz herausgegeben, sagte die Gemeindevorsteherin Anna Giacometti bei einer Pressekonferenz.

"In gefährdetem Gebiet"

"Die Leute haben gewusst, sie bewegen sich in einem gefährdeten Gebiet." Auch die Hüttenwirte hätten Wanderer auf die Gefahren aufmerksam gemacht, sagte Giacometti. Allerdings seien nur wenige Teile des Tales gesperrt gewesen.

Ein Bergsturz war von den Behörden erwartet worden. Er habe sich durch mehrere Felsstürze in den Jahren 2011, 2012 und 2016 angekündigt sowie durch ein Ereignis am 21. August, so der Schweizer Erdbebendienst.

Keine Angaben zu vermissten Deutschen

Zur Herkunft der Vermissten, die nicht zusammen unterwegs waren, machte der Einsatzleiter der Schweizer Polizei, Andrea Mittner, keine Angaben. Laut österreichischem Außenministerium ist unter den acht Vermissten ein Ehepaar aus der Alpenrepublik. Das
Auswärtige Amt in Berlin machte bisher keine Angaben zu den Vermissten.

Ob die Wanderer von herabfallenden Felsbrocken getroffen, von der anschließenden Schlamm- und Gerölllawine mitgerissen oder nur von ihrem Rückweg abgeschnitten wurden, war unklar.

Die Einwohner des Örtchens Bondo im Tal sahen riesige Staubwolken aufsteigen. Ein vor nicht allzu langer Zeit eigens installiertes Murgang-Warnsystem rettete womöglich einigen das Leben: Der Alarm ging im Dorf los, und wenig später schoben sich die grauen Geröll- und Schlammmassen direkt auf das Dorf zu.

Der Klimawandel könnte zu vermehrten Bergstürzen beitragen, berichtete die Arbeitsgruppe Naturgefahren des Kantons Bern. Wenn sich der Permafrost im Felsen zurückbilde, würden neue Trennflächen aktiv. Wenn sich Gestein ablöse, gebe es neue Fließwege für Wasser und neue Druckverhältnisse, was den Fels zusätzlich destabilisiere.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.