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Untersuchungsbericht - Kommission bestätigt Chemiewaffen-Einsatz in Syrien

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Die Bilder von erstickenden Kindern in Syrien haben im April weltweit für Entsetzen gesorgt. Nun haben Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen bestätigt: In der Stadt Chan Scheichun ist damals Giftgas eingesetzt worden. Russland zweifelte den Bericht umgehend an.

"Ich glaube, die Amerikaner wollen eine rote Linie ziehen, sie wollen nicht nur in einer Zuschauerrolle sein", berichtet ZDF-Korrespondent Uli Gack zur aktuell aufgeheizten Stimmung zwischen Russland und den USA. Nachdem die USA einen syrischen Kampfjet …

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Eine Untersuchungskommission der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) hat den Einsatz von Giftgas in der syrischen Stadt Chan Scheichun am 4. April bestätigt. Die von OPCW-Experten gesammelten Informationen führten zu dem Schluss, "dass eine große Zahl an Menschen, von denen manche starben, Saringas oder einer Saringas-ähnlichen Substanz ausgesetzt waren", heißt es in einem vertraulichen Bericht, der der Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag (Ortszeit) in New York in Auszügen vorlag.

Das Giftgas sei sehr wahrscheinlich dort freigesetzt worden, wo nun "ein Krater in der Straße" klaffe. Die Experten seien der Auffassung, "dass solch eine Freisetzung nur als Einsatz von Saringas als chemische Waffe eingestuft" werden könne, heißt es in dem Bericht. In einer Pressemitteilung der OPCW wird darauf hingewiesen, dass die Experten nicht das Mandat gehabt hätten zu prüfen, wer für den Vorfall verantwortlich sei.

Untersucht wurden Gewebeproben von Opfern sowie Bodenproben, auch Zeugen hörten die Ermittler an. Ein gemeinsames Gremium der OPCW und der UNO soll nun klären, ob die syrische Regierung hinter dem Angriff steckte.

Assad im April: Giftgas-Angriff "konstruiert"

Durch den Giftgas-Angriff waren mindestens 87 Menschen getötet worden, darunter zahlreiche Kinder. Die USA, Großbritannien und Frankreich hatten die Truppen von Syriens Machthaber Baschar al-Assad dafür verantwortlich gemacht. Als Reaktion beschossen US-Streitkräfte den syrischen Luftwaffenstützpunkt Al-Schairat, von dem der Giftgas-Angriff ausgegangen sein soll, mit Marschflugkörpern.

Die syrische Regierung wies die Vorwürfe wiederholt zurück. Mitte April sagte Assad in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP, der Giftgas-Angriff in Chan Scheichun sei zu "hundert Prozent konstruiert".

Russland: Bericht nicht glaubwürdig

Die russische Regierung wies den Expertenbericht der OPCW zurück. "Wir müssen feststellen, dass diese Schlussfolgerungen weiterhin auf sehr zweifelhaften Daten basieren", erklärte das Außenministerium in Moskau. Der Bericht sei "politisch gesteuert" und "parteiisch". Er bringe jeden Leser unweigerlich dazu, die syrische Armee hinter dem Angriff zu sehen. Moskau hoffe, dass die nachfolgende Untersuchung "die wahren Verantwortlichen dieses Verbrechens" finde.

Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Schäfer, sagte dagegen, "alle Indizien" deuteten auf eine Verantwortung der syrischen Regierung hin. Sollte sich dies bei der nun folgenden Untersuchung "abschließend bewahrheiten", "wäre das ein neuer eklatanter und schwerwiegender Verstoß gegen das Chemiewaffenübereinkommen". "Wir verurteilen den Einsatz von geächteten Chemiewaffen auf das Schärfste", fügte Schäfer hinzu. "Die Staatengemeinschaft wird dies nicht tolerieren und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen."

Auch die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, erklärte, sie habe "höchstes Vertrauen in den OPCW-Bericht". "Jetzt, wo wir die nicht zu leugnende Wahrheit kennen, sehen wir einer unabhängigen Untersuchung entgegen, um genau zu bestätigen, wer für diese brutalen Angriffe verantwortlich war, damit wir Gerechtigkeit für die Opfer erringen können", fügte sie hinzu.

Die gemeinsame Untersuchung von UNO und OPCW ist bereits zu dem Schluss gekommen, dass die syrischen Regierungstruppen für Chlorgas-Angriffe auf drei Dörfer in den Jahren 2014 und 2015 verantwortlich waren und dass die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) 2015 Senfgas einsetzte.

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