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Bedrückender UN-Bericht - Rasantes Artensterben: Lässt sich gegensteuern?

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Der UN-Bericht zum Artensterben zeigt: Immer schneller zerstört die Menschheit die Ökosysteme auf der Welt und damit seine eigene Lebensgrundlage. Lässt sich noch gegensteuern?

Der neue Biodiversitätsbericht ist ein umfassender Überblick über den Zustand der Tier- und Pflanzenarten. Vom Artensterben seien weltweit viele Systeme betroffen, eine andere Strategie zur Rohstoffnutzung und ein anderes Wirtschaftssystem sei notwendig.

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Der Verlust an Artenvielfalt sei kein reines Umweltthema, sondern beeinflusse auch Wirtschaft, politische Stabilität und soziale Aspekte wie zum Beispiel Flüchtlingsströme, mahnen die Autoren der UN-Studie. Sie halten weltweit gravierende Folgen für die Menschen für wahrscheinlich.

Forscher fordert Veränderungen in allen Lebensbereichen

Der Leiter des Deutschen Zentrums für Integrative Biodiversitätsforschung in Leipzig, Marten Winter, sieht die intensive Landnutzung als den größten Treiber für den sich verschlechternden Zustand der Erde. Die im Bericht aufgezeigten Zukunftsszenarien zeigten sehr deutlich, dass die weitere Nutzung natürlicher Ressourcen nur dann zukunftsfähig und nachhaltig sei, wenn es in allen Bereichen der Gesellschaft zu Veränderungen komme. Diese müssten jetzt von der Politik angestoßen und durchgesetzt werden. "Das wird zum Teil sicher schmerzhaft für viele Menschen, ist aber dringend notwendig", so Winter.

Wie Landwirte und Verbraucher zum Artenschutz beitragen können

Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sprach von einem Weckruf. Der Bericht zeige, dass das Artensterben bis zu hundert Mal schneller voranschreite als in früheren Epochen. Verantwortlich hierfür sei die intensive Land- und Meeresnutzung, das Wachstum der Städte, aber auch der Klimawandel. Sie sprach sich für ein weltweites Artenschutzabkommen ähnlich wie beim Klimaschutz aus. In Deutschland will sich Schulze für eine Ausweitung und Vernetzung der Schutzgebiete einsetzen. Zudem müssten schädliche Subventionen in der Landwirtschaft gestrichen und das Fördersystem in der EU zugunsten des Artenschutzes reformiert werden. Die Agrarförderung sei der "wichtigste Hebel", um Änderungen zu bewirken, sagt die SPD-Politikerin.

Die Grünen-Sprecherin für Naturschutz, Steffi Lemke, rief die Bundesregierung zu einer Kehrtwende auf. Statt hunderte Pestizide ohne Prüfung zuzulassen, erfordere der Erhalt unserer Artenvielfalt eine Agrarwende und einen Ausstieg aus Ackergiften wie Glyphosat und Neonikotinoiden.

WWF: Beherztes Handeln nötig

Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, einer der Hauptautoren des Berichts, bezeichnete die Verluste bei den Ökosystemen, den wildlebenden Arten sowie bei Nutztieren und Nutzpflanzen als eine direkte Folge menschlicher Aktivitäten. Sie schaffen eine direkte Bedrohung des Wohlergehens der Menschheit in allen Regionen der Welt, so Settele. Die Ergebnisse des Berichts hätten fast eine neue wissenschaftliche Qualität. Beispielsweise könne man bei einer Klimaerwärmung von zwei Grad Korallen "im Prinzip abhaken". Korallen seien die artenvielfältigsten Bereiche in den Meeren. Von ihrem Sterben seien vor allem Fischer betroffen.

Eberhard Brandes vom WWF bezeichnete den Bericht als "alarmierende Ökoinventur der Erde". Alle Menschen, insbesondere in Politik und Unternehmen, seien jetzt zu beherztem Handeln verpflichtet. Man müsse daher schleunigst beginnen, in den  natürlichen Grenzen der Erde zu wirtschaften.

Beispiele für bedrohte Arten

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) fordert eine Kehrtwende. Mit dem neuen Bericht gebe es keine Ausreden mehr, betonte der Vorsitzende Hubert Weiger. Unser Ressourcenverbrauch, unser immenser ökologischer Fußabdruck in Deutschland und in Europa führten zur Zerstörung von Lebensräumen und zum Aussterben von Arten in der Welt. So sei etwa unser enormer Konsum an Energie, Fleisch, Palmöl, Papier, Metallen und seltenen Erden für das Verschwinden ganzer Tropenwälder verantwortlich.

Deutschland wird zum nächsten UN-Biodiversitätsgipfel in China im Jahr 2020 die EU-Ratspräsidentschaft innehaben. Aus Sicht des BUND kommt der Bundesregierung deshalb eine besondere Rolle zu.

Manfred Kessler arbeitet in der ZDF-Redaktion Umwelt.

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