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Bevölkerungsprognose bis 2035 - Geteiltes Land und eine schrumpfende Mitte

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Städte boomen, viele Regionen veröden, überall schrumpft die Mitte der Bevölkerung: Eine Studie zeigt für alle 401 Kreise und kreisfreien Städte die Lage bis 2035 - ein Überblick.

Das Berlin Institut hat den demografischen Wandel in Deutschland untersucht: Im Süden und in Städten wird es bis 2035 mehr Bewohner geben.

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Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung hat eine Prognose für alle 401 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland bis 2035 berechnen lassen. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

Bevölkerung bleibt in etwa konstant

Derzeit leben in Deutschland etwa 83 Millionen Menschen. Durch den starken Zuzug von Flüchtlingen in den Jahren 2015 und 2016 und leicht gestiegener Geburtenzahlen ist die Bevölkerung in den letzten Jahren gewachsen. Inzwischen gibt es weniger Zuwanderer, im Schnitt werden zwischen 2017 und 2035 Schätzungen zufolge jährlich etwa 260.000 Menschen mehr nach Deutschland kommen als wegziehen. Wenn sich diese Entwicklung so fortsetzt, wird die Bevölkerung bis 2035 - trotz Überalterung und damit verbunden mehr Sterbefällen als Geburten - ungefähr gleich bleiben.

Kluft zwischen Ost und West - Zweigeteilte Lage im Westen

Die Forscher vom Berlin-Institut stellen eine wachsende Kluft zwischen Ost- und Westdeutschland fest, aber auch im Westen geht es nicht überall bergauf. Vor allem im Osten, aber auch im Westen, wachsen zwar die großen Städte weiter - aber zu Lasten der ländlichen Regionen.

Der Osten blutet aus: In allen fünf ostdeutschen Flächenländern wird demnach die Einwohnerzahl in den kommenden 15 Jahren drastisch schrumpfen - in Sachsen-Anhalt um 16 Prozent, in Thüringen um 14 und in Mecklenburg-Vorpommern um 11 Prozent, auch Brandenburg und Sachsen verlieren Einwohner. In 23 Kreisen im Osten geht die Bevölkerung um mehr als 20 Prozent zurück.

Hingegen wirkt Berlin wie ein Magnet - bis 2035 wird es der Studie zufolge 11 Prozent mehr Hauptstädter geben. Neben Berlin können acht weitere Großstädte im Osten mit Wachstum rechnen. Die bundesweit am schnellsten wachsende Stadt ist Leipzig mit einem Plus von 16 Prozent.

Fußgängerzone Grimmaische Straße in der Innenstadt von Leipzig
Leuchtturm des Ostens: Leipzig wird laut Prognose die am stärksten wachsende Stadt in Deutschland.
Quelle: imago


Auch im Westen ist das Bild zweigeteilt: Hamburg wächst mit 10 Prozent am stärksten, das Saarland verliert mit 9 Prozent die meisten Einwohner. Etwa 4 Prozent zulegen werden Bremen, Baden-Württemberg und Bayern. Auch Hessen wächst etwas, während Nordrhein- Westfalen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein bis zu 3 Prozent ihrer Bevölkerung einbüßen.

Babyboomer im Rentenalter und die Folgen

Die Babyboomer erreichen bald das Rentenalter - die Zahl der über 64-Jährigen wird bis 2035 um 4,8 Millionen steigen - ein Plus von 27 Prozent. Auch hier ist die Entwicklung laut Studie regional sehr unterschiedlich:

Die Alterung der Bevölkerung macht sich besonders in den noch jungen und wirtschaftlich prosperierenden Regionen bemerkbar - dort leben überproportional viele Menschen, die bis 2035 in Rente gehen. In Städten wie Cloppenburg (Niedersachsen) oder Freising (Bayern) werden zwischen 55 und 68 Prozent mehr Menschen über 64 leben als heute.

In Regionen, wo viele Junge abgewandert sind und die Bevölkerung ein hohes Durchschnittsalter hat, wird die Zahl der Menschen, die älter als 64 Jahre sind, aus natürlichen Gründen abnehmen. Darunter fallen mittelgroße Städte wie Chemnitz, Halle oder Wilhemshaven.

Trabi vor einem Plattenbau in Magdeburg (Sachsen-Anhalt)
In Sachsen-Anhalt wird die Einwohnerzahl bis 2035 um 16 Prozent abnehmen.
Quelle: dpa

Kleiner Babyboom und die "schrumpfende Mitte"

Die Zahl der Geburten ist in den letzten Jahren wieder gestiegen: 2017 kamen 785 .000 Kinder zur Welt - 120.000 mehr als noch im Jahr 2009. In den Regionen mit vielen unter 20-Jährigen steigt durch diesen kleinen Babyboom bis 2035 der Bedarf an Kitas und Schulen.

Dagegen wird laut Studie die Zahl der Menschen in der Gruppe der 20- bis 64-Jährigen deutlich sinken. Bis 2035 wird diese Gruppe - also der Menschen im erwerbsfähigen Alter - um fast zwölf Prozent von 50 auf 44 Millionen schrumpfen - und zwar verteilt über das ganze Land. Von bundesweit 401 Kreisen und kreisfreien Städten können nur 31 damit rechnen, dass die Einwohnerzahl in dieser Altersgruppe gleich bleibt oder wächst.

Die "schrumpfende Mitte" stufen die Forscher als ernste Herausforderung ein. Denn sie ist es vor allem, die Steuern und Beträge in die Sozialkassen zahlt.

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