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Eröffnung in Berlin - Staatsoper mit neuer High-Tech-Seele

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Nach sieben Jahren Sanierung ist die Berliner Staatsoper wiedereröffnet worden. Als am Abend das Orchester der Staatsoper zur Overtüre anhob, hallten die Töne länger nach als sonst. Genau 0,5 Sekunden länger, das mag wenig klingen, in der Welt der Musik sind dies aber Klanguniversen.

"Dich, teure Halle, grüß' ich wieder." Teuer ist die Sanierung der Berliner Staatsoper geworden: Bei Baubeginn waren es noch 239 Millionen Euro, inzwischen sind daraus 400 Millionen geworden.

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Möglich wurde das Tonwunder durch die sogenannte Nachhallgallerie, die gleich einem filigranen Netz über dem dritten Balkon schwebt. Ein zerbrechlich wirkendes Keramikverbundgebilde, für das die Decke beinah fünf Meter angehoben wurde. Das Ergebnis verleiht der Staatsoper diese vollere, wärmere Akustik und eine spannende Leichtigkeit. Alles andere blieb mehr oder weniger so wie es war: preußischer, klassischer Rokoko, der das Haus immer auszeichnete und um den in ihrer Geschichte leidenschaftlich gestritten wurde.

Wechselvolle Zeit

Eröffnet wurde die Staatoper am 7. Dezember 1742. Der Hofarchitekt Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff entwarf sie im Stile einer klassischen, italienischen Oper und wie in einer tragischen Oper, erlebte das Gebäude durch die Jahrhunderte eine spannende und wechselvolle Zeit. So brannte die Hofoper in der Nacht vom 18. zum 19. August 1843 bis auf die Grundmauern nieder. König Friedrich Wilhelm IV ließ sie wiederaufbauen, dieses Mal nach Plänen des Architekten Carl Ferdinand Langhans.

Die Staatsoper überdauerte den Nationalsozialismus, mehrere Luftangriffe zerstörten das Gebäude aber teilweise. 1951 wurde entschieden es wiederaufzubauen. Durch den Mauerbau konnten Künstler aus dem Westen ab 1961 nicht mehr in der Lindenoper auftreten. Nach der Wiedervereinigung interessierte sich dann der berühmte Dirigent Daniel Barenboim für die Oper. 1992 übernahm er die künstlerische Leitung. 2000 wurde er als Generalmusikdirektor auf Lebenszeit gewählt.

Baulich saniert

Nach der Jahrtausendwende musste die Staatoper baulich saniert werden. Doch die Pläne für die Oper gerieten zum politischen Theater. Ein von einer Jury prämierter Entwurf des Architekten Klaus Roth, der die moderne Neugestaltung des Zuschauerraumes vorsah, führte zu vehementen Protesten. Der damals Regierende Bürgermeister Wowereit griff ein. Die Sanierung wurde neu ausgeschrieben. Der Denkmalschutz sollte stärker berücksichtig werden.

Doch wie bei so vielen Großprojekten explodierten auch die Kosten der Opernsanierung. Anstatt den geplanten rund 240 Millionen Euro sollten es schließlich 400 Millionen Euro werden. Nicht eingeplante Schwierigkeiten, wie ein unbekannter Tresorraum und sandiger Boden verteuerten den Bau. Politische Konsequenz: ein Untersuchungsausschuss, der den Beschluss von Wowereit kritisch beleuchten sollte. Geholfen hat es am Ende nicht. Es blieb lediglich die Erkenntnis, dass auch an der Staatsoper mit dem Bauen begonnen wurde - bevor das komplexe Vorhaben wirklich zu Ende geplant war - nämlich einfach zu schnell.

Moderne Bühnentechnik

So musste das Ensemble auch sieben anstatt den geplanten drei Jahren in seinem Zwischenquartier, dem Schillertheater ausharren. Nun ziehen sie zurück in die Lindenoper, die nicht nur schöner nachklingt, sondern auch eine High-Tech-Seele bekommen hat. Hinter dem Vorhang verbirgt sich eine Bühnentechnik die zu den modernsten der Welt gehört.

Die Podien etwa können lautlos über acht Meter hinaufgleiten und genauso lautlos wieder hinab, 9,5 Meter tief. Die Haupttribüne hat 500 Quadratmeter, die Hinterbühne 330 - das lässt Raum, sehr viel Raum für aufwändige Inszenierungen. Vieles bleibt für den Zuschauer aber unsichtbar - wie der 115 Meter lange Tunnel, der die Bühne etwa mit dem Probenzentrum verbindet und durch den bis zu sieben Meter hohe Kulissen transportiert werden können.

Neuheit im alten Gewand

Und es gibt noch eine Neuheit, im alten Gewand. Die Bestuhlung im Zuschauerraum ist breiter und rückenverträglicher zur Freude jedes Opernbesuchers. Dennoch: wenn die Musik, heute Abend wieder durch die Staatoper hallt, dann ist all dies nur ein Vorspiel, denn nach den: "Szenen aus Goethes Faust", die sie heute in der Oper zeigen, vertont von Robert Schumann, nach dem Applaus, wird der Vorhang noch einmal für zwei Monate fallen. Denn wenn die Lindenoper heute Abend offiziell eröffnet, so ist dies nur ein Vorspiel.

Viele Bereiche der Staatsoper sind noch nicht fertig, so müssen etwa die Bühnenbilder den neuen Bedingungen angeglichen werden. Aber, wie sagte es der Musikdirektor Daniel Barenboim, man wollte zeigen, dass die Staatsoper nicht ist wie der Flughafen BER. Nein, sie ist auf gutem Wege, zwar noch nicht bereit für die ganz große Oper, aber vielleicht braucht in Berlin eben alles seine Zeit und so wird die Staatoper wohl am 7. Dezember 2017 hoffentlich tatsächlich eröffnen. Übrigens der 275 Geburtstag der ersten Oper Berlins.

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