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Berlin und München wollen Flussbäder

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Vorbild Schweiz - Berlin und München wollen Flussbäder

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Schwimmen mitten in Berlin – in der Spree, entlang der Museumsinsel? Oder in München bei der Corneliusbrücke? Deutsche Städte planen Flussbäder nach Schweizer Vorbild.

Ein Schild mit der Aufschrift "Baden verboten" hängt oberhalb der Kiesbaenken in der Isar.
Die Stadt München plant ein 650 Meter langes Isarflussbad zwischen Corneliusbrücke und Wehr VI.
Quelle: dpa

Flussbäder sind ein Schweizer Markenzeichen. Egal ob in Basel, Zürich, Bern oder Genf: Die Flüsse in der Schweiz sind so sauber, dass Tausende von Städtern sich gerne im Wasser abkühlen. Man steigt irgendwo ein oder springt in den Fluss, lässt sich von der Strömung abwärts treiben – und läuft dann den Weg wieder zurück.

Einhörner und Luftmatratzen

An manchen "Badis" genannten Badestellen gibt es Schließfächer, in denen Wertsachen verstaut werden können. Andere vertrauen auf wasserdichte Säcke, in die sie Schuhe, Klamotten und Smartphone stopfen. Die Säcke dienen zugleich als eine Art Schwimmbrett. Einhörner, Luftmatratzen und aufblasbare Schwimminseln dürfen ebenfalls nicht fehlen. Flussbäder sind in der Schweiz auch deshalb so beliebt, weil sie den Alltag auf unkomplizierte, erfrischende und kostenlose Weise unterbrechen. Kurz während der Mittagspause oder auf dem Heimweg nach Feierabend sich abkühlen, ist ein boomender Trend. Auf den wollen auch Berlin und München aufspringen.

Baden im Spreekanal

"Flussbad Berlin" heißt das Projekt, das den Spreekanal in Berlin für Schwimmer und Badegäste attraktiv machen soll. "Entlang der Museumsinsel soll sich ein 835 Meter langer Kanalabschnitt mit sauberem Flusswasser erstrecken", heißt es von den Berliner Organisatoren. Über Freitreppen, etwa am Lustgarten oder am Humboldt Forum, soll man ins Wasser gelangen. Da der Kanal zwischen Bode-Museum und Inselbrücke nicht mehr von Schiffen durchfahren wird, macht das geplante Flussbad auch der Schifffahrt keine Konkurrenz.

Nun sind die Flüsse in Deutschland nicht so sauber wie jene in der Schweiz. Doch ein ökologischer Pflanzenfilter soll dafür sorgen, dass das Spreewasser etwas sauberer wird. Der Filter soll zwischen der Gertraudenbrücke und dem Auswärtigem Amt wirken. "Das Wasser strömt auf einer Länge von etwa 400 Metern durch eine mit Wasserpflanzen bestandene Kiesschicht. In dieser Passage findet eine mikrobiologische Reinigung statt", heißt es von den Planern.

München plant 650-Meter-Abschnitt

Bis 2023 soll in Berlin die Freitreppe am Humboldt Forum fertiggestellt sein, der weitere Zeitplan ist noch unklar. Schon vorher soll es einen provisorischen Schwimmbetrieb zu Testzwecken geben. Seit vergangenem Jahr gibt es etwa den Berliner Flussbad-Pokal: ein Wettschwimmen im Spreekanal zwischen Bode-Museum und Schlossbrücke.

Auch München träumt von einem Flussbad nach Schweizer Vorbild. Allerdings sind die Planungen noch nicht so weit wie in Berlin. "Gemäß der Machbarkeitsstudie ist ein Isarflussbad im innerstädtischen Bereich zwischen Corneliusbrücke und Wehr VI auf einer Länge von circa 650 Metern geplant", teilt die Stadt München mit. Der Zeitplan sei aber noch völlig offen. Schon jetzt ist das Baden an manchen Stellen der Isar erlaubt, allerdings noch nicht in Form eines etablierten Flussbades. Planschen ist auch im Eisbach im Englischen Garten möglich - dort gibt es auch eine künstliche Welle, auf der Surfer ihr Glück versuchen.

Bei Hochwasser: Isar wird zu reißendem Gebirgsfluss

Gefährlich sei das Flussbaden in der Isar nicht. Allerdings gebe es im geplanten Bereich durchaus Stellen, "die Gefahren für einen möglichen Badebetrieb darstellen", teilt die Stadt München mit. Hier müsse man mit Sicherungen Abhilfe schaffen. Bei Hochwasser könne sich die Isar "sehr kurzfristig in einen reißenden Gebirgsfluss mit Geschiebefracht und Treibgutanfall entwickeln. Daher sind für einen Badebetrieb in Abhängigkeit von der Fließgeschwindigkeit entsprechende Regelungen erforderlich", heißt es von Seiten der Stadt.

Ganz grundsätzlich sollte man eine gesunde Portion Respekt für das Gewässer zeigen und sich nie überschätzen.
Toprak Yerguz, Stadt Basel

Und was sagen die Profis aus der Schweiz? "Das Rheinschwimmen ist eine sichere Angelegenheit, wenn man sich an ein paar wichtige Regeln hält", sagt Toprak Yerguz von der Stadt Basel. "Ganz grundsätzlich sollte man eine gesunde Portion Respekt für das Gewässer zeigen und sich nie überschätzen."

In Basel harmonieren Schwimmer und Schifffahrt

Anders als in Berlin und München fahren auf dem Rhein bei Basel Schiffe. "Die großen Schiffe können nicht ausweichen. Die Sicht des Kapitäns ist eingeschränkt. Es gilt deshalb, genügend Abstand zu den Schiffen zu halten", sagt Yerguz. "Generell wird empfohlen, nicht in der Schifffahrtsrinne zu schwimmen. Auffallende Farben beim Schwimmsack, der Badekappe oder den Badekleidern helfen, im Wasser gesehen zu werden." Die meisten Rheinschwimmer würden entlang des Ufers schwimmen. Für Berlin und München ist dieses Problem ohnehin irrelevant: Im Bereich der geplanten Flussbäder fahren ohnehin keine Schiffe.

Dem Autor auf Twitter folgen: @raphael_rauch

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