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69. Berlinale geht zu Ende - Von starken Frauen und Filmen

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Roter Teppich, Filme zum Diskutieren und Filme zum Spaß haben. Die letzte Berlinale unter Dieter Kosslicks Leitung geht auf die Zielgerade.

Der rote Teppich vor dem Berlinale Palast, Berlin, 07.02.19
Quelle: Reuters

"In meiner letzten Berlinale werden Frauen eine große Rolle spielen", sagte Festival-Leiter Dieter Kosslick – ein Versprechen, das er eingelöst hat. Starke Frauen und Frauengeschichten prägten die 69. Berliner Filmfestspiele wie nie zuvor. Sieben Regisseurinnen lud er in den Wettbewerb, so viele wie noch auf keinem großen Festival. Und da einer der ursprünglich 17 Wettbewerbsfilme, der chinesische Beitrag von Regisseur Zhang Yimou "Yi Miao Zhong", wegen technischer Probleme aus dem Rennen aussteigen musste, ergibt sich eine Frauenquote von rund 43 Prozent.

Privates wird politisch

Und auch qualitativ können die Filme überzeugen. Emotional wuchtig und erschütternd: "Systemsprenger", der erste Langfilm der Regisseurin Nora Fingscheidt. Über ein schwererziehbares Kind, mit dem die eigene Mutter nicht mehr zurechtkommt und das von Institution zu Institution weitergereicht wird. Während sich eigentlich das Mädchen nur danach sehnt, endlich wieder mit der Mutter zusammen zu sein.

Ganz nach Kosslicks diesjährigem Motto: "Das Private ist politisch" erzählt "Elisa y Marcela" von Isabel Coixet die Geschichte zweier Frauen im erzkonservativen Spanien zu Beginn des letzten Jahrhunderts, die sich ineinander verlieben und immer fürchterlicheren Repressalien ausgesetzt sind. Sie entscheiden, dass sich eine von ihnen als Mann ausgibt, um heiraten und gemeinsam nach Argentinien auswandern zu können. Ein Plan, der schwerwiegende Folgen nach sich zieht.

Viel Diskussion um Netflix

Ein Film nach einer wahren Geschichte, der auf der Berlinale für einige Aufregung sorgte. Allerdings nicht wegen seines Inhalts, sondern weil er die erste Netflix-Produktion ist, die es in einen Berlinale-Wettbewerb geschafft hat. Und das obwohl sich der Streaming-Gigant nicht an die üblichen Kinoauswertungen hält, sondern der Film nur in wenigen Lichtspieltheatern in Spanien laufen wird. Eine Diskussion, die alle Filmfestivals in den nächsten Jahren beschäftigen wird.

Noch ein Aufreger im Wettbewerb: Fatih Akins Horrorfilm "Der Goldene Handschuh". So viel Splatter gab es auf der Berlinale selten. Ein Film, nicht für schwache Nerven, über den Frauenmörder Fritz Honka, der in den 70er Jahren in Hamburg St. Pauli in der gleichnamigen Kneipe seine Opfer suchte.

Und einen Ehrenbären gab's auch

Hommage und Retrospektive widmen sich ebenfalls starken Frauen – der Goldene Ehrenbär für das Lebenswerk ging an die britische Schauspielerin Charlotte Rampling. Die Retrospektive zeigt das Schaffen von Regisseurinnen, die ab 1968 ihre ersten Spielfilme drehten. Und die Hoheit über die Vergabe der Bären hat auch eine Frau: die französische Schauspielerin Juliette Binoche.

Insgesamt eine Berlinale, die nicht durch eine Vielzahl ganz großer Namen auf sich aufmerksam gemacht hat. Damit ist aber Raum geblieben für die Geschichten, für die Regisseurinnen und Regisseure. Und es gab durchaus Filme im Wettbewerb, über die gestritten wurde, die manche großartig und andere fürchterlich fanden. Auf jeden Fall sind ein goldener und sieben silberne Bären bereits fertig gegossen, nur die eingravierten Namen für die neuen Besitzer fehlen noch.

Vorhang zu für Kosslick

Und Dieter Kosslick? Der Rote Teppich zur Bärenverleihung wird sein letzter als Berlinale Chef sein. Er wird ihn sicher genießen, wie immer mit Hut und rotem Schal. Vielleicht sind seine Nachfolger Mariette Rissenbeek und Carlo Chatrian dann auch schon mit dabei.

Die Autorinnen sind Redakteurinnen im ZDF-Landesstudio Berlin.

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