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Berlinale - "Utøya 22. Juli" - Ein Film gegen das Vergessen

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Fast sieben Jahre haben Filmemacher gewartet. Nun haben sie den Anschlag auf der norwegischen Insel Utøya aufgegriffen. Betroffene sprechen von einem starken, ehrlichen Film.

Archiv: Norwegische Flaggen und Blumen sind am  28.07.2011 in der Nähe Utoya Insel (Norwegen) zu sehen
Utøya Quelle: ap

Auf der Berlinale geht das Drama "Utøya 22. Juli" ins Rennen um den Goldenen Bären. Im Kinosaal berührt er die Überlebenden und Hinterbliebenen, die ihn gesehen haben. Der Film rufe zwar grausame Erinnerungen wach. Aber es sei ein "sehr, sehr starker und ehrlicher Film" geworden, sagen sie. Und er sei ein wichtiges Dokument gegen das Vergessen.

"Der Film ist deshalb sehr wichtig, weil er daran erinnert, was passieren kann, wenn jemand radikalisiert wird", sagte die Vorsitzende der norwegischen Opfer-Selbsthilfegruppe, Lisbeth Kristine Røyneland. Und weil er den Fokus weg vom Terroristen Anders Breivik zurück auf die Opfer lenke. "Wir sind es so leid, immer wieder von ihm zu hören", betonte sie. "Es ist fast, als sei vergessen, was da draußen geschah."

"Nicht brutaler als das, was ich in meinem Kopf habe"

Am 22. Juli 2011 hatte der norwegische Rechtsextremist Anders Breivik in Oslo und auf der Insel Utøya kaltblütig 77 Menschen ermordet. Die meisten von ihnen waren Jugendliche in einem Feriencamp der sozialdemokratischen Partei. Røyneland verlor dort ihre damals 18 Jahre alte Tochter Synne.

Den Film von Regisseur Erik Poppe habe sie deshalb unbedingt sehen wollen, bevor er ins Kino kommt, sagte die Leiterin der Selbsthilfegruppe aus Überlebenden und Hinterbliebenen. 17 mal wurde er vor dem norwegischen Kinostart (9. März) mit psychologischer Begleitung für Betroffene gezeigt. 

"Persönlich war ich sehr beruhigt", betonte Røyneland. "Er ist ehrlich und auf eine Art gewalttätig und brutal. Aber in jedem Fall nicht brutaler als das, was ich in meinem eigenen Kopf habe."

Geteilte Meinungen

Bei den Überlebenden und Hinterbliebenen seien die Meinungen allerdings geteilt, räumte sie ein. "Einige wollen ihn überhaupt nicht sehen und denken, es sei viel zu früh. Andere meinen, dass es nötig ist." Eine Gefahr, der Film könnte in die Unterhaltung abgleiten, sieht Røyneland nicht. "Alle, die ihn gesehen haben, sind recht beruhigt. Wir hatten Angst, es könnte ein Zirkus werden. Meine persönliche Meinung ist, dass es genau andersherum ist: Er ist ernst."

Poppe habe Mut bewiesen, indem er junge, unbekannte Schauspieler einsetzte, die sich sehr in die Rollen einfühlten. Die Nominierung für den Wettbewerb der Berlinale gebe dem Drama nun einen "Qualitätsstempel", so Røyneland. 

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