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Im Alter von 100 Jahren - Filmproduzent Artur Brauner gestorben

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Kassenschlager wie "Old Shatterhand" oder ernste Holocaust-Filme - zu Artur Brauner gehörte beides. Jetzt ist der Berliner Filmproduzent im Alter von 100 Jahren gestorben.

Archiv: Artur Brauner am 19.02.2016 in Berlin
Filmproduzent Artur Brauner ist im Alter von 100 Jahren gestorben.
Quelle: dpa

Artur Brauner lieferte die Kassenschlager der 50er und 60er, produzierte "Old Shatterhand" und später "Hitlerjunge Salomon". Seichte Unterhaltung und ernste Themen, er konnte beides. Manchmal fragt man sich, wie Brauner die Energie aufbrachte, so lange im Filmgeschäft mitzumischen. Eine Legende ist er bis heute.

Die Legende Brauner - in allen Genres zuhause

Nicht nur als Filmprodzent war Brauner erfolgreich. Seine Firma CCC-Film ist mit über 70 Jahren die älteste deutsche Produktionsfirma in Familienbesitz. In ihren Studios wurden rund 700 Filme gedreht. Kein anderer hat so viele Filme produziert wie er. Es waren mehr als 250. Jetzt ist Brauner, den die Berliner "Atze" nannten, kurz vor seinem 101. Geburtstag gestorben.

Artur - ursprünglich Abraham - Brauner wurde am 1. August 1918 im polnischen Lodz als Sohn eines jüdischen Holzhändlers geboren. Er überlebte den Holocaust, indem er sich in den Wäldern versteckte. Viele Verwandte seiner Familie sind in Ghettos und Lagern von den Nazis umgebracht worden.

Im Jahr 1946 gründete er seine Produktionsfirma CCC-Film. Brauner war in den 1950er Jahren Deutschlands bedeutendster Produzent. Er bescherte dem bundesdeutschen Publikum, das zwar ausgelaugt von den mageren Nachkriegsjahren, aber schon emsig am Wirtschaftswunder arbeitend war, ein paar schöne Stunden. Er gab ihm eine Illusion, die Trost und Ablenkung versprach. Dabei hatte Brauner wenig Skrupel, auch auf seichte Unterhaltung zu setzen.

In Berlin-Spandau baute Brauner eine der modernsten und größten europäischen Atelieranlagen auf, die zeitweilig über 500 Mitarbeiter beschäftigte. Er war in allen Genres zu Hause, die einigermaßen Erfolg in den Kinos versprachen. Dabei vertraute er auf die "großen Namen" kassenkräftiger Stars und auf Drehbücher, die ihre Herkunft von Boulevardstücken und simplen Schwänken nicht verleugnen konnten. Brauner hängte sich an alle Wellen, die gerade als en vogue im Kino galten, ob Musicals, "Problemfilme", Karl-May-Verfilmungen oder Wallace-Krimis. Zu schade war er sich für nichts.

Neuverfilmungen klassischer Kinostoffe

Seine Lieblingsprojekte in den 50er und 60er Jahren waren ambitionierte Literaturadaptionen und Neuverfilmungen klassischer Kinostoffe aus den 20er und frühen 30er Jahren. Dahinter steckte nicht nur das Kalkül, mit dem Remake eines ehemaligen Kassenknüllers noch einmal Profit zu machen. Brauner hatte die Absicht, an eine Filmtradition anzuknüpfen, die dem deutschen Film einmal Weltgeltung verschafft hatte und die noch unbefleckt war von der Unterhaltungsmaschinerie der Nazi-Zeit. 1958 verfilmte er noch einmal den "Tiger von Eschnapur", 1966 die "Nibelungen".

Immer wieder hat der Produzent, der der Regisseursgeneration der 60er und 70er Jahre als typischer Repräsentant von "Papas Kino" erschien, auch etwas gewagt. Mit der von Robert Siodmak inszenierten Hauptmann-Adaption "Die Ratten" (1955) gelang ihm eines der wenigen Meisterwerke des Adenauer-Kinos, ein düsterer Film mit expressiven Bildern.

Auseinandersetzung mit NS-Zeit

Und es gab auch schon damals den unbequemen Artur Brauner: den, der einem Filmball wegen der Anwesenheit des Nazi-Regisseurs Veit Harlan ("Jud Süß") fernblieb. Den, der aus der Emigration zurückgekehrte Regisseure wie Robert Siodmak oder Fritz Lang und Schauspieler wie Peter van Eyck oder Fritz Kortner beschäftigte. Und den, der nicht müde wurde, die Deutschen immer wieder an ihre Vergangenheit und den Holocaust zu erinnern.

Schon in seinem zweiten Film, "Morituri" (1947/48), der eigene Erlebnisse verarbeitete, begann seine Beschäftigung mit der NS-Diktatur. Gerade in den letzten Jahrzehnten, als er nicht mehr Filme wie am Fließband herstellte, hat er diese Themen ausgebaut.

Bis zuletzt hielt er diese Thematik aufrecht. 2011 entstand "Wunderkinder" nach einer Idee von ihm: Es geht um drei musikalisch begabte Kinder in der Ukraine, zwei davon jüdisch, deren Freundschaft durch die Nazi-Okkupation auf die Probe gestellt wird.
Zum 100. Geburtstag widmete ihm der Fernsehsender "Arte" im vergangenen Jahr einen Themenabend, das Porträt stand unter dem Titel "Der Unerschrockene".

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