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Knabenchor wegen Diskriminierung verklagt

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Berliner Staats- und Domchor - Knabenchor wegen Diskriminierung verklagt

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Weil ein Mädchen nicht mitsingen darf, muss sich ein Berliner Knabenchor wegen Diskriminierung verantworten. Es fehle an Begabung, sagt der Chor. Die Mutter sieht das anders.

Der Staats- und Domchor unter Leitung von Kai-Uwe Jirka singt am Heiligabend (24.12.2008) in der Marienkirche in Berlin
"Singeknaben": Der Staats- und Domchor in Berlin wurde im Jahre 1465 gegründet.
Quelle: imago images / epd

Knabenchöre werden wegen möglicher Diskriminierung ein Fall fürs Gericht. In der kommenden Woche befasst sich das Verwaltungsgericht Berlin mit der Frage, ob der Berliner Staats- und Domchor ein reiner Knabenchor bleibt oder auch ein Mädchen aufnehmen muss. Wie das Gericht am Freitag mitteilte, richtet sich die Klage gegen die Universität der Künste (UdK), die Trägerin des Chores ist.

Urteil wohl schon nächste Woche

Anberaumt ist eine mündliche Verhandlung am nächsten Freitag. Ein Urteil wird noch für den gleichen Tag erwartet. Geklagt hat den Angaben zufolge ein neunjähriges Mädchen beziehungsweise dessen Mutter. Das Mädchen hatte demnach bis Januar 2018 im Kinderchor der Komischen Oper Berlin und von Februar 2018 bis August 2018 in der Domsingschule in Frankfurt am Main gesungen. Im November 2018 habe die Mutter um die Aufnahme ihrer Tochter in den Berliner Staats- und Domchor gebeten. Nach einem Vorsingen hatte die Auswahlkommission das Mädchen unter anderem mit der Begründung abgelehnt, dass es an einer Grundlage für eine Ausbildung in dem Chor fehle, wie es hieß. Zudem genüge ihre Motivation für einen Einstieg in den Domchor nicht.

Laut Gericht wird damit erstmals um die Aufnahme eines Mädchens in den Staats- und Domchor zu Berlin gestritten. Bei dem Chor handelt es sich den Angaben zufolge um die älteste musikalische Einrichtung Berlins. Er wurde im Jahre 1465 unter dem Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg gegründet ("Singeknaben"). Nach Ansicht der Klägerin verletzt die Ablehnung des Mädchens den Anspruch auf gleichberechtigte Teilhabe an staatlichen Leistungen und staatlicher Förderung. Die Zugangsbeschränkung auf Jungen diskriminiere das Mädchen auf unzulässiger Weise.

Chor fehlte die Begabung

Die UdK argumentiert den Angaben zufolge dagegen, dass die Nichtaufnahme des Mädchens nicht vor allem auf ihr Geschlecht zurückzuführen sei. Vielmehr wäre sie aufgenommen worden, wenn sich die Auswahlkommission bei ihrem Vorsingen von einer außergewöhnlichen Begabung, hoher Leistungsmotivation und entsprechender Kooperationsbereitschaft der Erziehungsberechtigten hätte überzeugen können und wenn ihre Stimme dem angestrebten Klangbild eines Knabenchores entsprochen hätte. Das sei aber nicht der Fall gewesen. Zwischen Mädchen- und Jungenstimmen bestünden anatomische Unterschiede, was zu differenzierten Chorklangräumen führe. Die hierauf zurückzuführende häufigere Ablehnung von Mädchen sei durch die Kunstfreiheit gerechtfertigt, hieß es weiter.

Bei Mädchen würde so der Eindruck entstehen, sie könnten schlechter singen, bemängelte die Berliner Rechtsanwältin Susann Bräcklein schon im Dezember. "Genau das stimmt aber nicht. Mädchen können genauso singen", betont die Juristin.

Knabenstimmen - ein anderes Instrument?

Niemals kann ein Mädchen in einem Knabenchor mitsingen. So, wie niemals eine Klarinettistin in einem Streichquartett wird mitspielen können.
Reinhard Schäfertöns, Universität der Künste Berlin

Entschieden äußerte sich dazu laut Bräcklein auch der Dekan der Musikfakultät der Universität der Künste Berlin, Reinhard Schäfertöns. Der Hochschulprofessor schrieb der Anwältin: "Niemals kann ein Mädchen in einem Knabenchor mitsingen. So, wie niemals eine Klarinettistin in einem Streichquartett wird mitspielen können." Ein solches Recht könnten sich Musiker auch nicht juristisch erstreiten.

"Man kann Knabenstimmen als ein Instrument mit bestimmten Klangeigenschaften betrachten", sagt auch die Berliner Musikwissenschaftlerin Ann-Christine Mecke. Sie zitiert Untersuchungen, wonach der unterschiedliche Klang der Stimmen von Jungen und Mädchen hör- und messbar ist. Allerdings sei der Unterschied "kleiner, als viele behaupten".

Aber auch Mecke fordert, dass der Staat darauf achten müsse, dass Mädchen und Jungen gleiche Möglichkeiten haben, sich singend auszudrücken. Insofern würde sie sich freuen, wenn die von Bräcklein angestoßene Debatte zu einer "sachlicheren" Betrachtung von Knaben- und Mädchenstimmen und "weniger Klischees und Mythen" führen würde, sagte die Musikwissenschaftlerin.

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