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Kitas im Bundesvergleich - Der Wohnort entscheidet über Qualität

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Es gibt eine gute Nachricht: Die Qualität der Kitas in Deutschland steigt. Die schlechte Nachricht ist: nicht überall. Die regionalen Unterschiede sind enorm. Und sie werden sich wohl nicht so schnell ausgleichen lassen. Warum das so ist, zeigt eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung.

In Deutschland fehlen derzeit rund 300.000 Kita-Plätze und der Bedarf steigt weiter. Besonders in Großstädten ist die Betreuungssituation katastrophal, so auch in Leipzig. Viele Eltern fühlen sich von den Behörden allein gelassen.

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Gemessen am Personalschlüssel in Kitas ist die Qualität in Kinderkrippen und -gärten in den vergangenen Jahren gewachsen. Statistisch gesehen, kümmerte sich 2012 eine Fachkraft in Vollzeit noch um 4,8 ganztags betreute Kinder in einer Krippe. 2016 waren es rein rechnerisch gesehen nur noch 4,3 Kinder. In Kindergärten verbesserte sich der Personalschlüssel von 9,8 auf 9,2 Kinder pro Erzieherin oder Erzieher.

Schlusslicht Sachsen

Aber: "Die Bildungschancen von Kindern hängen erheblich von ihrem Wohnort ab", stellt Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, fest. In einigen Kreisen Brandenburgs kämen knapp dreimal so viele Krippenkinder auf eine Fachkraft wie in bestimmten Kreisen Baden-Württembergs. Selbst innerhalb der meisten Länder seien die Unterschiede groß. Laut Studie betreut in Bayern beispielsweise eine Erzieherin im Durchschnitt 3,7 Krippenkinder - im Landkreis Rosenheim aber sind es nur 2,7 Mädchen und Jungen, im Landkreis Hof dagegen fünf Kinder.

Bundesweit am besten schneidet der Landkreis Calw in Baden-Württemberg ab: Hier kommen auf eine Krippenerzieherin rechnerisch nur 2,5 Kinder. Im sächsischen Leipzig dagegen müssen sich 6,8 Kinder die Aufmerksamkeit einer Erzieherin teilen. Damit trägt Sachsen die rote Laterne im Bundesvergleich. Allerdings ist in Sachsen die qualitative Versorgung in Krippen und Kindergärten überall gleich schlecht. Anders als in Bayern, wo die regionalen Unterschiede bundesweit am größten sind.

Im Osten mehr Plätze als im Westen

Auch in Kindergärten unterscheiden sich die Personalschlüssel zwischen den Bundesländern und Kreisen erheblich. Während in einigen Kreisen Baden-Württembergs 6,1 Kinder von einer Fachkraft betreut werden, sind es in Mecklenburg-Vorpommern teilweise bis zu 14,3 Kinder. Als 2013 jedes Kind, das älter ein Jahr ist, einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz vom Gesetzgeber erhielt, galten die ostdeutschen Bundesländer in der damals ideologisch aufgeheizten Debatte über Sinn und Unsinn frühkindlicher Kitaversorgung als leuchtende Beispiele für die Versorgung der Kleinkinderbetreuung. Ausgeblendet wurde bei diesem neidvollen Blick nach Osten allerdings schon damals die Qualität der pädagogischen Betreuung gemessen am Personal.

Dieses Ost-West-Gefälle hat sich bis heute gehalten. Die reine Zahl der Kitaplätze im Osten übersteigt noch immer die im Westen. Auch die Anzahl der Stunden, die Mädchen und Jungen täglich in einer Einrichtung verbringen, ist im Osten mitunter sehr hoch. In Brandenburg bleiben einige Kinder bis zu zehn Stunden in einer Kita, weil manche Eltern aus ländlichen Gebieten lange Anfahrtswege in Kauf nehmen müssen, um überhaupt arbeiten zu können.

Es fehlen Stellen und Milliarden

Die Ursachen für das enorme Auseinanderklaffen der qualitativen Versorgung kann die Bertelsmann Stiftung anhand ihrer Zahlen nur erahnen. Die Länder selbst müssten nun Ursachenforschung betreiben, sagt Annette Stein von der Stiftung. Denn es liege in der Hand der Länder und Kommunen, wieviel Geld sie für das Personal in Kitas bereitstellen.

Nicht auf Grundlage der Kassenlage, sondern auf der Basis von internationalen und nationalen Forschungen hat die die Stiftung einen "kindgerechten Personalschlüssel" errechnet. Demzufolge müssen zusätzlich 107.200 vollzeitbeschäftigte Fachkräfte rekrutiert und weitere 4,9 Milliarden Euro jährlich bereitgestellt werden. Denn inzwischen kommen in Deutschland wieder mehr Kinder zur Welt. Auch die Zahl der Flüchtlingskinder ist gestiegen. Der Ausbau von Qualität und Quantität erfordere viel Kraft von Bund, Ländern, Kommunen - und Eltern, heißt es in der Studie.

Deshalb sei es auch nicht klug, auf Elternbeiträge zu verzichten, rät Dräger: "Erst wenn die Qualität stimmt und genügend Betreuungsplätze zur Verfügung stehen, können wir die Beitragsfreiheit angehen." Im Sinne der Bildungsgerechtigkeit sollten Kita-Beiträge jedoch einkommensabhängig gestaffelt und Familien mit besonders niedrigen Einkommen komplett entlastet werden. "Wir brauchen verlässliche Kita-Qualität in ganz Deutschland", sagt Dräger.

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