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Die Gesundheit bleibt oft auf der Strecke

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Pendeln zum Job - Die Gesundheit bleibt oft auf der Strecke

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Schlafstörungen, Rückenschmerzen, Reizbarkeit: Grund für solche Symptome kann das Pendeln zur Arbeit sein. Aber die Fahrt zum Job kann einem sogar noch mehr das Leben vermiesen.

Stau im Berufsverkehr
"Gerade ein Stau kann Stress auslösen, wenn der nächste Termin immer näher rückt", sagt Arbeitspsychologin Anne Marit Wöhrmann.
Quelle: dpa

heute.de: Millionen Berufstätige sind täglich mit dem Auto zur Arbeit unterwegs - einige kürzer, andere länger. Was macht das Berufspendeln mit uns Menschen?

Anne Marit Wöhrmann: Außer dass es Zeit kostet, wissen wir heute, dass das Pendeln mit bestimmten gesundheitlichen Beschwerden einhergehen kann - vor allem mit zunehmender Pendeldauer. Außerdem kann es sich auf die Arbeitszufriedenheit und auch aufs Privatleben auswirken.

heute.de: Welche gesundheitlichen Nebenwirkungen kann Pendeln mit sich bringen?

Wöhrmann: Es kann verschiedene Folgen haben. Gerade bei längeren Pendelstrecken bleibt weniger Zeit für Erholung oder auch Erholungsaktivitäten - also zum Beispiel Sport in der Freizeit. Das kann zu Schlafstörungen und letztlich auch zu Erschöpfung führen. Zusätzlich können Pendler erhöhtem Stress ausgesetzt sein, beispielsweise durch stressige Verkehrssituationen.

heute.de: Also nichts mit Erholung im Stau?

Wöhrmann: Gerade ein Stau kann Stress auslösen, wenn der nächste Termin immer näher rückt. Ist das häufig der Fall, kann das zu Nervosität, Reizbarkeit oder auch Magen- und Verdauungsbeschwerden führen.

heute.de: Magen-Darm durch Stress im Stau?

Wer viel pendelt, hat meist weniger Zeit für eine ausgewogene Ernährung.
Anne Marit Wöhrmann

Wöhrmann: Unter Umständen, aber nicht nur durch Stress. Wer viel pendelt, hat meist weniger Zeit für eine ausgewogene Ernährung. Da wird schneller zu Fastfood gegriffen, oder es wird zu ungünstigen Zeiten gegessen. Und dann sind da noch die Verspannungen und Schmerzen, die durch langes, regelmäßiges Sitzen im Auto auftreten können.

heute.de: Gibt es Rezepte gegen diese gesundheitlichen Risiken?

Wöhrmann: Ideal wäre natürlich, die Pendelzeiten zu verkürzen. Aber ein Umzug oder auch ein Arbeitsplatzwechsel ist für die meisten nun mal keine Option. Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, die Hauptverkehrszeiten zu umfahren.

heute.de: Es hat ja seinen Grund, warum alle zur selben Zeit unterwegs sind ...

Wöhrmann: Es kann aber durchaus erfolgreich sein, mit dem Arbeitgeber über geänderte Arbeitszeiten oder auch Gleitzeitregelungen zu reden. Auf diese Weise könnte man die üblichen Staus umfahren und Zeit und Stress reduzieren. Aber selbst wenn das nicht funktioniert, kann man auch selbst versuchen, Druck aus dem Tagesablauf zu nehmen - zum Beispiel nicht direkt zu Arbeitsbeginn Termine zu legen. Dann verursachen unerwartete Staus nicht so hohen Stress, den Termin noch zu schaffen.

heute.de: Und wenn das alles nicht praktikabel ist und auch zumindest tageweise Homeoffice keine Option ist?

Wöhrmann: Dann kann man zumindest versuchen, die Pendelzeit so zu nutzen, dass man mehr Freude oder auch Nutzen daraus zieht. Ein Hörbuch wäre so eine Möglichkeit. Andere lernen auch Sprachen während der Fahrzeiten. Da muss jeder für sich selber schauen, was einem Spaß macht. Aber das sind durchaus Möglichkeiten, die Qualität des Pendelns zu erhöhen.

heute.de: Stichwort Arbeitszufriedenheit. Sind Pendler weniger glücklich mit ihrem Job?

Wöhrmann: Ob jemand pendelt oder nicht, ist nicht grundsätzlich entscheidend dafür, wie zufrieden jemand in seinem Job ist. Untersuchungen haben aber gezeigt, dass die Unzufriedenheit tendenziell zunimmt, wenn jemand längere Strecken pendeln muss. Etwas deutlicher ist es da schon, was die Work-Life-Balance angeht: Interviews mit Beschäftigten haben gezeigt, dass Fernpendler ab einer Stunde Fahrzeit pro Strecke deutlich häufiger der Meinung sind, dass Berufs- und Privatleben nicht mehr richtig zusammenpassen, als Beschäftigte mir einer kürzeren Pendeldauer.

heute.de: Wie steht es eigentlich um die Wochenend-Pendler?

Wenn man so möchte, kann man den Heimweg als eine gute Gelegenheit nehmen, mit dem Arbeitstag abzuschließen. Die Heimfahrt kann räumliche und gedankliche Distanz bringen.

Wöhrmann: Die haben noch mal ganz andere Herausforderungen. Innerhalb der Woche haben sie natürlich kurze Pendelzeiten und leiden daher seltener unter Schlafstörungen und Erschöpfung. Dafür ist bei ihnen dann allerdings in der Regel die Vereinbarkeit von Beruf und Privateben deutlich schwieriger. Da muss alles Private am Wochenende erledigt werden, und das kann ein enormer Nachteil sein.

heute.de: Kann man dem Berufspendeln denn nun wirklich gar nichts Positives abgewinnen?

Wöhrmann: Wenn man so möchte, kann man den Heimweg als eine gute Gelegenheit nehmen, mit dem Arbeitstag abzuschließen. Die Heimfahrt kann räumliche und gedankliche Distanz bringen. Es ist Feierabend, nun kommt der Teil des Tages mit Freunden und Familie.

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