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Berufstätigkeit von Frauen - Mütter kehren immer früher an den Arbeitsplatz zurück

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Der Anteil der berufstätigen Frauen mit Kindern zwischen zehn und 14 Jahren ist deutlich gestiegen. Zudem arbeiten sie mehr. Der Wiedereinstieg sollte aber gefördert werden.

Frau geht durch Konzernzentrale
Berufstätige Frau geht durch Konzernzentrale
Quelle: dpa

In Deutschland steigen Mütter einer Studie zufolge immer früher wieder in den Beruf ein und weiten ihre Stundenzahl auch stärker aus. Wie das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln mitteilte, stieg der Anteil der erwerbstätigen Mütter mit Kindern im Alter zwischen zehn und 14 Jahren von 70,4 Prozent im Jahr 2008 auf 78,3 Prozent im Jahr 2017.

Beruf von hoher emotionaler Bedeutung

Der Anteil der Mütter mit einer Arbeitszeit unter 21 Stunden sank zwischen 2008 und 2017 von 49,4 Prozent auf 36,7 Prozent. Gleichzeitig wuchs der Anteil der Mütter mit 21 bis 35 Stunden Arbeitszeit von 24,8 Prozent auf 32,5 Prozent. Der Anteil von Müttern mit über 35 Stunden Arbeitszeit ist von 25,7 Prozent auf 30,7 Prozent gestiegen.

Die Angaben basieren auf Daten des Statistischen Bundesamts sowie des Sozio-oekonomischen Panels. "Hierin spiegeln sich nicht nur die direkten Effekte der verbesserten Betreuungsinfrastruktur im Kita- und Grundschulbereich wider", schreibt der IW-Ökonom Wido Geis-Thöne in seiner Analyse.

Umfragen zeigten, dass die meisten Mütter mit Kindern im Teenageralter nicht nur einer Erwerbstätigkeit nachgehen, um das Familieneinkommen aufzubessern. Der Beruf sei auch von "hoher emotionaler Bedeutung für sie". Der Anstieg der Erwerbstätigkeit spiegle "nicht nur die bessere gesamtwirtschaftliche Lage wider".

Wissenschaftler rechnen mit weiterem Anstieg

Vor diesem Hintergrund rechnet der Wirtschaftswissenschaftler damit, dass die Erwerbstätigkeit von Müttern mit älteren Kindern weiter ansteigen wird. "Allerdings muss dies nicht unbedingt heißen, dass sie auf absehbare Zeit zum überwiegenden Teil in Vollzeit arbeiten werden."

Stattdessen könne die sogenannte "große Teilzeit" - also mehr als 21 Wochenstunden - "mit Blick auf die Work-Life-Balance von Frauen und auch Männern in der zweiten Hälfte des Erwerbslebens optimal sein".

Gesamttrend: Immer mehr Frauen erwerbstätig

Der Erwerbstätigenanteil bei den Frauen zwischen 45 und 54 Jahren lag im Jahr 1993 noch bei nur 62,1 Prozent, 2008 waren es schon 76,2 Prozent. Seitdem ist der Anteil nochmals stark gestiegen und erreichte im Jahr 2017 einen Wert von 83,2 Prozent.

Bei den 35- bis 44-Jährigen ist der Anteil von 68,1 Prozent über 76,5 Prozent auf 79,9 Prozent gestiegen und liegt damit seit dem Jahr 2010 niedriger als bei den 45- bis 54-Jährigen.

Bei den 55- bis 64-Jährigen war ein noch stärkerer Anstieg von 23,7 Prozent 1993 über 45,9 Prozent 2008 bis auf 65,4 Prozent im Jahr 2017 zu verzeichnen (Statistisches Bundesamt, 2019; eigene Berechnungen).

Der Stundenumfang ist gestiegen

Gleichzeitig arbeiten die erwerbstätigen Frauen im Alter zwischen 45 und 64 Jahren heute auch häufiger mit größerem Stundenumfang. 2008 arbeiteten 31,7 Prozent weniger als 21 Arbeitsstunden pro Woche, 2017 waren es nur noch 28,5 Prozent.

Trotz des Anstiegs der Erwerbstätigkeit fordert Geis-Thöne die Politik zum weiteren Handeln auf. Betreuungsangebote müssten weiter ausgebaut, die Rückkehr in den Arbeitsmarkt vereinfacht werden. Wichtig dafür seien gezielte Qualifizierungsangebote, mit denen Mütter nach einer längeren Auszeit wieder auf den aktuellen Stand in ihrem Beruf kommen, sowie Beratungs- und Vermittlungsangebote, die bei der Suche nach einem für sie passenden, neuen Arbeitsplatz helfen.

Im internationalen Vergleich aufgeholt

Auch im internationalen Vergleich hat Deutschland in den letzten zwei Jahrzehnten bei der Erwerbsbeteiligung von Frauen sehr stark aufgeholt. Lag das Land mit einem Erwerbstätigenanteil von 58,6 Prozent unter den 20- bis 64-jährigen Frauen im Jahr 1998 noch im europäischen Mittelfeld, erreichte es im Jahr 2018 mit 75,8 Prozent nach Schweden und Litauen den dritthöchsten Wert der EU-Länder (Eurostat, 2019).

Sowohl die Anpassungen im Rentenrecht – zu nennen ist hier insbesondere die Abschaffung der Rente mit 60 für Frauen –, als auch der Ausbau der Betreuungsangebote im Kita- und Grundschulbereich haben ihren Beitrag geleistet.

Solange sich die Entwicklung in ihrer momentanen Weise fortsetze, bestehe nicht unbedingt die Notwendigkeit, Maßnahmen zu ergreifen, um die Erwerbsanreize für Zweitverdiener weiter zu stärken, mit denen vor allem die Frauen zwischen 45 und 64 Jahren adressiert würden, schreibt das IW.

Das heißt allerdings nicht, dass die Politik gar nicht handeln solle, so das Institut weiter. Insbesondere solle der quantitative und qualitative Ausbau der Betreuungsinfrastruktur weiter vorangetrieben werden. Dieser sei auch für die Erwerbstätigkeit nach der aktiven Familienphase von großer Bedeutung, da sich längere Phasen ohne und mit verminderter Erwerbstätigkeit negativ auf die Karriere- und Einkommensperspektiven auswirkten.

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