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Verhaltensbasierte Werbung - Beschwerdewelle gegen Totalausspähung im Netz

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Datenunternehmen überwachen weltweit die Internet-Nutzer: Sie tracken Verhalten und erstellen persönliche Profile. Zwölf Menschenrechtsgruppen greifen die Grundlage der Praxis an.

Frau am Laptop mit Goolge Suchmaske
Nicht nur Google weiß, was Nutzer im Netz so machen: Tausende von Unternehmen bekommen Nutzerdaten in Echtzeit.
Quelle: imago

Wer im Internet surft, Messenger-Dienste nutzt, twittert oder postet, dessen Verhalten wird getrackt. Er wird umfassend kontrolliert. Die Datenschutzbehörden tun bisher wenig dagegen. Doch das könnte sich nun ändern. Anfang Juni sind nämlich bei den Datenschutzbehörden in neun Ländern der Europäischen Union Beschwerden gegen dieses Ausspähen und Erstellen persönlicher Verhaltensprofile von Netz-Nutzern eingegangen. Zwölf Menschenrechtsorganisationen greifen mit rechtlichen Schritten die Basis der verhaltensbasierten Online-Werbung an.

Denn mit modernen Überwachungsmethoden und intensiver Zusammenarbeit auf der technischen Ebene wissen die internationalen Datenhändler genau, was die Netz-Nutzer denken, lesen und kaufen wollen. Die Überwachung ist lückenlos. "Erfasst werden über das Tracken besuchter Web-Seiten zum Beispiel auch die sexuelle Orientierung oder politische Meinungen", berichtet Friedemann Ebelt von der Nichtregierungsorganisation Digitalcourage mit Sitz in Bielefeld.

Neben Digitalcourage machen auch das Netzwerk Datenschutzexperte in Kiel, die Digitale Gesellschaft in Berlin und die Deutsche Vereinigung für Datenschutz in Bonn bei der europäischen Beschwerdewelle mit. Sie haben bei den 16 Landesbeauftragten für Datenschutz entsprechende Schriftsätze eingereicht.

"ID-Codes in Echtzeit an Unternehmen weitergereicht"

"Jedes Mal, wenn eine Person eine Website besucht und ihr eine verhaltensorientierte Anzeige angezeigt wird, werden ihre persönlichen Daten und sogar eindeutige ID-Codes in Echtzeit an Tausende von Unternehmen weitergereicht", erläutert Eva Simon von der Menschenrechtsorganisation Civil Liberties Union for Europe, die die Datenschutzbeschwerden europaweit koordiniert.

Standardmäßig lassen die im Branchenverband Interactive Advertising Bureau zusammengeschlossenen Unternehmen Nutzerprofile aus Daten wie dem installierten Betriebssystem, der aktuellen Bildschirm-Auflösung, dem verwendeten Browser mit seinen Zusatzprogrammen sowie den installierten Schriften und Sprachen erstellen.

Über eindeutige Identitätsnummern, Signaturen und Schlüssel werden nicht nur Rechner und Smartphones wiedererkannt, sondern auch deren Besitzer. Teilweise laufen diese Identifizierungen noch immer über die Facebook-ID. Das Verfahren dafür wurde schon im Jahr 2010 aufgedeckt. Die Facebook-ID der Surfer nutzen zum Beispiel Versandhändler, um herauszubekommen, welche Produkte sich ein Internet-Nutzer wie lange und mit welcher Interessenstiefe anschaut. Damit lässt sich nicht nur das aktuelle Produktinteresse, sondern auch das künftige Kaufverhalten dieses Kunden genau berechnen.

Rückschluss auf Identität der Nutzer

Seit einigen Jahren setzen die Datenhändler allerdings auf eigene Identitätsnummern. Die werden auf die Endgeräte der Netz-Nutzer überspielt. Von da an können alle am Datenhandel Beteiligten die Verhaltensdaten der Bürger für ihre Werbezwecke verwenden. Um von diesen Gerätedaten auf die persönliche Identität eines Internet-Surfers zu schließen, brauchen die Datenhändler die Mail-Adresse oder Telefonnummer des Surfers. Die Mail-Adresse ermitteln sie, wenn der Surfer einen seiner Social-Media-Accounts oder Web-Mail nutzt.

"Diese Überwachung der Menschen auf Schritt und Klick wollen wir mit der Beschwerdeaktion stoppen", begründet Friedemann Ebelt von Digitalcourage. Der Zuspruch von betroffenen Bürgern und Internet-Surfern ist groß. Und auch die Datenschützer sehen die einlaufenden Beschwerden mit Wohlwollen. "Wir begrüßen es, wenn das Thema Profilbildung endlich aufsichtsrechtlich aufgearbeitet wird", sagt Dirk Hensel, Sprecher des Bundesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit.

Im Netz der Daten-Dealer

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