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CO2-Emissionen bei Neuwagen - Klima retten? Nein, danke.

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Die Abgas-Strafe der EU für 2021 rückt immer näher, doch die Autokonzerne scheint das nicht zu beeindrucken. Weder Diesel noch Benziner werden sauberer.

Eigentlich will die EU den CO2-Ausstoß von Autos senken. Bis 2021 sollen die Durchschnitts-Abgaswerte aller neu zugelassenen Fahrzeuge auf 95 Kilogramm pro Kilometer fallen, sonst hagelt es Strafzahlungen für die Hersteller. Doch stattdessen produzieren die neuen Autos immer mehr Treibhausgase. Vor allem SUVs und Geländewagen stoßen viel Kohlenstoffdioxid aus. Besonders diese Fahrzeugtypen liegen aber gerade total im Trend. Das stellt Automobilkonzerne vor ein Dilemma. Entweder sie ändern ihre Verkaufsstrategie - weg von den gut laufenden Abgasschleudern hin zu Kleinwagen und alternativen Antriebsmethoden. Oder sie treten bei der EU vor die Kasse und zahlen die Abgas-Strafe.

CO2-Emissionen steigen wieder

Um welche Fahrzeuge handelt es sich jetzt genau? Laut einer Studie des Center of Automotive Management (CAM) an der Fachhochschule der Wirtschaft Bergisch-Gladbach sind die CO2-Emissionen von Neuzulassungen um 0,4 Prozent auf 127,9 Gramm pro Kilometer gestiegen. Es geht also nicht um den Gesamtwert aller zugelassenen Fahrzeuge, sondern nur um die neuen Wagen. Dieser Trend zeichnete sich der Studie zufolge bereits seit mehreren Jahren ab. Der Rückgang der Emissionen wurde immer geringer – bis er eben 2017 ganz ausblieb und die Werte wieder stiegen.

Grund für den Anstieg sei das große Interesse an SUVs und Geländewagen – ihr Marktanteil erreichte 2017 mit 23,9 Prozent einen neuen Höchststand. Beide Fahrzeugklassen stoßen wesentlich mehr CO2 aus als etwa die Mittel- oder Kompaktklasse. Gleichzeitig sinke die Nachfrage nach Dieselfahrzeugen, denn die Kunden seien durch die vielen Skandale verunsichert. Dieselantriebe erzeugen zwar gesundheitsschädliche Stickoxide, stoßen aber deutlich weniger CO2 aus als Benziner.

Pieper: Autoindustrie wird Strafzahlungen in Kauf nehmen

In Sachen Emissionsziele sieht die Zukunft also eher schwarz aus. Denn die Abgaswerte der neu zugelassenen Fahrzeuge müssten bis 2021 um fast 30 Prozent sinken, um die Vorgaben der EU einzuhalten.

Jürgen Pieper
Jürgen Pieper, Automobil-Analyst
Quelle: PR

Jürgen Pieper, Automobil-Analyst vom Bankhaus Metzler, ist der Meinung, dass die Autobauer ihren Kurs wegen der EU-Zielwerte wohl kaum ändern werden. Man werde weiter der Nachfrage der Kunden folgen und mit dem Trend gehen: Mehr SUVs, mehr E-Autos und die Diesel-Verkaufszahlen stabilisieren. "Die Hersteller verdienen durch SUVs dermaßen viel Geld, dass sie Strafzahlungen in Kauf nehmen." Würden die Hersteller bestehende Dieselmodelle nachrüsten um CO2-Ausstöße zu verringern, spreche man schnell von fünf bis zehn Milliarden Euro. Unter Umständen wäre das dann mehr als die Strafbeträge der EU. Dann also lieber weiter die SUV-Gewinne maximieren. So lässt sich auch die Strafrechnung besser verkraften, so Pieper.

Auch SUV-Entwicklung kann klimafreundlich sein

Piepers Einschätzung klingt nach schlechten Nachrichen für die EU-Klimaziele. Michael Müller-Grörnert, Auto- und Klimaexperte beim Verkehrsclub Deutschland (VCD), weist aber darauf hin, dass auch bei der Entwicklung der stark motorisierten Abgasschleudern auf CO2-Emissionen geachtet werden kann. Er fordert: "Hersteller müssen die Effizienzpotenziale bei den herkömmlichen Fahrzeugen technisch und finanziell so weit wie möglich heben."

Letztlich gehe es um die Zukunftsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie im Wettbewerb mit der ausländischen Konkurrenz. Wer früh investiert, setzt sich auf lange Sicht auch gegen die Hersteller aus China und den USA durch.

Elektroautos: große Nachfrage, kleines Angebot

Können Elektroautos die CO2-Quote retten? Bis 2021 werden sich Elektrofahrzeuge wohl noch nicht in der Breite am Markt etablieren können, heißt es in einem Statement des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Aktuell liegt der Marktanteil von Elektro- und Hybridantrieben gerade mal bei 3,4 Prozent. Trotzdem: "Man ist erstaunt, dass die Nachfrage so stark ist", sagt Jürgen Pieper. Die Lieferzeit für einen VW E-Golf betrage beispielsweise schon jetzt ein ganzes Jahr. Für 2020 sei für reine Elektrowagen aber nur ein Marktanteil von zwei bis drei Prozent realistisch. Damit lassen sich die Abgaswerte also auch nicht verschönen.

Das liege vor allem daran, dass die Technologie der E-Fahrzeuge noch zu unattraktiv ist. "Das Interesse ist da – bloß das Angebot nicht." Michael Müller-Grörnert ist ähnlicher Meinung. "Die Autohersteller müssen endlich mehr E-Autos auf die Straße bringen und dies nicht nur für die kommenden Jahre ankündigen." Aktuell hakt es an der Technik und Reichweite der Batterien, meint Pieper. Die sei einfach noch nicht ausgereift. Nach 2020 soll sich das aber ändern. Der Analyst schätzt, dass die Entwicklung der Fahrzeuge dann so weit vorangeschritten ist, dass die Null-Emissionen-Autos massentauglich werden können. VW plant Milliarden-Investitionen, Daimler will bereits 2025 15 bis 25 Prozent des Absatzes durch Elektrofahrzeuge erzielen.

Bundesregierung unter Zugzwang

Während die Bundesregierung die Elektro-Entwicklung mit Zuschüssen fördern will, plagt sie noch eine weitere Deadline. Auch diese betrifft Diesel-Fahrzeuge. Eine Klage der EU-Kommission droht, weil in vielen deutschen Städten die Luftverschmutzung zu hoch ist. Schon jetzt ist für Bundesumweltministerin Barbara Hendricks klar, dass die Grenzwerte bis 2020 wohl nicht erreicht werden können, trotz eines "Sofortprogramms für saubere Luft". Besonders Diesel-Pkw tragen wegen ihrem hohen Ausstoß an Stickoxiden dazu bei, dass die Luft verschmutzt wird.

Streicht die Bundesregierung ihre Diesel-Steuersubventionen, könnte das zumindest gegen steigende Stickoxidwerte helfen. "Druck entsteht auch durch eventuelle Fahrverbote", so Pieper. Einzelne Städte könnten demnach Diesel-Fahrzeuge aus ihren Innenstädten verbannen und somit die Luft sauberer halten. "Egal wie die Richter urteilen, wird es über kurz oder lang zu Dieselfahrverboten kommen", sagt Müller-Grörnert. Jürgen Pieper schätzt jedoch, dass es erstmal keine festen Anordnungen auf Bundesebene geben wird. "Ich denke man wird den Kommunen den Ball zuspielen. Die können dann entscheiden." Am Donnerstag wird das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig prüfen, ob Diesel-Fahrverbote in Städten rechtmäßig sind.

Verwaltungsgericht prüft Diesel-Fahrverbote

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