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Bestellerprinzip polarisiert - Barley rückt Maklern zu Leibe

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Katarina Barley will das Bestellerprinzip ausweiten. Auch beim Immobilienkauf soll nicht mehr automatisch der Interessent zahlen. Bei den Maklern sorgt das für Bedenken.

Grunderwerbssteuer, Maklerprovision, Notarkosten - die Nebenkosten beim Erwerb von Immobilien können hierzulande schon einmal bis zu fünfzehn Prozent des Kaufpreises ausmachen. Das will Bundesjustizministerin Katarina Barley mit einem Gesetzesentwurf ändern, der die Maklerprovision künftig nach dem Bestellerprinzip regeln soll. "Ein eigenes Zuhause wird gerade für junge Menschen und Familien immer schwerer zu finanzieren. Oft müssen Käufer enorme Maklerkosten tragen, obwohl der Verkäufer den Makler beauftragt hat", sagte sie der Süddeutschen Zeitung.

Verbraucherschutz lobt: Käufer würden freier in ihrer Entscheidung

500.000 Immobilien wechseln laut Statistischem Bundesamt jedes Jahr den Eigentümer, in zwei von drei Fällen kommt dabei ein Makler zum Einsatz - und kriegt dabei bis zu 7,14 Prozent der Kaufsumme. Dass diese allein der Käufer tragen muss, will Barley ändern. Ähnlich dem Bestellerprinzip, das schon bei Mietobjekten zum Einsatz kommt, solle derjenige den Makler bezahlen, der ihm den Auftrag gibt. "Wer bestellt, der zahlt" müsse auch bei Immobilienkäufen gelten. "Das sorgt für einen echten Wettbewerb und faire Preise bei den Maklerkosten", sagte die Ministerin.

Franz Michel, Referent für Energie und Bauen im Verbraucherzentrale Bundesverband, sieht in Barleys Vorschlag eine enorme Erleichterung für die Käufer. Die müssten dadurch weniger häufig eine Maklergebühr bezahlen. "In Großstädten haben sie das Problem, dass bis zu achtzig Prozent der Immobilien-Erwerbe über Makler abgewickelt werden", erklärt Michel. Dabei könnten die Käufer aber gar nicht frei entscheiden, ob sie den Weg über einen Makler gehen wollten, da dieser schon vom Verkäufer in Auftrag gegeben wurde. Mit dem Bestellerprinzip müsste dann der Verkäufer diesen häufiger bezahlen. "Es wäre ein Schritt, um die Wohnungsnot zu lindern", befürwortet Michel das Prinzip. "Käufer denken bei sinkenden Nebenkosten eher über den Kauf von Eigentum nach", prognostiziert er.

Immobilienverband erwartet höhere Kaufpreise

Die Einschaltung eines Maklers dient [...] dem Verbraucherschutz.
Stellungnahme des IVD

Leidtragende der Pläne sind vor allem die Makler, denen laut Justizministerium Auftragsverluste in der Höhe von zehn Prozent oder 600 Millionen bevorstehen. Nicht nur deshalb kommt scharfe Kritik vom Immobilienverband Deutschland (IDV), der sich in einer Stellungnahme zum Bestellerprinzip äußert. Es ist laut IDV zu erwarten, dass die Verkäufer die Provision auf den Kaufpreis aufschlagen. Das führe zu einer höheren Belastung mit Grunderwerbsteuer und die ohnehin schon hohen Immobilienpreise würden weiter steigen. Deutlich mehr Verkäufer würden den Verkauf in Eigenregie durchführen und Mängel verschweigen. "Die Einschaltung eines Maklers dient somit dem Verbraucherschutz", erklärt der Verband.

"Was mit einer Einpreisung in den Kaufpreis passiert, kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand seriös sagen", schätzt Verbraucherschützer Michel die Situation ein. Zudem würde das Bestellerprinzip unter den Maklern nicht durchweg abgelehnt. "Die Makler, die heute schon qualitativ sehr gut arbeiten, haben weniger Angst vor dem Bestellerprinzip", ordnet er die Stimmung innerhalb der Branche ein. Sie müssten nun eine bessere Leistung erbringen, bisher sei dies "ziemlich egal, weil der Käufer ihn sowieso bezahlen muss", so Michel. "Das Bestellerprinzip wird dazu führen, dass die Leistungsanforderungen an den Beruf des Maklers deutlich zunehmen und das wird sich positiv auf die Käuferseite auswirken." Ein Exposé zu erstellen, den Käufer einmal durch das Objekt zu führen und dann dafür "mal 15.000 Euro Provision zu kassieren", stehe in einem Missverhältnis zur erbrachten Leistung.

Berufsstand in Gefahr?

Der Ansatz an der Makler-Provision etwas zu ändern, ist absolut richtig. Wir haben im europäischen Vergleich die zweitniedrigste Eigentumsquote und das hängt auch mit den Nebenkosten zusammen.
Verbraucherschützer Michel

Der IDV sieht dagegen im Bestellerprinzip eine Begünstigung "auf Kosten eines gesamten Berufsstandes". Das wirtschaftliche Überleben zahlreicher Immobilenmakler würde dadurch gefährdet, "für viele würde sich das Bestellerprinzip als Berufsverbot darstellen". Als weiteren Contra-Punkt führt der Verband an, "dass Wohneigentum aufgrund der guten Arbeitsmarktsituation und der niedrigen Zinsen trotz höherer Preise derzeit sehr erschwinglich ist".

"Das ist einfach nur zynisch", kommentiert Verbraucherschützer Michel die Aussage. Wohneigentum sei überhaupt nicht erschwinglich, in Berlin sei jährlich mit einem Anstieg der Preise für Eigentumswohnungen um zehn Prozent zu rechnen. "Der Ansatz an der Makler-Provision etwas zu ändern, ist absolut richtig", macht er deutlich. "Wir haben im europäischen Vergleich die zweitniedrigste Eigentumsquote und das hängt auch mit den Nebenkosten zusammen."

Auch CDU kritisch

Das für Bau zuständige Innenministerium steht den Plänen ablehnend gegenüber. Marco Wanderwitz (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär beim Innenministerium, sagte am Rande von Gremiensitzungen seiner Partei: "Wir sind davon nicht überzeugt." Wanderwitz verwies darauf, dass es beim Wohngipfel bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dazu nur einen Prüfauftrag gegeben habe. Und nach Prüfung durch sein Haus sei man zu dem Ergebnis gekommen, "dass dieses Instrument untauglich ist und es viele andere Instrumente gäbe, die deutlich geeigneter wären, zu Entlastungen beim Thema Kosten des Wohneigentumerwerbs zu kommen".

Der CDU-Politiker nannte in diesem Zusammenhang eine Begrenzung der Grunderwerbsteuer oder Freibeträge bei der Grunderwerbsteuer. "Insofern sehen wir mit Sorge, dass das Justizministerium jetzt diesen Weg gehen will", fügte er hinzu.

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