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Brückenbauer in einem zerrissenen Amerika

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Organisation "Better Angels" - Brückenbauer in einem zerrissenen Amerika

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US-Präsident Trump spaltet das Land: Zwischen Anhängern der Republikaner und der Demokraten geht es frostig zu. Die Organisation "Better Angels" versucht, die Fronten aufzubrechen.

Die Stiftung "Better Angels" veranstaltet landesweit Gesprächskreise mit polarisierten Republikanern und Demokraten, um einen Dialog in gegenseitigem Respekt wieder herzustellen.

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Bryant Parson kennt die Polarisierung von zu Hause. Seine Eltern sind überzeugte Republikaner, er selbst Demokrat. Mit der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA begannen sich die Gespräche über Politik beim gemeinsamen Abendessen zu verändern. Sie wurden zu Auseinandersetzungen, Konflikten und schließlich zum roten Tuch. Bryant wollte das nicht tatenlos akzeptieren: "Ich wollte lernen, wie wir wieder besser miteinander kommunizieren und den Dialog wiederherstellen können."

"Better Angels" versucht genau das. Seit 2016 bringt die von Familientherapeuten gegründete Organisation Demokraten und Republikaner an einen Tisch, um das Verständnis füreinander wieder aufzubauen. In ganztägigen Red-Blue-Workshops werden die Teilnehmer aufgefordert, über ihre eigenen politischen Einstellungen und Stereotype zu reflektieren, der anderen Gruppe zuzuhören und Fragen zu stellen, die ihnen unter den Nägeln brennen.

Umfrage bestätigt: Ton ist respektloser geworden

So gespalten das Land politisch auch ist, darin, dass sich die Debattenkultur massiv verschlechtert hat, sind sich die meisten Amerikaner einig. 85 Prozent stimmen in einer Umfrage von Pew Research zu, dass der Ton respektloser geworden ist. 76 Prozent meinen, dass politische Diskussionen weniger auf Fakten basieren.

Better Angels Plenum
Konzentriertes Miteinandner von Blues und Reds im "Better Angels"-Plenum.

Andere, konträre Standpunkte zu verstehen und die eigene Haltung zu hinterfragen - das klingt erst einmal nicht besonders revolutionär. Doch die Reichweite von "Better Angels" im Zeitalter von Social Media spricht für sich: Die Organisation ist in allen 50 Bundesstaaten vertreten und veranstaltet jede Woche zwischen zehn und zwanzig Events - von inhaltlichen Debatten bis zum Workshop, an dem man an der eigenen Entpolarisierung arbeitet. Im Wahljahr 2020 ist eine Bustour durch das ganze Land geplant.  

Republikaner und Demokraten treffen aufeinander

Ich habe vier Enkel und mache mir über ihre Zukunft sorgen. Ich will, dass sie in einer Welt aufwachsen, die nicht so polarisiert ist
Cindy Buckley, Demokratin

In Gastonia, North Carolina, sitzen an diesem Samstagvormittag Republikaner und Demokraten nebeneinander: Red, Blue, Red, Blue. Die wichtigste Regel bei "Better Angels": Die Anzahl an "Reds" und "Blues" muss im Gleichgewicht sein. Warum sich die Teilnehmer freiwillig für den ganztägigen Workshop gemeldet haben? "Ich habe vier Enkel und mache mir über ihre Zukunft sorgen. Ich will, dass sie in einer Welt aufwachsen, die nicht so polarisiert ist", erzählt Cindy Buckley, die sich als Demokratin identifiziert.

Jennifer Stepp und Mark Epstein sind die Organisatoren des heutigen Workshops. Sie sind ein ungleiches Paar. Stepp gründete einst die Tea Party im Ort und sitzt derzeit als Republikanerin im Stadtrat. Epstein outete sich in den Kolumnen der Stadtzeitung als Demokrat und arbeitet als Tierarzt. Jahrelang vermieden beide jedes Gespräch, obwohl ihre Kinder im selben Theater Ballett tanzten.

Die Initiative “Better Angels“ versucht, Amerikaner verschiedener politischer Lager miteinander ins Gespräch zu bringen. Das soll verhindern helfen, dass sich die Gesellschaft weiter polarisiert.

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Verhärtete Fronten aufbrechen

Bei einer nationalen Konferenz von "Better Angels" änderte sich das: Nach der fünfstündigen Rückfahrt im Auto waren sie Freunde. Ihre politischen Überzeugungen mussten sie dafür nicht aufgeben, sie erkannten jedoch, dass sie in vielen Dingen gar nicht so weit auseinanderliegen. "Mark ist finanzpolitisch konservativ", sagt sie über ihn. "Jennifer ist ideologisch nicht so verbohrt, wie ich anfangs dachte", sagt er über sie.

Flipchart
Flipchart des Better-Angels-Workshops mit aufgelisteten Vorurteilen, von denen die Demokraten glauben, dass die Republikaner sie gegen sie hätten.

Beim Workshop heute schauen Jennifer und Mark nur zu. Derweil brainstormen Reds und Blues unter sich. Ihre Aufgabe ist es, jene Vorurteile zu identifizieren, die die andere Seite von ihnen hat. Auf der Liste der Demokraten steht: Abtreibungsfans, unpatriotisch, überbordende Staatsausgaben. Auf der Liste der Republikaner: Waffenliebhaber, Rechtsextremisten, Umwelthasser. Was ist an diesen Klischees dran? Ziel der Übung ist es, auch den Funken Wahrheit zu suchen. Danach werden die Ergebnisse der jeweils anderen Gruppe präsentiert.

Viele der Diskussionen drehen sich um die Gesundheitsversorgung, Waffengewalt, wirtschaftliche Ungleichheit und Abtreibung. Gar nicht thematisiert wird: Donald Trump. Und doch ist er der "Elefant im Raum" - die meisten Teilnehmer geben in den Pausengesprächen zu, dass er der Hauptgrund ist, warum es eine Organisation wie "Better Angels" braucht.

Respektvoller Umgang

Die Übungen, die alle Teilnehmer durchlaufen, haben ihren Ursprung in der Familien- und Paartherapie. Der respektvolle Umgang miteinander steht im Vordergrund; aggressive Fragen, die die Gegenseite überführen sollen, sind verboten. So öffnen sich die Teilnehmer nach und nach, ihre persönlichen Geschichten sind im Fokus.

Vielen geht ein Licht auf, wenn zum Beispiel die Krankenschwester der Runde anvertraut, dass ihr Mann seit einem Arbeitsunfall keinen Job mehr findet. Oder wenn der schwule Priester erklärt, dass er die Skepsis von seinen Kirchgängern gegenüber seiner Sexualität nicht automatisch als Homophobie auslegt. Am Ende des Tages, so das Resümee von Reds und Blues, ist die Parteizugehörigkeit irrelevant, schließlich vereint sie mehr, als sie trennt.

Für mich ist es ein Kampf um die Seele dieses Landes.
Mark Epstein, Demokrat

"Es gibt Leute aus beiden Parteien, die meinen, dass das, was wir tun, umsonst und nur ein bisschen Kumbaya ist", erzählt Mark. "Für mich ist es aber ein Kampf um die Seele dieses Landes." Jennifer und er bereiten sich auf ein anstrengendes Wahljahr vor. Nur wenige Wochen vor dem republikanischen Parteitag in Charlotte (North Carolina) richten sie am selben Ort ihre bundesweite „Better Angels“ Konferenz aus. Das Ziel auch hier: das polarisierte Lagerdenken zu durchbrechen.

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