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Missbrauch auf Campingplatz - Fall Lügde: Beweise verschwunden

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Neue Ungereimtheiten im Fall des Campingplatz-Missbrauchs: Ein Koffer mit rund 155 Datenträgern ist verschwunden - nun hat NRW-Innenminister Reul fünf Sonderermittler eingesetzt.

Auf dem Campingplatz waren Kinder für Pornos missbraucht worden.
Auf dem Campingplatz waren Kinder für Pornos missbraucht worden.
Quelle: Guido Kirchner/dpa

Was wir bisher wissen:

  • Im vielfachen Missbrauchsfall von Lügde ist bei den Ermittlungen Beweismaterial weggekommen.
  • Aus der Asservatenkammer der Kreispolizeibehörde Lippe sind 155 CDs/DVDs verschwunden.
  • NRW-Innenminister Herbert Reul setzt nun fünf Sonderermittler ein.
  • Der Politiker spricht von einem "Desaster" und von "Polizeiversagen".

Im Fall des vielfachen Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde ist seit mehreren Wochen Beweismaterial verschwunden. Ein Koffer und eine Hülle mit 155 Datenträgern würden in der Kreispolizeibehörde Lippe vermisst. Das teilte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) auf einer Pressekonferenz mit. Fünf Sonderermittler seien eingesetzt worden, um das Verschwinden aufzuklären.

Fehlen erst spät bemerkt

Am 20. Dezember 2018 waren die Asservate - so ein Sprecher des Innenministeriums Düsseldorf - das letzte Mal "sicher gesehen worden". Erst am 30. Januar war das Fehlen bemerkt worden. "Irgendwann dazwischen war es weg".

Nur drei CDs davon seien bisher ausgewertet worden. Ob auf den Datenträgern mit 0,7 Terabyte Speicherplatz auch kinderpornografisches Material war, sei daher unklar. Die Polizei Lippe hab zwar gleich am Anfang das insgesamt 15 Terabyte umfassende Filmmaterial gesichtet und "angeblich kein inkriminierendes Material feststellen können". Ob das allerdings stimme, müsse nun geklärt werden. "Man muss hier klar von Polizeiversagen sprechen", betonte Innenminister Reul auf einer Pressekonferenz.

Wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und der Verbreitung von Kinderpornografie sitzen als Hauptverdächtige ein 56-Jähriger aus Lügde, ein 33-Jähriger aus Steinheim und ein 48-Jähriger aus Stade in Niedersachsen in Untersuchungshaft. Bislang sind 31 minderjährige Opfer im Alter zwischen vier und 13 Jahren identifiziert. Sie kommen zum Großteil aus Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.

Polizei in der Kritik

Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch eine Anzeige im November 2018. Zusätzlich zu den Ermittlungen gegen die Tatverdächtigen und mehrere Jugendämter steht auch die Polizei in der Kritik. Gegen zwei Beamte wird laut Reul wegen Strafvereitelung ermittelt. Es werde genau geprüft, ob sie die Tatverdächtigen möglicherweise persönlich kannten. Warum die Datenträger aus dem Raum in der Polizeibehörde Lippe verschwunden sind, konnte Reul zunächst nicht sagen. Er wollte Vorsatz nicht ausschließen.

Bereits 2016 sollen zwei Hinweise auf sexuellen Missbrauch bei der Polizei Lippe eingegangen sein. Nach Telefongesprächen mit den Zeugen leiteten die Beamten die Hinweise an das Jugendamt weiter. Weitere Schritte blieben aber aus. Die Staatsanwaltschaft Detmold ermittelt daher auch gegen die Polizei.

Zusätzlich Daten gelöscht?

Gegen eine weitere Person wird wegen des Verdachts der Datenlöschung ermittelt. Gegen diesen Verdächtigen führt die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Strafvereitelung. Geprüft wird, ob die Person Daten für einen der drei Hauptverdächtigen gelöscht hat und ob damit eine Bestrafung verhindert werden sollte.

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