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Staatsanwaltschaft Detmold - Lügde-CDs wohl verschlampt, nicht gestohlen

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Wie konnten die 155 CDs und DVDs mit Beweismitteln im Fall Lügde verschwinden? Die Staatsanwaltschaft geht nicht von Diebstahl aus, sondern von Schlamperei.

Ein Koffer mit wichtigem Beweismaterial: verschwunden. In der Konsequenz ist ein leitender Mitarbeiter der Polizeibehörde Lippe ist von seinen Aufgaben entbunden worden.

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Die Staatsanwaltschaft Detmold hat keine Hinweise dafür, dass die bei der Polizei verschwundenen Beweismittel zur Missbrauchsserie auf einem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen gestohlen wurden. "Bis zum jetzigen Zeitpunkt geht die Staatsanwaltschaft - wie auch die Sonderermittler - davon aus, dass die Asservate aufgrund nachlässigen Umgangs nicht auffindbar sind und nicht entwendet wurden", teilte die Behörde am Freitagmittag mit. "Natürlich wird aber auch eine solche Möglichkeit nicht ausgeschlossen. Bislang haben sich dafür allerdings zureichende tatsächliche Anhaltspunkte nicht ergeben. Dementsprechend ist ein Ermittlungsverfahren - auch gegen Unbekannt - bei der Staatsanwaltschaft Detmold nicht anhängig."

Darum geht es: 155 DVDs und CDs, sichergestellt in der Baracke des wegen Kindesmissbrauchs verdächtigten 56-jährigen Dauercampers aus Lügde, sind wohl schon Mitte Dezember 2018 aus verschlossenen Polizeiräumen in Detmold verschwunden. Aufgefallen ist das aber erst am 30. Januar, als alle Beweismittel zu dem Fall in einen eigenen Raum gebracht werden sollten. Ein schwarze Hülle und ein Aluminiumkoffer ließen sich nicht auffinden.

Beamte ließen sich Zeit mit der Suche

Was jeder normale Mensch sofort tun würde, dauerte danach bei der Polizei in Detmold nochmal fast zwei Wochen. Erst am 13. Februar gab die Polizei die Verlustmeldung an die Staatsanwaltschaft Detmold weiter - und erst sieben Tage später begann die Polizei mit der Suche nach den Beweisen.

NRW-Innenminister Herbert Reul zeigte sich darüber fassungslos: "Da fällt mir auch gar nichts mehr zu ein. Ich hatte von Anfang an ein ungutes Gefühl, habe ja schon vorher von Polizeiversagen gesprochen. Da wurde ich von allen Seiten kritisiert. Und jetzt ist es noch schlimmer, als wir gedacht haben."

Karte mit dem Ort Lügde in NRW
Lügde liegt im Kreis Lippe in Nordrhein-Westfalen.
Quelle: ZDF

Eine fünfköpfige Sonderkommission aus dem Landeskriminalamt soll nun nach den Datenträgern forschen. Allerdings waren - entgegen der Vorschriften - die Beweismittel nicht extra gesichert und für alle Personen im Haus zugänglich. Auch Handwerkerfirmen hätten sich Zugang verschaffen können. Lediglich drei der DVDs waren gesichtet worden. Es soll sich aber kein kinderpornographisches Material unter den verschwundenen Beweisstücken befinden. 0,7 Terabyte von insgesamt 15 Terabyte sichergestelltem Material sind verschwunden.

Ermittlungen gegen zwei Detmolder Polizisten

Diese neue Panne ist ein weiterer Sargnagel für das Vertrauen der Bürger in Detmold in ihre Polizei. Während der 56-jährige mutmaßliche Haupttäter in einem Zeitraum von zehn Jahren 31 Kinder im Alter zwischen vier und 13 Jahren sexuell missbraucht haben soll, gab es immer wieder Hinweise, die an Polizei und Jugendamt gegeben wurden. Allein 2016 meldeten sich zwei Eltern bei den Behörden, die aber weder mit Ermittlungen begannen, noch das Pflegekind des langzeitarbeitslosen Mannes besuchten, um nach seinem Wohlergehen zu forschen.

Die Ermittlungen gegen den Camper werden nun an andere Kriminalbeamte übertragen. Gegen zwei Detmolder Polizisten läuft eine strafrechtliche Ermittlung wegen Strafvereitelung im Amt. Nach Auskunft von Innenminister Reul ist die Beweislage auch ohne die verschwundenen Datenträger eindeutig und grausam. Trotzdem solle der Vorgang, so Reul, lückenlos aufgeklärt werden. Die SPD im Landtag forderte eine Sondersitzung des Innenausschusses, um sich über die Versäumnisse zu informieren.

Auch von der Polizei kommt Kritik: Der Bund Deutscher Kriminalbeamter erklärte, der Innenminister dürfe sich nicht wegducken. "Im Landrat Lippe ist schon ewig bekannt, dass dort viel zu wenig Personal bei der Kripo vorhanden ist." Mehr dazu hier:

Polizeiabsperrung vor dem Wohnwagen

NRW-BDK-Vize Oliver Huth - "Innenminister darf sich nicht wegducken"

Der Skandal um den Missbrauchsfall Lügde erschüttert. Nach dem Verschwinden von Beweisstücken fordert der Bund Deutscher Kriminalbeamter umfassende Aufklärung.

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