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Spahns Paket für Kassenpatienten - "Wenn die Praxis voll ist, ist sie voll"

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Dauerfrust Arzttermin - ein neues Gesetzespaket von Gesundheitsminister Spahn soll jetzt gegensteuern. Was Kassenärzte und Verbraucherschützer dazu sagen - ein Überblick.

Sprechstundenhilfe ruft einen Patienten auf
Einen Termin beim Facharzt zu bekommen, ist oft nicht so einfach. Quelle: Imago

Professor Dr. Christian Raulin ist Hautarzt in Karlsruhe, Facharzt also. Einen Termin – kriegt man bei ihm nicht. Nie. Denn Raulin macht keine Termine für Routine-Behandlungen. Er hat eine offene Sprechstunde, morgens ab 7:40 Uhr, und an drei Tagen nachmittags bis 18 oder 19 Uhr. Vor den Sprechstunden und an den anderen Tagen wird operiert, Lasertherapie gehört zu den Spezialgebieten der Praxis. Das neue "Terminservice- und Versorgungsgesetz" von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hält der Dermatologe zumindest für "einen Schritt in die richtige Richtung".

Raulin weiß, dass er mit seinem Konzept der offenen Sprechstunde Außenseiter ist. Doch für ihn gebe es keine Alternative. "Der Heuschnupfen ist heute, die Verbrennung ist heute. Die wartet nicht auf einen Termin in acht Wochen." Warten müsse auch ein Patient mit akuten Beschwerden nicht lange in seiner Praxis – von zwanzig Minuten bis zu einer Stunde etwa. "Ein Notfall", sagt Raulin, "muss immer behandelt werden. Noch am selben Tag." So stehe es in der ärztlichen Berufsverordnung. "Wo ist das Problem?"

Regionale Verteilung der Ärzte in der vertragsärztlichen Versorgung
Regionale Verteilung: Ärzte je 100.000 Einwohner Quelle: Kassenärtzliche Bundesvereinigung

Raulin ist eine Ausnahme. Die meisten Fachärzte arbeiten mit einem Terminsystem. Eine Umfrage für die Kassenärztliche Bundesvereinigung ergab, dass fast ein Drittel der Befragten nach eigener Auskunft zuletzt mehr als drei Wochen auf einen Facharzttermin warten musste. Dagegen kam beim Hausarzt gut jeder Zweite binnen drei Tagen dran. Frust gebe es bei Facharztterminen demnach vor allem bei Kassenpatienten – 34 Prozent hätten sich mehr als drei Wochen gedulden müssen, aber nur 18 Prozent der Privatpatienten.

Das Reizthema lange Wartezeiten greift Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit seinem Gesetzentwurf auf, will gegensteuern. "Ich kann nicht versprechen, dass mit  Inkrafttreten dieses Gesetzes gleich das Paradies ist", sagt er. Der Ansatz laute: "Wir machen es besser."  Vieles will Spahn neu regeln. Wie will das Paket den Gesetzlich Versicherten bei der Terminvergabe helfen? Wo liegen Stärken, wo Schwächen - auch beim Thema bessere Versorgung?

Was ist das Fazit?

Bei Spahns Gesetzentwurf lägen "Licht und Schatten eng beieinander", sagen die Kassenärzte. Sie kritisieren vor allem den Eingriff in das bisherige Regelwerk für Ärzte und das enge Budgetkonzept. Für  Verbraucherschützer ist das Gesetz ein erster Schritt "um der Ungleichbehandlung zu begegnen". Die Kassenärzte hätten einen Sicherstellungsauftrag. Wenn es da Defizite gebe, sei es aus Verbrauchersicht richtig, dass die Politik nachsteuere. Es sei nicht zu erkennen, dass das ein "Reinregieren" in die ärztliche Selbstverwaltung ist.

Und Professor Christian Raulin, der Hautarzt aus Karlsruhe, der garnichts von Terminen für die Routine-Sprechstunde hält? Er lädt "den Herrn Minister ein, jederzeit nach Karlsruhe zu kommen – auf ein Bier, zum Abendessen". Da könne man das Ganze dann in Ruhe besprechen.

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