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Ex-Vizepräsident bei TV-Debatte - Biden in Bedrängnis

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Es geht hoch her bei der zweiten Runde der TV-Debatten der US-Demokraten. Die Präsidentschaftsbewerber schießen sich auf Ex-Vizepräsident Joe Biden ein, der die Umfragen anführt.

Senatorin Kamala Harris attackiert Joe Biden
Senatorin Kamala Harris attackiert Joe Biden
Quelle: reuters

Ex-Vizepräsident Joe Biden hat sich bei der TV-Debatte der US-Demokraten an vielen Fronten verteidigen müssen. Beinahe die Hälfte der zehn Bewerber, die am Mittwochabend (Ortszeit) in Detroit auf der Bühne standen, kritisierte Biden wegen teils jahrzehntealter Aussagen. Thematisiert wurden beim zweiten Teil der TV-Debatte vor allem die Komplexe Krankenversicherung, Einwanderung und Diskriminierung von Schwarzen.

Wir sprechen über Dinge, die vor einer langen, langen Zeit passiert sind.
Joe Biden, Ex-US-Vizepräsident

Erneut warf die kalifornische Senatorin Kamala Harris Biden dessen frühere Zusammenarbeit mit Verfechtern der Trennung von Schwarzen und Weißen vor. "Hätten sich diese Anhänger der Trennung von Schwarzen und Weißen durchgesetzt, wäre ich kein Mitglied des Senats der Vereinigten Staaten, Cory Booker wäre kein Mitglied des Senats der Vereinigten Staaten und Barack Obama wäre nicht in der Position gewesen", Biden für den Posten des Vizepräsidenten zu nominieren, sagte Harris.

Wenn er gedrängt wurde, bezog sich Biden häufig auf seine Beziehung mit Obama. "Wir sprechen über Dinge, die vor einer langen, langen Zeit passiert sind", sagte Biden. "Jeder spricht darüber, wie schrecklich ich bei diesen Themen bin. Barack Obama wusste, wer ich bin."

Auch Kamala Harris muss einstecken

Insbesondere beim Thema der ethnischen Zugehörigkeit zeigte sich ein Bruch innerhalb der Partei, nur zwei Wochen, nachdem erneut Rassismus-Vorwürfe gegen Präsident Donald Trump laut wurden, nachdem er vier weibliche, nicht-weiße Kongressabgeordnete dazu aufrief, das Land zu verlassen, obwohl sie alle US-Bürgerinnen sind. Auch am vergangenen Wochenende hatte Trump gegen einen prominenten schwarzen Kongressabgeordneten gewettert, dessen überwiegend von Schwarzen bewohnter Distrikt in Baltimore "von Ratten befallen" sei.

Biden, der praktisch alle Umfragen unter den Demokraten anführt, musste auf der Bühne am Mittwochabend einstecken. Doch auch Harris, scharfe Kritikerin von Biden und eine seiner stärksten Rivalen, musste sich verteidigen. Tulsi Gabbard, Repräsentantin von Hawaii, zerriss ihre Leistung als Staatsanwältin und Generalstaatsanwältin von Kalifornien.

Biden gilt unter den Bewerbern auf der Bühne als der moderateste. Zu seinen politischen Rivalen gehören neben Harris, Booker und Gabbard auch der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio, der ehemalige Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung Julián Castro, die New Yorker Senatorin Kirsten Gillibrand, der Unternehmer Andrew Yang, der Gouverneur aus Washington Jay Inslee und Senator Michael Bennet aus Colorado .

Heftige Debatte über Gesundheitspolitik

Der Abend begann mit einer lebhaften Debatte über die Pläne für eine umfassende Krankenversicherung. Harris warf Biden einen zu zurückhaltenden Plan vor. Biden nannte ihren Plan für eine Krankenversicherung für alle ("Medicare for All") dagegen vage. Ihr Plan werde allen Amerikanern eine Krankenversicherung bringen, Bidens Plan dagegen lasse beinahe zehn Millionen Menschen außen vor.

Schone mich, Kind.
Joe Biden, Ex-US-Vizepräsident

Biden warf dagegen Harris vor, ihr Plan sei mit drei Billionen US-Dollar zu teuer und würde dazu führen, dass viele Menschen ihre derzeitige arbeitgeberbasierte Versicherung verlieren würden. Harris nannte Bidens Anschuldigungen "einfach unzutreffend". "Die Kosten fürs Nichtstun sind bei weitem zu teuer."

Der Schlagabtausch kam früh. Als Biden Harris kurz vor den Eröffnungsstatements auf der Bühne begrüßte, witzelte der 76-Jährige noch: "Schone mich, Kind." Harris ist 54 Jahre alt.

"Mr. President - das ist Amerika"

Mit dem ehemaligen Minister für Wohnungsbau und Stadtentwicklung, Julián Castro, stritt Biden über Einwanderungspolitik. Castro will illegale Grenzübertritte lediglich zivilrechtlich verfolgen, und wiederholte den Ruf danach am Mittwoch in Detroit. Das bedeute nicht, dass die Grenzen geöffnet würden, wie einige in seiner Partei sagten, so Castro. Biden dagegen will Grenzübertritte nicht entkriminalisieren. Er merkte an, er habe Castro nie darüber sprechen hören, während dieser Wohnungsbauminister war. Castro antwortete schlagfertig: "Es sieht so aus, als hätte einer von uns die Lektion gelernt, und ein anderer nicht."

Während die ersten Vorwahlen erst in sechs Monaten anstehen, gab es, insbesondere bei den Bewerbern aus den unteren Rängen das Bedürfnis auszubrechen. Mehr als die Hälfte könnte von der nächsten Debattenrunde ausgeschlossen werden - und damit wahrscheinlich aus dem Rennen sein - wenn sie nicht neue hohe Umfragewerte und Spendenziele erreichen, die das Nationale Demokratische Komitee festgelegt hat. Der Einsatz ist hoch, und führte in den vergangenen Wochen dazu, dass sich viele Demokraten gegeneinander wandten.

Biden warf Trump vor, den "Stoff von Amerika" zu zerreißen und hob den Wert von Vielfalt in seinem Eröffnungsstatement hervor. "Mr. President, das ist Amerika", sagte er über die unterschiedlichen Bewerber auf der Bühne. Auch Harris zielte auf Trumps die Gesellschaft spaltende Präsidentschaft. "Wir sind besser als das."

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