Sie sind hier:

Gespräch mit Selenskyj - Streit zwischen Biden und Trump um ein Telefonat

Datum:

Der eine ist US-Präsident, der andere will es werden. Zwischen Donald Trump und Joe Biden gibt es Streit. Es geht um ein Telefonat mit Kiew und die Frage, was Trump gesagt hat.

Joe Biden
Joe Biden ist der Favorit bei den Demokraten für die Präsidentschaftskandidatur.
Quelle: reuters

Der demokratische Präsidentschaftsbewerber Joe Biden hat US-Präsident Donald Trump aufgefordert, den Wortlaut eines brisanten Gesprächs mit einem ausländischen Staatenlenker umgehend zu veröffentlichen. Biden bezog sich am Freitag auf US-Medienberichte, wonach Trump am 25. Juli mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj telefonierte und diesen aufgefordert haben soll, kompromittierende Informationen über Bidens Sohn Hunter zusammenzutragen.

"Wenn diese Anschuldigungen wahr sind, dann kennt die Bereitschaft von Präsident Trump, seine Macht zu missbrauchen und unser Land zu demütigen, keine Grenzen", erklärte Biden. Der ehemalige US-Vizepräsident sprach von "klarer Korruption". Das Mindeste sei es, dass Trump "sofort die Mitschrift des betreffenden Anrufs veröffentlicht, damit das amerikanische Volk selbst urteilen kann".

Trump nennt Verdacht "lächerlich"

Trump wehrt sich vehement gegen den Verdacht, im Gespräch mit einem ausländischen Staatenlenker ein unangemessenes und geheim gehaltenes "Versprechen" gegeben zu haben. Er nannte den gegen ihn laut "Washington Post" von einem Geheimdienstmitarbeiter erhobenen Verdacht "lächerlich". Die Unterhaltung mit dem ausländischen Politiker, um die es gehe, sei nicht "heikel", sondern "völlig angemessen gewesen".

Ein Klick für den Datenschutz

Erst wenn Sie hier klicken, werden Bilder und andere Daten von Drittanbietern nachgeladen. Ihre IP-Adresse wird dabei an externe Server (Facebook, Google, Instagram, Twitter, etc.) übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre künftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in einem 'ZDF-Cookie'. Diese Zustimmung können Sie in den Einstellungen unter 'Mein ZDF' jederzeit widerrufen. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Das "Wall Street Journal" berichtete, Trump habe in dem betreffenden Telefonat "etwa acht Mal" versucht, Selenskyj auf die Aktivitäten von Hunter Biden anzusetzen, der während Bidens Amtszeit als US-Vizepräsident seit 2014 für eine ukrainische Gasfirma arbeitete. Zu diesem Zweck habe Trump Selenskyj aufgefordert, mit seinem Anwalt Rudy Giuliani zusammenzuarbeiten. In dem Gasunternehmen soll es Fälle von Korruption gegeben haben, Hunter Biden wurden aber nie persönlich Vorwürfe gemacht.

Kiew will keine Partei in US-Innenpolitik ergreifen

Der ukrainische Außenminister Wadym Prystaiko sagte in einem am Freitagabend veröffentlichten Interview mit dem ukrainischen Internet-Fernsehsender Hromadske, sein Land habe kein Interesse daran, Partei in amerikanischer Innenpolitik zu ergreifen. Selenskyj habe aber auch das Recht, den Inhalt des Telefonats geheim zu halten. "Ich weiß, worum es in dem Gespräch ging, und denke nicht, dass es irgendeinen Druck (von Trump) gab", sagte Prystaiko. "Es war ein langes und freundliches Gespräch, bei dem es um viele Fragen ging, die manchmal schwerwiegende Antworten erforderten."

Die Kontroverse um das Telefonat wurde befeuert von der Tatsache, dass Washington Ende Juli Militärhilfe in Höhe von 250 Millionen Dollar für die Ukraine zurückhielt. Dieses Geld wurde vergangene Woche schließlich vom Weißen Haus freigegeben. Laut "Wall Street Journal" ging Trump in dem Telefonat nicht auf die Militärhilfe ein.

Ausländische Wahlhilfe für Trump?

Aus Sicht demokratischer Abgeordneter läge ein weiterer Grund für ein Amtsenthebungsverfahren vor, sollte Trump ausländische Hilfe an die Lieferung schmutziger Informationen über einen politischen Rivalen knüpfen. "Der Präsident kann keine US-Hilfe als Waffe für seine eigenen politischen Zwecke nutzen", erklärte der demokratische Kongressabgeordnete Seth Moulton im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Auch Trumps demokratische Herausforderin Hillary Clinton bei der Präsidentschaftswahl 2016 meldete sich auf Twitter zu Wort: "Der Präsident hat eine ausländische Macht um Hilfe gebeten, um eine Wahl zu gewinnen. Schon wieder", erklärte sie.

Trump: "Es spielt keine Rolle, was ich bespreche"

Vor der Präsidentschaftswahl 2016 hatten Mitarbeiter von Trumps Wahlkampfteam in Kontakt mit Russland gestanden. Diese Kontakte waren Gegenstand der fast zweijährigen Untersuchung des Sonderermittlers Robert Mueller. Dieser konnte allerdings am Ende keine ausreichenden Beweise für eine "Verschwörung" des Trump-Teams in Zusammenarbeit mit Moskau finden.

Auf die Frage von Reportern, ob er mit Selenskyj über Biden gesprochen habe, sagte Trump: "Es spielt keine Rolle, was ich bespreche." Stattdessen forderte er die Medien dazu auf, Bidens Verhalten gegenüber der Ukraine in seiner Zeit als Vize-Präsident zu untersuchen. Anfang 2016 habe Biden gesagt, dass die US-Regierung eine Milliarde Dollar an Kreditgarantien einfrieren werde, bis Kiew den obersten Staatsanwalt entlassen habe. "Das sollte sich jemand anschauen", sagte Trump.

Biden ist Favorit bei den Demokraten

Bereits Anfang September hatten drei Ausschüsse des Repräsentantenhauses angekündigt, mutmaßliche Versuche Trumps und seines Anwalts Giuliani untersuchen zu wollen, für parteipolitische Zwecke Druck auf die ukrainische Regierung auszuüben - unter anderem mit der Drohung, US-Unterstützung bei der Sicherheit zurückzuhalten. Demnach wollten Trump und Giuliani Kiew dazu bringen, gegen ukrainische Staatsbürger vorzugehen, die gegen Trumps inzwischen inhaftierten Ex-Wahlkampfchef Paul Manafort ausgesagt hatten.

Biden ist der Favorit bei den Demokraten für die Präsidentschaftskandidatur. Er könnte somit im November 2020 gegen Trump antreten.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.