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Wettbewerb #Bielefeldmillion - Bielefelds PR mit der Verschwörungstheorie

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Bielefeld hat eine Million Euro für den Beweis ausgesetzt, dass es die Stadt gar nicht gibt. Damit will die Stadt einer hartnäckigen Verschwörungstheorie ein Ende bereiten.

Ein Ortsschild von Bielefeld
Bielefeld hat eine Million Euro für den Beweis ausgesetzt, dass es die Stadt nicht gibt.
Quelle: picture alliance/Bildagentur-online

Mit Achim Held fing alles an. Auf einer Party hörte er, wie jemand sagte, er sei aus Bielefeld. Und ein anderer: "Das gibt´s doch gar nicht!" Das war 1993 und Achim Held, inzwischen promovierter Informatiker, und seine Freunde sponnen die Idee weiter. Ein halbes Jahr später veröffentlichte er einen satirischen Text, in dem er sich über Verschwörungstheorien lustig machte. Darin behauptete er, dass es die Stadt Bielefeld gar nicht gibt. "Die allermeisten haben den Witz darin erkannt und fanden ihn auch gut", sagte er 2013 im Gespräch mit dem ZDF. Bielefeld habe er zufällig ausgewählt: "Um Bielefeld ging es mir dabei gar nicht, ich hatte keine Beziehung zu der Stadt. Es passte ganz einfach." Bielefeld wiederum passte das gar nicht.

Jahrzehntelang überlebt der Witz und wurde immer wieder aus der Mottenkiste gekramt, wenn sich Gespräche um Bielefeld drehten oder gar jemand behauptete, er komme aus dieser angeblichen Nicht-Stadt in Westfalen. Sogar Bücher wurden darüber geschrieben. In der ZDF-Serie Wilsberg wurde das Thema in zwei Episoden aufgegriffen. Und Bundeskanzlerin Angela Merkel rutschte 2012 bei einer Veranstaltung in Bielefeld der Halbsatz heraus: "… so es denn existiert". "Ich hatte den Eindruck, ich war da", schob sie eilig hinterher.

"Unumstößlich müssen die Perlen deiner Weisheit sein"

Jetzt will die Stadt gegensteuern und der Verschwörungstheorie endlich ein Ende bereiten - mit einer PR- und Marketing-Aktion, die man nur als gelungen bezeichnen kann und die in den sozialen Netzwerken fast ausschließlich für positive Reaktionen sorgt. Die Stadt bietet eine Million Euro für den Beweis, dass es Bielefeld nicht gibt: "Wie du belegen kannst, dass es Bielefeld nicht gibt? Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Ob Bilder, Videos oder Texte - jegliche Art von Beitrag ist erlaubt, nur unumstößlich müssen die Perlen deiner Weisheit sein, um die #Bielefeldmillion zu gewinnen", heißt es auf der Homepage.

Das ZDF-Landesstudio Düsseldorf hat schon 2013 versucht, in einem TV-Beitrag der Verschwörungstheorie auf den Grund zu gehen. Darin sagte der damalige Leiter der städtischen Marketing-Gesellschaft: "Bielefeld ist eine der 20 größten Städte, gemessen an der Einwohnerzahl, eine der zehntgrößten sogar von der Fläche her, größer als Frankfurt. Unsere Wirtschaft präsentiert sich mit ihren Produkten weltweit." Das sollte wohl als Beweis dafür reichen, dass es Bielefeld eben doch gibt. Echte Verschwörungstheoretiker ließen sich davon nicht überzeugen. Und auch nicht durch andere Argumente.

"Keine Steuergelder auf dem Spiel"

Damit soll jetzt Schluss sein. Die Zweifler sollen schweigen. Bielefeld dreht den Spieß um und will den Gegenbeweis. Aber: "Der Teilnehmer muss die Nichtexistenz der Stadt Bielefeld beweisen. Hierzu ist eine erschöpfende Beweisführung erforderlich, die durch nichts und niemanden zu erschüttern ist", heißt es in den Teilnahmebedingungen. Keine leichte Aufgabe. Wenn man ehrlich ist, sogar unmöglich.

Dafür ist die Stadt auch bereit, tief in die Tasche zu greifen. Aber keine Angst vor Geldverschwendung, versichern die Verantwortlichen und nehmen möglichen Kritikern gleich den Wind aus den Segeln: "Wir sind gespannt auf die kreativen Einsendungen und sind uns zu 99,99 Prozent sicher, dass wir jeden Beweis widerlegen können. Und für den Fall, dass es uns doch nicht geben sollte, sei sicherheitshalber noch erwähnt, dass keine Steuergelder auf dem Spiel stehen."

In einem FAQ beantwortet die Stadt gleich alle Fragen, die zwar niemand stellt, die aber möglicherweise dennoch gestellt werden könnten: "Meint ihr das wirklich ernst?" "Ja, echt jetzt! Wir meinen das ernst." Oder: "Ich bin kein Verschwörungstheoretiker. Darf ich trotzdem mitmachen?" "Natürlich!" Oder: "Und was soll das Ganze?" "Seit 25 Jahren geistert die Bielefeld-Verschwörung durch das Internet und die Köpfe der Menschen. Zum 'Silber-Jubiläum' sagen wir Bielefelder: Ok, jetzt haben wir mal unseren Spaß! Beweist uns doch mal, was hinter den Sprüchen steckt!"

Wettbewerb läuft noch bis 4. September

Mit der Aktion ist der Stadt ein PR-Coup gelungen. "Das Thema ist für die Stadt kein einfaches, da es immer irgendwie negativ belegt ist. Wir wollten das positiv für uns nutzen", sagt Pressesprecher Jens Franzke. Dass sie damit aber die Verschwörungstheorie aus der Welt schaffen, ist eher unwahrscheinlich. Möglicherweise erreichen sie damit genau das Gegenteil. Das Medieninteresse sei jedenfalls riesig. Jens Franzke klang am Telefon noch nicht einmal genervt: "Nein, uns geht es super. Das ist sehr cool. Wir freuen uns darüber." Die Idee sei schon vor einem Jahr in einer Werbeagentur geboren worden. Man habe sich sogar von einer Kanzlei juristisch beraten lassen.

Vorsorglich teilen die Veranstalter mit: "Der Rechtsweg ist ausgeschlossen." Man kann ja nie wissen. Sie sind sich ja auch nur zu 99,99 Prozent sicher. Woher die Zweifel kommen? "Wir zweifeln nicht, wir wollen die Spannung  aufrecht erhalten", sagt Franzke. Der Wettbewerb läuft noch bis zum 4. September.

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