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Oktoberrevolution - "Blutige Niederlage für die Menschheit"

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"Dieser Sieg vor 100 Jahren war eine schwarze, blutige Niederlage für die Menschheit." - Ein Zwischenruf von Wolf Biermann zur sozialistischen Oktoberrevolution in Russland.

Der Liedermacher und Lyriker Wolf Biermann siedelte in den 50er Jahren aus politischer Überzeugung in die DDR um. Er wurde aber später zum scharfen Kritiker des Systems. Hier nun seine Sicht auf 100 Jahre Oktoberrevolution.

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3 min
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"Vor genau 100 Jahren siegte die große, sozialistische Oktoberrevolution, von der wir inzwischen wissen, dass sie weder groß noch sozialistisch, noch eine Revolution war, sondern ein kleiner Putsch von Lenin und Genossen, im kleinen Ort St. Petersburg im riesigen, zaristischen, feudalistischen Russland, dem Agrarland. Und dieser Putsch konnte siegen, weil Russland zu Tode geschwächt war vom ersten Weltkrieg, an dem es sich beteiligt hat, wo die Industrienationen England, Frankreich, Deutschland sich mit industrieller Gewalt bekämpft haben. Und so gelang dieser Putsch.

Und aus heutiger Sicht vergleicht man das mit Schweden. Ich jedenfalls. Denn Schweden war damals in genau dem gleichen Status wie das agrarische Russland: ein Königreich, zurückgeblieben, aber wurde, wie wir ja wissen, ohne Krieg, ohne KZs, ohne Massengräber, ohne Morde ein fortschrittliches Land, eine parlamentarische Demokratie mit Königskrone obendrauf - wie England, wie Frankreich, wie Holland, wie Dänemark, die skandinavischen Länder.

Und deswegen sage ich: Dieser Sieg vor 100 Jahren war eine schwarze, blutige Niederlage für die Menschheit. Und der Vorteil: Wir haben daraus gelernt, dass jeder Weg in das kommunistische Narrenparadies, wo es keine Ungerechtigkeit, keine Ausbeutung, keine Ungleichheit mehr gibt, dass dieser Weg zur Endlösung der sozialen Frage nicht nur nicht funktioniert - das wäre nicht so schlimm -, sondern er funktioniert leider bloß umgekehrt: Er führt in die schlimmsten Höllen, die es jemals in der Menschheitsgeschichte gegeben hat. Und deswegen will einer wie ich nicht, dass dieser Tierversuch an lebendigen Menschen nochmal wiederholt wird.

Wir müssen es lernen, ohne Terror die Welt nicht zu retten - solche Leute sind gefährlich -, sondern  wir müssen sie verbessern. Und das macht Mühe. Und damit sind wir schwer beschäftigt. Die nächsten Jahre hoffentlich. Also sehe ich diese Oktoberrevolution mit Kummer und mit Hoffnung auf eine bessere Lösung dieser Probleme."

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