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Mittelstandsunternehmen - Big Data noch ganz klein

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Datenanalysen sind bei mittelständischen Unternehmen noch nicht besonders angesagt. Doch eine gezielte Auswertung ist in vielen Firmen sinnvoll - und wird sogar subventioniert.

Frizzi Seltmann scannt am 04.01.2018 mit einem Tablet QR-Codes an den Schussspulen einer Webmaschine im Sächsischen Textilforschungsinstitut (STFI) in Chemnitz (Sachsen),
Industrie 4.0
Quelle: picture alliance

Big Data ist in Mittelstandsunternehmen noch alles andere als "big". Das zeigt nicht nur die aktuellste Mittelstandsstudie der Commerzbank, sondern auch die allgemeine Expertenmeinung. Das liegt weniger oft an den Daten, davon gibt es in den meisten Unternehmen genug - Maschinendaten, Kundendaten, Materiallisten. Vielmehr scheinen die Firmen nicht zu erkennen, welches Potenzial die Analyse der Datenmengen bringt.

Was ist Big Data?

Grundsätzlich ist Big Data ein Oberbegriff und beschreibt eine große Menge an Daten. Aufgrund von technischen Entwicklungen seinen davon in Unternehmen in unterschiedlichen Bereichen zunehmend mehr vorhanden, erklärt Christian Böning. Er ist Abteilungsleiter der Forschungsabteilung Logistik beim Institut für Integrierte Produktion Hannover. Absatzplanung, Marketing, Einkauf, Auftragssteuerung, Produktion, Vertrieb, Service - die Quellen sind unersättlich.

Zwischen diesen Daten kann es Zusammenhänge geben, die nicht sofort ersichtlich sind. Durch mathematische Verfahren können sie aber herausgefiltert werden. Die Anwendungsfelder sind vielseitig und verbessern vor allem eins: die Effizienz. "Zum Beispiel kann man dann vorhersehen, wann eine Maschine vermutlich den Geist aufgeben wird oder wann ein Bauteil ausfällt", sagt Böning. So lassen sich Ausfälle reduzieren.

Unbegründete Zurückhaltung

Dieser Vorteil ist den Unternehmen bekannt. Fast alle 2.000 mittelständischen Firmen in der Commerzbank-Studie halten Big Data für relevant (97 Prozent). Doch trotzdem nutzen nur acht Prozent der Befragten ihren Datenpool. Wie kann das sein? "Die Unternehmen wissen meist nicht, welche Prozesse durch Big-Data-Analysen optimiert werden können", meint Alexandra Horn, Konsortialleiterin bei der Initiative "Mittelstand 4.0 - Kompetenzzentrum Berlin", die durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird. Christian Böning ergänzt, dass vielen Firmen unklar sei, wie sie mit dem "Data-Mining", also dem Erheben von Daten, anfangen sollen. Und was sie überhaupt untersuchen können.

Beide Experten heben deutlich hervor, dass die systematische Nutzung der Daten einen großen Vorteil bringen kann. Sowohl bei Dienstleistern als auch in Produktionsfirmen kann eine Big-Data-Analyse sinnvoll sein, sagt Horn. "Es lohnt sich für jeden, wenn die Lösung auf das Unternehmen zugeschnitten ist." Das könnten auch kleine Projekte sein, die einfach an der richtigen Stelle unternommen wurden. Eine so zugeschnittene Lösung sei dann auch nicht unbedingt teuer. Und: Der erste Schritt in die Digitalisierung und die Nutzung der Big Data kann vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie subventioniert werden.

Ministerium fördert Startschuss in die Digitalisierung

Das Mittelstandsunternehmen Zemmler Siebanlagen GmbH in Brandenburg hat genau das gemacht. Der Hersteller hat die Stahlannahme gemeinsam mit dem "Mittelstand 4.0 - Kompetenzzentrum Berlin" digitalisiert. Durch ein Tablet werden jetzt vor Ort Live-Daten und Konstruktionszeichnungen in digitaler Form zur Verfügung gestellt, um die Warenannahme zu erleichtern. Die Daten werden auch in die Büros geleitet, alles in Echtzeit. "Durch diese Lösung fällt wahnsinnig viel Verwaltungszeit weg. Man greift direkt auf die Konstruktionsdaten zu - das ist eine coole Geschichte", sagt Geschäftsführer Heiko Zemmler.

Der Umstellungsprozess habe ein Jahr gedauert, erklärt die Leiterin des Digitalisierungs-Projekts, Nancy Otto. Und es sei erst der erste Schritt. Langfristig gesehen plant das Unternehmen, alle Geschäftsbereiche zu digitalisieren. Zemmler kann die Umstellung absolut empfehlen. "Es ist am Ende eine Effizienzsteigerung und macht die Unternehmung moderner und lebendiger. Sogar die Zufriedenheit der Mitarbeiter steigt durch den Wandel." Alexandra Pohl beobachtet diese Euphorie bei vielen Unternehmen. "Am Ende der Projekte steht immer die Einsicht, wie nützlich die Big-Data-Analyse ist."

Die Sache mit dem Datenschutz

Wer seine Abteilungen vernetzt, kommt am Ende um ein Thema nicht herum. Viele Unternehmen fürchten sich vor einer Hackerattacke. "Mit Sicherheit muss man ein großes Augenmerk auf die Datensicherheit legen, gerade wenn man viel geistiges Know-How reinsteckt", sagt Heiko Zemmler. Das Unternehmen hat seine Daten zwar nach außen abgesichert, ein gewisses Risiko sei aber immer dabei. Für Zemmler ist jedoch klar: "Letztendlich überwiegen die Vorteile."

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