Sie sind hier:

Bilanz der Berlinale - "Du musst dreimal so zäh sein wie ein Mann"

Datum:

Neben Filmen, Stars und Partys bewegte vor allem ein politisches Thema die diesjährige Berlinale: Die #MeToo-Debatte um Macht und Missbrauch im Filmgeschäft.

Eröffnung der Berlinale 2018
Eröffnung der Berlinale 2018
Quelle: dpa

Nichts wurde und wird auf und neben dem roten Teppich der Berlinale so heftig diskutiert wie #MeToo. Egal, ob bei Premieren, Galas, Partys oder Gesprächsrunden - die Themen Machtmissbrauch in der Filmbranche und mangelnde Gleichberechtigung sind überall präsent. Und es gibt neue Initiativen, die im Rahmen der Berlinale vorgestellt werden. Zum Beispiel wird eine überbetriebliche Beschwerdestelle für Missbrauchsopfer in der Filmindustrie eingerichtet. Eine Anlaufstelle für alle, die sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch erlebt haben und davon berichten wollen, ohne damit ins Internet oder an die Öffentlichkeit gehen zu wollen.

Alle sind sich einig: Die #MeToo-Debatte hat in der Branche schon einiges verändert. Am vergangenen Montag diskutiert darüber eine hochkarätig besetzte Runde aus Politik und Showbusiness. Mit dabei ist Schauspielerin Jasmin Tabatabai, die sich mit dem Verein "Pro Quote Film" für eine 50-Prozent-Quote für Frauen in Schlüsselpositionen einsetzt und so männlich dominierte Machtstrukturen aufbrechen will. Die geplante Beschwerdestelle für Missbrauchsopfer sei wichtig, sagt Tabatabai, aber "Sexuelle Belästigung ist natürlich nur eine, wenn auch besonders widerliche Ausformung der strukturellen Diskriminierung, die in unserer Branche vorherrscht. 85 Prozent der Filme, die gefördert werden, sind Filme, die Männer machen."

Berben: Berlinale der Ideale Ort für Zeichen gegen Sexismus

Im diesjährigen Wettbewerb sind von den 19 Filmen im Rennen um die Berlinale-Bären nur vier von Frauen gemacht. Erfolgreiche Regisseurinnen wie die Oscar nominierte Greta Gerwig oder Berlinale-Stammgast Isabel Coixet sind in der Branche die absolute Ausnahme. "Du musst einfach dreimal so zäh sein wie ein Mann und zehnmal so viel Ausdauer haben", meint Coixet, die mit "Der Buchladen der Florence Green" in der Sektion "Berlinale Special" vertreten ist.

Das wichtigste deutsche Film-Festival sei der ideale Ort, um ein Zeichen gegen Sexismus zu setzen, findet die Schauspielerin Iris Berben. Als Präsidentin der Deutschen Filmakademie kämpft sie für mehr Gleichberechtigung und gegen Machtmissbrauch und sexuelle Übergriffe. Im Hinblick auf länger zurückliegende Fälle hat sie eine klare Meinung: "So etwas darf nicht verjähren. Denn der Schmerz der Frauen verjährt auch nicht." Mit dem Thema sollten sich Männer und Frauen gemeinsam auseinandersetzen.

Filmhighlights der Berlinale

Auch wenn das manchmal nicht einfach ist: Hollywoodstar Bill Murray nimmt bei dem Thema lieber gleich Reißaus, als er auf dem roten Teppich der Eröffnungsgala nach der #MeToo-Debatte gefragt wird. Die meisten Männer aber sind sich auf der Berlinale durchaus bewusst, wie groß der Gesprächsbedarf noch ist. Und das nicht nur, weil sie ständig auf die Debatte angesprochen werden. "Es gibt kein Interview ohne. Selbst Zwei-Minuten-Interviews haben eine Minute nur darüber", sagt etwa Tom Tykwer, der in diesem Jahr Präsident der Internationalen Berlinale-Jury ist.

Und auch für Festivalleiter Dieter Kosslick ist klar: "Bei der Oscar-Verleihung wird die Diskussion weitergehen und dann schauen wir mal, wie es in Cannes wird." Oscarpreisträgerin Helen Mirren nennt die Diskussion "ein Erdbeben". Und für Schauspielerin Senta Berger ist es "die vermutlich wichtigste gesellschaftspolitische Debatte seit den 70er Jahren." Diese Berlinale zeigt also deutlich: Die #MeToo-Debatte hat gerade erst richtig begonnen.

Für die Gewinner des Internationalen Wettbewerbs gibt es den "Bären" in Gold oder Silber. Die Auszeichnungen werden am Samstagabend verliehen.

Die Jury der Berlinale

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.