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Neue Geschäftszahlen - Lufthansa: Druck von oben und unten

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Die größte deutsche Fluglinie sieht sich neuen Herausforderungen gegenüber - nicht nur vom Wettbewerb am Himmel. Umwelt, Aktionäre, Gewerkschaften: Alle zerren an der Lufthansa.

Boeing 747 der Lufthansa
Lufthansa sucht den Aufwind - und präsentiert neue Geschäftszahlen.
Quelle: ap

Der Chef ist ein Flieger. Genau genommen aber müsste er heutzutage ein Überflieger sein. Carsten Spohr, an der Spitze der Lufthansa angesiedelt, weiß hoffentlich mit Turbulenzen umzugehen. Der Pilot hat in diesen Zeiten auch ein Navigator zu sein, der seine Linie durch unbekannte Gefilde zu steuern hat. Auf Sicht fliegen wäre noch zu harmlos ausgedrückt. In der Tat droht von seiten der Politik ein großangelegter Angriff, nachdem sich die verschiedenen Akteure auf der Berliner Bühne den Inlandsflugverkehr vorgenommen haben, um auf Resourcenverschwendung und Umweltschäden hinzuweisen, um es mal höflich auszudrücken.

23 Millionen Passagiere wären von Inlandsflug-Verbot betroffen

Mag ein Verbot von Inlandsflügen in weiter Ferne erscheinen - ein Stratege an der Spitze des deutschen Vorzeige-Carriers muss die Tendenz wittern. Nur nebenbei bemerkt: Da auf diesen Strecken kaum Gewinn zu machen ist, wäre ein solches Verbot zumindest nicht negativ für das Geschäftsergebnis, wie man aus den heute vorgelegten Quartalszahlen ablesen könnte.

Ein schwacher Trost, denn: Es beträfe rund 23 Millionen Passagiere, wenn man die Zahlen aus dem Jahr 2018 zugrunde legt, und die Zubringerflüge zur Fernverbindung wären natürlich auch betroffen. Und die ausländische Konkurrenz wartet nur. Aber es geht ja, wie so häufig, ums Prinzip. Über Zahlen, wie etwa den Schadstoff-Ausstoß, darf dann gern im Einzelnen gestritten werden - die Airlines, nicht nur die Lufthansa, verweisen auf CO2-Kompensation, auf geringe Treibstoffmengen pro geflogenem Passagierkilometer und dergleichen mehr; Konkurrent Bahn dagegen scheint umweltfreundlich, was den Stromverbrauch angeht - wenn man denn genau wüsste, wo der Strom herkommt.

Konkurrenz von Billigfliegern ist groß

Die Beispiele zeigen, in welchen hakeligen Diskussionen die Luftfahrt steckt. Bis hin zum Verlangen nach Verstaatlichung des Flugverkehrs geht es, wobei davon in Deutschland weit über hundert Flugbetriebe betroffen wären: Sie alle haben eine Startlizenz, ob klein oder groß. Das Kerngeschäft von Carsten Spohr ist dabei doch ein ganz anderes. Er muss den Konzern ungeachtet der Rahmenbedingungen voranbringen, und die Beispiele aus dem europäischen Ausland zeigen, dass das nicht ohne weiteres möglich ist.

Von unten drücken die Billigflieger wie Ryanair, die Lufthansa mit ihrer Marke Eurowings am Boden zu halten versucht - es gelingt eher schlecht als recht. Im allgemeinen Wettbewerb um Verknappung der Leistungen ist Lufthansa mit allen Marken dabei - sei es beim symbolisch wichtigen Essen an Bord oder bei strenger Gewichtung des Passagiergepäcks: Die kleinen Großzügigkeiten für den Kunden gibt es längst nicht mehr. Was früher ein normaler Sitz im Flugzeug war, wird heute extra bezahlt, sozusagen: das Zurücklehnen wird besteuert und bezahlt.

Mehr Spekulationsobjekt als Dividenenbringer

Und die Investoren belohnen es noch nicht einmal. Der Aktienkurs der Lufthansa, obschon vom Absturz weit entfernt, hat sich trudelnd bei 15 Euro gefangen, aber ein Ruhmesblatt für die Amtszeit des Chefs ist das nicht: Dort stand er schon 2015 einmal, und zwischendurch bei mehr als dem Doppelten. Wo gibt es das denn, dass eine stolze nationale Fluggesellschaft an der Börse ein Spekulationsobjekt ist statt ein solider Dividendenbringer? Momentan ist das Vermögen des Konzerns, inklusive der Flugzeuge, mehr wert als die Gesamtsumme der Aktien, also der Bewertung an der Börse. Die Investoren senken den Daumen. Das scheint ja fast schlimmer als bei der Deutschen Bank, wobei die kaum Flugzeuge besitzt.

Reisende in der Kabine einer Maschine der Lufthansa. Symbolbild
Der Service in der Kabine hat sich im Lauf der Zeit verändert.
Quelle: Christian Charisius/dpa

Das Schicksal der Lufthansa wird dann wohl bei Eurowings entschieden, und bei den Gewerkschaften. Diverse Streiks verhagelten immer wieder das Geschäftsergebnis; Eurowings als Bollwerk gegen den Angriff der Billigflieger bringt Verluste ein, die nur durch rigoroses Sparen ausgeglichen werden können, die Perlen wie das Catering etwa stehen offenbar zum Verkauf. Nur sparen – auf wessen Kosten? Die Passagiere tragen's mit Gleichmut, das Kabinenpersonal und die Piloten wohl weniger. Die Strukturen bei den verschiedenen Töchtern der Lufthansa sind kompliziert, verglichen mit der eindimensionalen Marke Ryanair hängen bei der Lufthansa zahlreiche Ebenen und Parallelunternehmungen aneinander.

"Marke Lufthansa" hat guten Ruf

Das in eine klare Linie zu bringen, dürfte den Gewerkschaften mindestens so viel abfordern wie dem Vorstand. Bei der eigentlichen Lufthansa im Kundengeschäft noch viel einzusparen, zumal auf Kosten der Passagiere, scheint unmöglich. Denn von oben drohen die heftig subventionierten Fluglinien der Golfstaaten, die jeden erdenklichen Luxus an Bord bringen. Ohne Rücksicht auf Verluste, im wahrsten Sinne des Wortes. Es wird also Zeit zum Aufräumen, und das Publikum darf gespannt sein. Unter dem Strich bleibt vielleicht nur eines, wie es immer war: Der Ruf des Namens "Lufthansa". Diese Marke steht einstweilen unbeschädigt da. Ob sie es bleibt, ist hoffentlich nicht nur Glücksache.

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