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Polizeibilanz - Neun Verletzte bei Demos in Chemnitz

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Dutzende Straftaten und neun Verletzte - die Polizei zieht eine erste Bilanz nach den Demos in Chemnitz. Auch für heute sind Kundgebungen in der sächsischen Stadt angekündigt.

Die Stimmung in Chemnitz hat sich beruhigt. Auch für heute sind Demonstrationen angemeldet. Die Polizei zeigt weiterhin starke Präsenz, so ZDF-Korrespondent Michael Bewerunge.

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Bei den jüngsten Protesten in Chemnitz mit tausenden Teilnehmern verschiedener Lager sind am Samstag mindestens neun Menschen verletzt worden. Insgesamt seien mindestens 25 Straftaten verzeichnet worden, teilte die Polizei in der sächsischen Stadt am Abend mit. Details zu den Verletzten nannte die Polizei nicht. Bei den Straftaten handelte es sich den Angaben zufolge um Sachbeschädigungen, Körperverletzungen, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Wasserwerfer bringen sich bei Demo von AfD und Pegida in Stellung.
Wasserwerfer bringen sich bei Demo von AfD und Pegida in Stellung.
Quelle: dpa

An der von einem breiten Bündnis getragenen Großdemo unter dem Motto "Herz statt Hetze" beteiligten sich einem Sprecher der Stadt Chemnitz zufolge fast 4.000 Menschen. An der Kundgebung nahmen am Samstagnachmittag auch mehrere Spitzenpolitiker wie SPD-Vizechefin Manuela Schwesig, Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch und die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock teil.

Pro Chemnitz und AfD demonstrieren zusammen

Mehr als zwei Stunden nach Beginn der "Herz statt Hetze"- Demonstration versammelten sich mehrere tausend Menschen zu der AfD-Kundgebung. Auch Teilnehmer einer Demonstration der rechten Organisation Pro Chemnitz schlossen sich an, nachdem die Organisatoren diese für beendet erklärt hatten. Laut dem Sprecher der Stadt beteiligten sich rund 4.500 Menschen.

AfD-Politiker aus mehreren Landesverbänden waren am Samstag in Chemnitz, darunter die AfD-Landesvorsitzenden von Thüringen, Sachsen und Brandenburg, Björn Höcke, Jörg Urban und Andreas Kalbitz. Auch die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung schloss sich der Kundgebung an. In dem Aufruf zu dem sogenannten Schweigemarsch hieß es, es solle "um die Toten und Opfer der illegalen Migrationspolitik" in Deutschland getrauert werden.

In Chemnitz war vergangenes Wochenende ein 35-jähriger Deutscher getötet worden. Zwei Männer aus Syrien und dem Irak sitzen deswegen in Untersuchungshaft. Danach kam es zu Demonstrationen in der Stadt, an denen sich gewaltbereite Rechtsextreme beteiligten. Dabei gab es auch Angriffe auf Ausländer.

Polizei ermittelt nach Angriff auf Afghanen

Die Polizei versuchte am Samstag mit einem Großaufgebot von 1.800 Beamten, die Demonstrationen auseinanderzuhalten und erneute Ausschreitungen zu verhindern. Die Polizei meldete einige Rangeleien zwischen "Kleingruppen" der verschiedenen Lager, die meisten Demonstranten seien aber friedlich gewesen.

Am Abend erklärte die Polizei, dass abseits der Demonstrationsorte ein 20-jähriger Afghane von vier Vermummten angegriffen und leicht verletzt worden. Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung seien aufgenommen worden. Es werde geprüft, ob es sich bei den Tätern um ehemalige Versammlungsteilnehmer handele.

Auch sei ein MDR-Kamerateam in einer Privatwohnung angegriffen worden. Dabei sei ein Mitarbeiter des Teams verletzt worden.

Eine Besuchergruppe um den SPD-Bundestagsabgeordneten Sören Bartol wurde nach seinen Angaben am Abend von Rechtsradikalen überfallen. "Meine Gruppe aus Marburg wurde gerade auf dem Weg zum Bus von Nazis überfallen", schrieb Bartol auf Twitter. Alle SPD-Fahnen seien "zerstört" worden, einige seiner Begleiter seien "sogar körperlich angegriffen" worden. Er fügte hinzu: "Ich bin entsetzt" und "Was ein Schock".

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Maas: "Bequemlichkeit überwinden"

Außenminister Heiko Maas (SPD) rief die Bürger unterdessen zu mehr Einsatz im Kampf gegen Rassismus und zur Verteidigung der Demokratie auf. "Es hat sich in unserer Gesellschaft leider eine Bequemlichkeit breit gemacht, die wir überwinden müssen", sagte er der "Bild am Sonntag". "Da müssen wir dann auch mal vom Sofa hochkommen und den Mund aufmachen."

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) sagte der Zeitung, die Ermittlungen in Chemnitz müssten aufklären, inwieweit rechtsextreme Netzwerke hinter den Demonstrationen und ausländerfeindlichen Ausschreitungen stecken. "Wir dulden nicht, dass Rechtsradikale unsere Gesellschaft unterwandern."

Für Sonntag sind weitere Kundgebungen angekündigt. So ist für 15 Uhr auf dem Chemnitzer Neumarkt eine Versammlung unter dem Motto "Chemnitzer Bürger setzen ein demokratisches Zeichen gegen Gewalt und Fremdenhass" geplant. Angemeldet sind dazu laut Versammlungsbehörde 500 Teilnehmer. Außerdem lädt die evangelische Kirche ab 16 Uhr zu einer Kundgebung auf den Neumarkt ein.

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