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Mobile World Congress endet - 5G-Prototypen statt Serienreife

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Der Mobile World Congress in Barcelona geht zu Ende - was bleibt? Die ersten faltbaren Smartphones und vor allem Mobiltelefone, die den kommenden Mobilfunkstandard 5G unterstützen.

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Quelle: reuters

5G - Netzbetreiber wie Smartphonehersteller schmückten ihre Messestände mit diesem Kürzel. Voller Stolz präsentierten die Aussteller ihre vermeintlich innovativen Geräte, die Modems für den kommenden Mobilfunkstandard der 5. Generation eingebaut haben. Und Telekom-Chef Timotheus Höttges spricht im ZDF-Interview von einer "Revolution", von "intelligenten Systemen, die Informationen liefern, um uns das Leben auf unserer Erde leichter zu machen". Der Kontrast zur deutschen Realität könnte kaum größer sein: Für uns Deutsche ist das peinlich, denn wir haben 5G noch gar nicht; die Lizenzen sind noch nicht vergeben, Netzbetreiber und Bundesnetzagentur liefern sich Scharmützel über die Lizenzbedingungen, die vor Gericht ausgetragen werden. Ende offen.

5G-Ausbau andernorts viel weiter

Währenddessen startet 5G bereits in anderen Ländern. Die Mobilfunkbetreiber in der Schweiz haben kurz nach der Lizenzvergabe schon erste Angebote für ihre Kunden - in sehr bescheidenem Umfang, aber immerhin - und Nordamerika oder China drohen ebenfalls davonzuziehen. In Wahrheit ist das aber nicht zu erwarten. Diese Verzögerung sind sinnvoll, um die Lizenzbedingungen rechtlich zu klären. "Es geht darum, Milliardeninvestitionen zu mobilisieren und wir brauchen Sicherheit. Insofern ist es richtig, erst einmal Klarheit zu schaffen", sagte der Vorstand von Telefonica Deutschland (O2), Markus Haas, dem ZDF.

Funklochrepublik Deutschland

Die Mobilfunker ärgert, dass sie seit der ersten UMTS-Auktion im Jahr 2000 immer wieder viele Geld - die Rede ist von 60 Milliarden für Lizenzgebühren in den vergangenen 19 Jahren - allein für die Nutzung von Frequenzen ausgeben mussten. Sie würden eine Lizenzvergabe ohne milliardenteure Gebühren bevorzugen und sich dann zu weiteren Investitionen ins Netz verpflichten. Zudem hat die Bundesnetzagentur harte Auflagen an die Netzbetreiber gestellt, die eine 5G-Lizenz erwerben wollen. Sie müssen die Mobilfunknetze erheblich ausbauen, Funklöcher deutlich reduzieren und zudem mit neuen Anbietern über die Nutzung ihrer Netze verhandeln. Der Telekom-Chef und sein Telefonica-Kollege lehnen das ab.

In der Tat sollte die Politik sich überlegen, ob sie tatsächlich auf Milliarden Euro Lizenzgebühren besteht oder die Priorität nicht besser im Ausbau der Netze sieht und auf dieses Geld verzichtet. Wer auf dem Land lebt oder als Pendler auf stabile Netze entlang der Bahnstrecken hofft, kann ein Lied davon singen, wie dürftig die Versorgung auch heute vielerorts noch ist. Hier müssen die Netzbetreiber ihre Hausaufgaben machen und zuerst die bestehenden Netze auf ein zeitgemäßes Niveau ohne große Lücken heben. In Barcelona haben Telekom, Telefonica und Co. dies zugesagt. Auch ihnen ist die ständige Diskussion um die Funklochrepublik Deutschland peinlich.

Wie geht es weiter?

Die Lizenzen dürften trotz des juristischen Streits wie geplant bald vergeben werden, dann wollen die Netzbetreiber schnell mit dem 5G-Ausbau starten. Anwendungen in der Industrie, Logistik und im Verkehr werden bereits erprobt. Privatkunden können erstmals in Städten wie Berlin, Hamburg, Hannover und München 5G erleben, denn hier ist der Bedarf an stabilen, schnellen und leistungsfähigen Netzen am größten. Das dürfte allerdings nicht mehr dieses Jahr geschehen.

Sven-Hendrik Hahn über den neuen Mobilfunkstandard

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Insofern haben die Smartphones mit 5G, die in Barcelona gezeigt wurden, zunächst keine Relevanz für deutsche Kunden. Das muss aber gar nicht schlecht sein: Diese ersten Modelle sind sehr teuer, sie kosten in der Regel über 1.000 Euro, und sie machten bei unseren Tests doch eher den Eindruck von Prototypen: Entweder wurden Demos gezeigt oder ein Manager musste persönlich die Funktionen vorführen. Auch sind bislang kaum Funktionen zu sehen, die den Geschwindigkeitsschub auf einem Smartphone ausnutzen. Insofern ist es gut, dass noch Zeit ins Land geht und wir 2020 erstmals ernsthaft über ein Smartphone mit 5G nachdenken müssen - wenn überhaupt, denn 5G wird eine Technik werden, die erst in einigen Jahren ihre ganzen Stärken ausspielt.

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