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Bitkom-Chef zu 5G - "Diskussion wurde politisch überfrachtet"

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Bernhard Rohleder, Geschäftsführer des IT-Branchenverbandes Bitkom, spricht über die Chancen und Probleme des 5G-Ausbaus. Ab heute werden die Mobilfunk-Lizenzen in Mainz versteigert.

Rund um den neuen Mobilfunkstandard 5G seien im Vorfeld Erwartungen geweckt worden, die sich nicht erfüllen lassen, sagt Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des IT-Branchenverbands "Bitkom".

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ZDF: Herr Rohleder, was sind die Chancen von 5G? Die Kanzlerin würde sagen: "Das ist alternativlos!" Ist es wirklich alternativlos?

Bernhard Rohleder: Nun, zum Telefonieren brauchen wir 5G nicht. Aber wir brauchen 5G, um zum Beispiel autonomes Fahren zu ermöglichen oder um unsere Betriebe, die Fabriken, möglicherweise auch die Bauernhöfe, digital fit zu machen. Um Krankenhäuser digital zu vernetzen. Dort ist 5G tatsächlich alternativlos.

ZDF: Jetzt werden ab heute die Lizenzen versteigert. Damit sind Sie nicht ganz zufrieden. Was ärgert Sie dabei?

Rohleder: Nun, die Diskussion derzeit wurde politisch überfrachtet. Und es wurden Erwartungen, Hoffnungen geweckt in der Bevölkerung, dass jetzt mit 5G zum Beispiel die Funklöcher gestopft werden, die einfach mit den Frequenzen, die zur Verfügung gestellt werden, nicht erfüllbar sind. Und es gibt ganz viele unbekannte Variablen, unbekannte Faktoren in diesem Verfahren. Und die Netzbetreiber müssen zweistellige Milliardenbeträge investieren und wollen natürlich auch wissen, ob sie das Geld zurückverdienen können. Und das wissen sie derzeit nicht.

ZDF: Aber in anderen Ländern hat es doch auch geklappt mit der flächendeckenden Abdeckung: Also Skandinavien zum Beispiel, da geht es ja weit über 90 Prozent. Jetzt ist von 98 Prozent die Rede. Ist das überhaupt erreichbar?

Rohleder: Wir können 98 Prozent erreichen und wir werden 98 Prozent auch bis Ende 2020 bereits erreichen. Aber nicht mit den Frequenzen, um die es jetzt geht. Sondern mit Frequenzen, die die Netzbetreiber bereits zur Verfügung haben und die sie nutzen werden, um 98 Prozent der Haushalte mit 100 MegaBit pro Sekunde zu versorgen.

ZDF: Wir haben jetzt schon gut 70.000 bis 80.000 Sendemasten. Da gibt es Leute, die sagen, wir brauchen 800.000, um die Flächendeckung aufzubauen. Ist das so?

Rohleder: Ja, wenn wir die Frequenzen, die wir jetzt versteigern, nutzen, dann brauchen wir tatsächlich 800.000 Sendemasten, um die Abdeckung zu erreichen. Die wir aber heute schon haben. Das heißt, die jetzt verfügbaren Frequenzen sind gänzlich ungeeignet, um Flächendeckung zu erzeugen. Dafür brauchen wir niedrigere Frequenzen. Jetzt geht es vor allem um die Vernetzung auf den Straßen, auf den Bahntrassen und in den Fabriken.

ZDF: Stichwort Huawei: Das Unternehmen ist auch Mitglied in Ihrem Branchenverband. Da gibt es die Befürchtung, dass dieses Unternehmen Industriespionage durch die Hintertür machen könnte. Der chinesische Konzern ist ja der weltgrößte Telekom-Ausstatter. Teilen Sie diese Befürchtung?

Rohleder: Nun, das Unternehmen bemüht sich um Transparenz. Es ist Preis-Leistungs-führend mit einigen anderen Unternehmen weltweit. Es gibt überhaupt nur fünf Unternehmen, die solche Netze aufbauen können in der Welt. Und da müssen wir uns schon überlegen, ob wir zwei dieser Unternehmen, die aus China kommen, ausschließen wollen. Wir meinen: Es sollen alle mitmachen dürfen, die transparent sind und die Sicherheit garantieren. Und da müssen wir dafür sorgen, dass diese Netze in Deutschland auch möglichst schnell aufgebaut werden.

ZDF: Die US-Regierung macht da ja gerade gewaltig Druck in Richtung Westeuropa. Auch in Richtung Bundesregierung. Nach dem Motto: Wenn ihr 5G macht, dann lasst mal Huawei außen vor.

Rohleder: Ja, die Bundesregierung steht unter Druck seitens der USA und baut auch Druck auf. Man wird neue Auflagen hier entwickeln, die ein Höchstmaß an Sicherheit garantieren sollen. Das müssen sie auch. Und dann muss es aber auch einen freien Wettbewerb geben und darf es keine willkürliche Diskriminierung geben.

Das Interview führte Norbert Lehmann .

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