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Vorwurf der Pflichtverletzung - Bilfinger will Schadenersatz - auch von Koch

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Der Industriedienstleister Bilfinger will Schadenersatz von früheren Vorständen - unter anderem vom ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Koch. Es geht um eine Millionensumme.

Bilfinger-Logo
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Quelle: dpa

Es ist ein spektakulärer Schritt: Bilfinger verlangt von allen Vorständen der Jahre 2006 bis 2015 Schadenersatz. Das beschloss der Aufsichtsrat des kriselnden Unternehmens am Dienstag. Ihnen werden Pflichtverletzungen vorgeworfen, hieß es in einer Pflichtmitteilung an die Börse. Der Aufsichtsrat habe seine Entscheidung "als Ergebnis seiner im März 2016 eingeleiteten Untersuchung" getroffen. Die fraglichen Vorgänge fallen in die Amtszeit der Vorstandsvorsitzenden Herbert Bodner und Roland Koch.

"In welcher genauen Höhe Schadenersatzansprüche bestehen und inwieweit diese tatsächlich durchgesetzt werden können, steht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest", hieß es in der Bilfinger-Mitteilung weiter. Außerdem sei noch keine Entscheidung darüber getroffen worden, gegen welche Ex-Vorstände der SDax-Konzern in welcher Höhe Ansprüche geltend machen werde. "Was einzelne Forderungen angeht, sind wir noch in der Vorstufe", war dazu aus Unternehmenskreisen zu hören.

Ein Unternehmenssprecher schloss mögliche juristische Schritte nicht aus. "Die Gesellschaft strebt an, die Ansprüche in größtmöglichem Umfang umzusetzen", sagte er. Allerdings hänge das weitere Vorgehen von den Reaktionen der Betroffenen ab.

"Sehenden Auges in die Probleme"

"Der Verdacht liegt nahe, dass die kein System hatten und sehenden Auges in die Probleme reingegangen sind", hieß es mit Blick auf die Ex-Vorstände. In dem genannten Zeitraum waren insgesamt zwölf Manager als Vorstände für Bilfinger tätig.

Als Beispiele für das unterstellte Fehlverhalten wurden in den Kreisen etwa der Erwerb der Helmut Mauell GmbH im Jahr 2012 genannt oder auch Nigeria-Geschäfte des Konzerns. Konkret wirft der Konzern den früheren Managern "Pflichtverletzungen bei der Implementierung eines ordnungsgemäßen Compliance-Management-Systems" vor. Compliance bezeichnet Richtlinien für eine saubere Unternehmensführung. Zudem sollen einzelne Ex-Vorstände Verstöße "im Zusammenhang mit M&A-Projekten in der Vergangenheit" begangen haben. Als M&A (Mergers & Acquisitions) werden Fusionen und Zukäufe zusammengefasst.

Schaden von rund 100 Millionen Euro - Koch: keinerlei Schuld bewusst

Der frühere hessische Ministerpräsident Koch reagierte "mit Befremden" auf die Vorwürfe "gegen ganze Generationen von früheren Bilfinger-Vorständen". Er sei sich keinerlei Schuld bewusst. Das Unternehmen habe über dreieinhalb Jahre hinweg keinen einzigen konkreten Vorwurf erhoben, sagte ein Sprecher des CDU-Politikers. Von Bodner lag zunächst keine Stellungnahme vor.

Den verursachten Schaden bezifferte Bilfinger nach vorläufigen Berechnungen auf einen "niedrigen dreistelligen" Millionenbetrag. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur handelt es sich um rund 100 Millionen Euro. Wie die dpa erfuhr, will das Unternehmen die früheren Mitarbeiter zunächst außergerichtlich informieren und zur Zahlung auffordern.

Der amtierende Vorstand um Konzernchef Tom Blades will zudem nun untersuchen lassen, ob auch Aufsichtsratsmitglieder ihre Pflichten verletzt haben.

Seit 2014 mehreren Chefwechsel

Bilfinger steht seit 2014 unter Aufsicht durch das US-Justizministerium. Die inzwischen verkaufte Bilfinger-Tochter Julius Berger war bei einem Pipeline-Projekt in Nigeria in einen Korruptionsfall verwickelt, der erst 2010 aufgedeckt wurde. Das Unternehmen musste 2013 eine Strafe von 32 Millionen US-Dollar zahlen und eine Überwachung seines Compliance-Systems hinnehmen, das solche Fälle verhindern soll. Dazu kamen weitere Altfälle ans Licht, so dass die zunächst bis höchstens 2016 vorgesehene US-Aufsicht um zwei Jahre verlängert wurde.

Seit 2014 kam es bei dem Konzern zu mehreren Chefwechseln: Nach mehreren Gewinnwarnungen nahm zunächst der CDU-Politiker Koch seinen Hut. Er begründete dies auch mit Differenzen mit dem Aufsichtsrat. Auf ihn folgte als Interimschef sein Vorgänger Bodner. Der Norweger Per Utnegaard, der nicht von den Vorwürfen betroffen ist, blieb anschließend noch nicht einmal ein Jahr, bevor 2016 der frühere Linde-Manager Blades das Ruder übernahm.

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