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Prozess gegen Komiker - Bill Cosby wegen Missbrauch verurteilt

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Bill Cosby ist wegen schwerer sexueller Nötigung verurteilt worden. Die Jury befand den Komiker für schuldig, eine Frau unter Drogen gesetzt und missbraucht zu haben.

Bill Cosby am 26.04.2018 in Norristown
Bill Cosby Quelle: ap

Einst hat der Schauspieler in seiner Rolle als Familienvater in einer Fernsehsehserie Schranken zwischen Schwarzen und Weißen in Hollywood überwunden. Jetzt sitzt Bill Cosby mit stoischem Gesichtsausdruck auf der Anklagebank, während die Jury aus sieben Männern und fünf Frauen ihr Urteil vorträgt. Schuldig, in allen drei Anklagepunkten der schweren sexuellen Nötigung. Der US-Entertainer zeigt keine Reaktion. Doch als Staatsanwalt Kevin Steele dann auch noch fordert, dass Cosby nun direkt in Haft müsse, weil er doch sonst jederzeit mit seinem Privatflugzeug abhauen könne, bricht es plötzlich aus ihm heraus - zum ersten Mal während seiner gesamten Zeit vor Gericht. "Er hat kein Flugzeug, du Arschloch!", schreit Cosby.

Schwere Vorwürfe

Richter Steven O'Neill kann die Situation am Donnerstagnachmittag (Ortszeit) im Saal A des Gerichts rasch beruhigen. Cosby darf auf Basis der bestehenden Kaution von einer Million Dollar das Gerichtsgebäude in Norristown im US-Bundesstaat Pennsylvania verlassen und in sein nur wenige Kilometer entferntes Anwesen zurückkehren. Aber er ist nun ein verurteilter Mann. Die Jury sieht es als erwiesen an, dass er 2004 eine Universitätsangestellte Andrea C. mit Tabletten hilflos machte und begrapschte.

Cosby hatte gesagt, der sexuelle Kontakt sei einvernehmlich gewesen. Seine Verteidigung bezeichnete die Frau als Trickbetrügerin, die falsche Vorwürfe gegen Cosby erhoben habe, damit sie ihn verklagen könne.

Cosby bis Lebensende in Haft?

Rund 13 Stunden berieten die zwölf Geschworenen, bevor sie zu dem Urteil kamen. Ein erster Prozess war im vergangenen Jahr gescheitert, weil die Jury sich auch nach tagelangen Beratungen nicht hatte einigen können. Cosby muss nun seinen Pass abgeben und darf sein Anwesen nicht verlassen. Auf jeden der Anklagepunkte steht eine Höchststrafe von zehn Jahren. Der 80-Jährige könnte den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen.

Im Zuge einer außergerichtlichen Einigung hatte Cosby dem Opfer bereits vor zwölf Jahren 3,38 Millionen Dollar gezahlt. Es ist außerdem der zweite Prozess gegen Cosby in dem Fall, nachdem das erste Verfahren im Juni geplatzt war. Damals konnten sich die Geschworenen nicht auf ein Urteil einigen.

Sieg für #MeToo

Für den ehemaligen Vorzeige-Fernsehvater aus der weltweit erfolgreichen "Bill Cosby Show", der bis zuletzt auf einen Freispruch und die Fortsetzung seiner Karriere gehofft hatte, ist es ein tiefer Fall. Für die #MeToo-Bewegung gegen sexuelle Belästigung, die vor rund einem halben Jahr über sexuelle Übergriffe von Hollywood-Mogul Harvey Weinstein ins Rollen kam, ist es der erste richtig große Sieg - auch wenn das Verfahren schon vor Beginn der Bewegung begonnen hat. Der afroamerikanische Schauspieler wird von rund 60 Frauen beschuldigt, sie in früheren Jahrzehnten missbraucht zu haben. Die meisten Anschuldigungen sind aber verjährt.

"Endlich können wir sagen, dass Frauen geglaubt wird, nicht nur bei #MeToo, sondern auch vor Gericht", sagt Anwältin Gloria Allred. Sie vertritt auch die zahlreichen Frauen, die Cosby Ähnliches vorwerfen. "Ich bin so glücklich wie ich in 42 Jahren noch nie nach einer Gerichtsentscheidung war."

Dutzende Menschen haben sich vor dem Gericht versammelt und protestieren gegen Cosby, einige aber auch für ihn. "Vergewaltiger" schreien viele, als Cosby schließlich das Gericht verlässt. Fotos zeigen, wie er kurz die Hand mit dem Gehstock zum Gruß erhebt. "Heute sind wir endlich in der Lage, sagen zu können, dass es Gerechtigkeit gibt", sagt Staatsanwalt Kevin Steele, auf dessen Bestreben hin der Fall vor Gericht neu aufgerollt worden ist. "Wir haben gezeigt, dass Geld und Macht und wer du bist uns nicht davon abhalten, dich strafrechtlich zu verfolgen." Andrea C. steht neben ihm und hat Tränen in den Augen.

Eindeutig beendet scheint das lange juristische Gezerre um Cosbys Schicksal noch nicht. "Wir glauben nicht, dass Herr Cosby wegen irgendetwas schuldig ist. Der Kampf ist nicht beendet", sagte sein Anwalt Tom Mesereau. Er kündigte Revision an.

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