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Billie Eilish - Schräges Mädchen als Stimme einer Generation

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Billie Eilish ist ein Phänomen: schrill, laut, wild. Teenager liegen der US-Sängerin zu Füßen und eifern ihr nach - weltweit. Fürs ZDF gab Billie eines ihrer seltenen Interviews.

Billie Eilish
Bringt die Teenie-Massen zum Toben: Sängerin Billie Eilish
Quelle: ap

Ihre Musik: irgendwo zwischen Elekro und R'n’B. Ihre Attitüde: zwischen Rapper und dem Weltbewusstsein von Greta Thunberg. Wo die erst 17-jährige kalifornische Sängerin Billie Eilish auftritt, rasten Teenager weltweit aus. Eilish ist der derzeit größte Popstar ihrer Generation. Ihr Instagram-Account zählt an die 38 Millionen Follower. Tendenz steigend. Ihr Debütalbum "When we all fall asleep, where do we go", das sie erst diesen März veröffentlichte, wurde innerhalb einer Woche 14 Millionen Mal via Spotify gestreamt. Ganz abgesehen von ihren Videoclips, die milliardenfach angesehen wurden. Wir trafen sie zum europaweit einzigen TV-Interview in Berlin.

Billies Mutter ist immer dabei

Sie sitzt in einem kleinen dunklen Backstageraum in der "Artistic Area" des Lollapalooza-Festivals im Berliner Olympiapark. "Mann, ist das heiß hier", sagt Billie. Sie kommt zu unserem Interview mit geschientem Bein. Sie hat sich den rechten Knöchel gebrochen bei einem ihrer letzten Auftritte. Trotzdem will sie gleich noch einmal auftreten. Und auf der Bühne hüpfen wie ein "fucking kangaroo", wie sie sagt. Ihre Mutter sitzt auf einem Stuhl hinter uns. Sie hat die Tochter während unseres Interviews ständig im Blick.

Billie trägt eine tief sitzende Oversize-Jogginghose, blaue Nike-Sneaker, eine dicke blaue Oversize-Weste und eine blaue Sonnenbrille. Sie ist gut drauf und legt gleich los. "Mach dies nicht, mach jenes nicht - oh, wie mich das nervt! Mein ganzer Körper, meine Instinkte sind immer noch so, dass ich innerlich denke: Gib nichts über dich preis!"

So sei sie groß geworden. Und doch könne sie nicht den Mund halten. Unvermittelt geht es um den Umweltschutz: Der Grund warum Bäume gefällt würden und der Regenwald brenne sei doch der, dass man mehr Platz für die Rinder brauche. "Aber wenn ihr selbst Rindfleisch esst, dann hört auf euch zu beklagen und postet nicht immer, wie schlimm es ist, dass der Regenwald brennt. Klar, was ich meine?"

Aufgewachsen mit Musik

Billie Eilish sagt, was sie denkt. Dafür lieben sie ihre Fans. Die meisten sind noch minderjährig. Viele kommen mit den Eltern zum Festival. Und die Teenager, die sich natürlich in die ersten Reihen vorgearbeitet haben, schreien jede Zeile ihrer Texte kollektiv mit.

"Ich weiß gar nicht, wie das wäre, ohne Musik aufzuwachsen", erzählt Billie weiter. Sie habe ja schon immer gesungen, sie kenne das nicht anders. Die Leute müssten ihr schon den Mund verbieten, damit sie aufhöre zu singen. "Und in unserer Familie war das ein ungeschriebenes Gesetz: So lange du Musik machst, musst du nicht ins Bett gehen."

Ja, sie ist wütend über den brennenden Regenwald. Und aus ihrer Wut, ihrer Zerrissenheit mit dem Erwachsenwerden erwächst diese Musik, die in keine Schublade passt. Die aber der Generation Z so sehr aus dem Herzen spricht.

Zwischen Alptraum und Erderwärmung

Vor wenigen Tagen hat sie ihr neuestes Video ins Netz gestellt. "All the good girls go to hell" - "Alle guten Mädchen kommen in die Hölle" - bislang 42 Millionen Mal angeklickt. Brachiale Horrorszenarien, destruktiv aufgeladen. Perfekt kontrovers. "Von der Ästhetik schon sehr interessant", findet Musikkritiker Jens Balzer. Wie sie "bei all diesen Zitaten […] auf einer so fast alltäglichen Ebene mit Alpträumen umgeht".

Witzig findet Billie solche Interpretationen ihrer Videos: "Schaut genau hin. Das ist meine Botschaft. Wer das tut, sieht, dass es sich in dem Video um den Klimawandel dreht." Es geht ihr darum, dass die Menschen ihr Leben selbst zerstören. "Oh mein Gott. Wirklich: Als mein Bruder und ich diesen Song schrieben, dachten wir dabei wirklich an die Erderwärmung."

Tatsächlich, so erzählt sie, schreibt sie immer noch zuhause mit ihrem Bruder Finneas all ihre Songs. Auch wenn sie mittlerweile einen Plattenvertrag beim größten Musiklabel hat. Billie Eilish hebt nicht ab, sie lebt ganz für ihre Musik - auch mit gebrochenem Knöchel. Und auch um 2 uhr nachts. "Die Kreativität kommt, wenn sie kommt."

Ein Noch-Teenager: verspielt, melancholisch, boshaft

Billie Eilish wirkt ziemlich geerdet für jemanden der so jung so berühmt ist.  Kann jemand wie sie eigentlich noch Freunde haben? "Ach ich hab keine Freunde. Vielleicht zwei oder drei. Wenn ich sie treffe, was so gut wie nie ist, dann reden wir ja, aber meistens lachen wir sehr viel." Ihre Freunde seien da, wo sie ist. Irgendwie immer bei ihr.

Es war der letzte Auftritt von Billie Eilish in Europa. Vorerst. Wegen ihrer Verletzung. Jetzt muss sie sich erst einmal erholen von der großen Tour. Und durchatmen. Denn am 18. Dezember wird sie 18. Will sie überhaupt erwachsen werden? "Das wird bestimmt enttäuschend. Wie alles, was ich mache, mich irgendwann enttäuscht. Weil 18 immer DAS Alter war – endlich 18…!"

Billie Eilish kann alles sein - verspielt, melancholisch, boshaft. Eben ein Noch-Teenager. Aber eine, die eine große Stimme hat. Am nächsten Album bastelt sie schon. Klar.

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