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Öko-Diesel in der Krise - Billig-Biosprit macht Branche zu schaffen

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Europas Biodiesel-Markt steckt tief in der Krise. Schuld sind Billig-Importe aus Argentinien und Indonesien. Auch deutsche Ölmühlen mussten bereits die Produktion drosseln.

Biodiesel (Symbolfoto)
Biodiesel (Symbolfoto)

Zurzeit blühen sie gerade: Strahlend gelbe Rapsfelder. Auf mehr als einer Million Hektar Anbaufläche wächst die Nutzpflanze in Deutschland. Nächstes Jahr könnten es spürbar weniger sein. Denn der Rapsölpreis sinkt stetig - seit Oktober um mehr als zehn Prozent. Auch wenn Raps sonst gerne zu Speiseöl verarbeitet wird: Der Löwenanteil, nämlich etwa zwei Drittel,  geht in die Biodiesel-Produktion. Die aktuelle Krise auf dem Markt hat daher längst auch die Bauern erreicht.

"Es geht um eine weitverzweigte Branche", warnt Elmar Baumann vom Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB). "Wenn die deutsche Biodieselindustrie in die Knie geht, bedeutet das auch massive Verluste für Ölmühlen und Landwirte in ganz Deutschland." Mehrere deutsche Biodieselwerke hätten bereits ihre Produktion deutlich gedrosselt.  

Anlage steht oft still

Die Ölmühle der Firma Bunge in Mannheim ist eine davon. Mehr als eine Million Tonnen Raps verarbeitet sie im Jahr. Doch während die Produktion von technischen Ölen und Lebensmittelölen auf Hochtouren läuft, stand die Biodiesel-Anlage im April für die Hälfte der Zeit still. "Das liegt am Preis und an der Schwemme", erklärt Andreas Vogt von Bunge. Am Verkauf von Biodiesel sei nichts mehr zu verdienen. Nur noch an Nebenprodukten wie dem Schrot, der als Futtermittel verkauft wird. Derzeit verlassen am Tag zwei bis vier Biodiesel-Tanklaster die Mühle, vor der Krise waren es noch bis zu zehn. Ähnlich sieht es bei Natural Energy West (NEW) in Marl aus. Die Produktion werde nur aufrechterhalten, um bestehende Lieferverträge zu bedienen, so NEW.

Mit "Schwemme" meint Vogt die massiv angestiegenen Importe von Biodiesel aus Indonesien und Argentinien. Vor allem Buenos Aires unterstützt die heimische Biodiesel-Produktion massiv, indem es den Export des Rohstoffs Soja hoch besteuert, den von fertigem Biodiesel aber kaum. Das Ergebnis: Für argentinische Biodiesel-Hersteller ist Soja im Einkauf billig, der Export des fertigen Kraftstoffs lohnt sich dagegen umso mehr. Indonesien macht es mit Palmöl als Rohstoff genauso.

Tonnenweise Billig-Biodiesel

"Das ist eine massive Marktverzerrung", sagt Baumann. Von August bis Januar flossen so rund 850.000 Tonnen Billig-Biodiesel auf den EU-Markt. Mit mindestens drei Millionen Tonnen rechnet Baumann für 2018. "Bei einer europäischen Produktion von rund zwölf Millionen Tonnen im Jahr 2017 bedeutet dies, dass ein Viertel des Marktes durch unfairen Handel verloren geht", so Baumann. Und das zu Preisen, mit denen die europäischen Hersteller nicht konkurrieren können. Bei einer Schiffsladung aus Argentinien und Indonesien spare der Käufer im Vergleich mehr als zwei Millionen Dollar.

Geschuldet ist die aktuelle Krise auch einem ziemlich schlechten Timing: Nach einer Klage bei der Welthandelsorganisation WTO musste die EU im letzten Herbst bestehende Schutzzölle gegen die beiden Länder unter anderem wegen Fehlern in der Berechnung drastisch reduzieren. Gleichzeitig verhängten dagegen die USA hohe Schutzzölle, woraufhin sich Argentinien und Indonesien nun fast ausschließlich auf den europäischen Markt konzentrieren. Zwar läuft bei der EU bereits ein neues Verfahren. Bis es aber neue Schutzmaßnahmen gibt, kann es noch Monate dauern. Ob sie dann reichen werden und unanfechtbar sind, steht außerdem in den Sternen. "Wir müssen damit rechnen, dass Unternehmen pleitegehen", so Baumann.

Verheerende Öko-Bilanz

Seit 2010 mischen die Mineralölkonzerne herkömmlichem Diesel bis zu sieben Prozent Biodiesel bei. In Europa wird es fast ausschließlich aus Raps gewonnen. Dass durch Importe auch Palmöl in den Tanks europäischer Autos landet, ist Umweltschützern schon länger ein Dorn im Auge. "Der Ölpalmenanbau hat fatale Folgen für Klima- und Ökosysteme, denn er treibt die Abholzung von Wäldern und die Moorzerstörung in Südostasien und Südamerika massiv voran", so NABU-Sprecherin Kathrin Klinkusch. Die Ökobilanz sei verheerend.

Der NABU, der grundsätzlich eine Abkehr von der Biodiesel-Produktion aus Anbaupflanzen fordert, schlägt deshalb Mindestkriterien vor: Biokraftstoffe sollten gegenüber fossilen Kraftstoffen mindestens 50 Prozent der Treibhausgase einsparen müssen. Dumping-Biodiesel aus Argentinien und Indonesien würde dabei wohl durchfallen.

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