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Easyjet startet in Berlin Tegel - Abflug in neue Preiszeiten

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Ab heute startet von Berlin Tegel aus der britische Billigflieger Easyjet zu innerdeutschen Flügen. Die neue Konkurrenz lässt die Flugpreise sinken.

Auch Easyjet will von der Air-Berlin-Pleite profitieren.
Auch Easyjet will von der Air-Berlin-Pleite profitieren. Quelle: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Mit dem Berliner Start von Easyjet steigt die Konkurrenz auf dem deutschen Markt für Flugreisen wieder etwas. Nach der Pleite von Air Berlin waren die Preise für Flugtickets zum Teil dramatisch gestiegen. Nun zeichnet sich Entspannung ab – so das Ergebnis einer Studie zu Flugpreisen im Januar.

Tegel - Lückenbüßer seit 2012

Wer zum ersten Mal von Berlin-Tegel fliegt, dürfte staunen: Vergleichsweise kleine Gebäude, ungewöhnlich kurze Wege, viel zu viele Menschen auf viel zu engem Raum. Kurz: Nichts, was an den Flughafen einer europäischen Millionenmetropole auch nur entfernt erinnert. Kein Wunder – denn der Flughafen läuft seit Jahren schon über seiner Belastungsgrenze. Eigentlich hätte Tegel bereits im Jahr 2012 dicht machen sollen – dem Jahr, in dem die Dauerbaustelle Flughafen BER ihren Flugbetrieb hätte aufnehmen sollen.

Ab September des vergangenen Jahres minderte sich der Passagierdruck in Tegel etwas. Mit der Pleite von Air Berlin blieben deren Maschinen am Boden, die Passagierzahlen verringerten sich. Das könnte sich nun wieder ändern. Denn ab Freitag werden bestimmte Flüge der insolventen Air Berlin durch den britischen Billigflieger Easyjet durchgeführt, die Air-Berlin-Slots werden also zum Teil wieder genutzt. Easyjet hatte im Zuge der Air-Berlin-Pleite 25 Flugzeuge aufgekauft – und einige der begehrten Slots dazu.

Schachern um Start- und Landerechte

Diese Start- und Landerechte sind deswegen heiß begehrt unter Fluglinien, weil deren Anzahl begrenzt ist. Aus diesem Grund übrigens hatte die Lufthansa bei der Übernahme anderer Teile von Air Berlin auf Slots unter anderem am Düsseldorfer Flughafen verzichtet; so war die Lufthansa möglichen Bedenken der EU-Wettbewerbshüter entgegen gekommen.

Jedenfalls dürfte nach der Pleite von Air Berlin mit Easyjet wieder etwas mehr Konkurrenz auf den innerdeutschen Flugmarkt kommen. So rechnet man bei Easyjet damit, dass mehr Wettbewerb und niedrigere Tarife auf innerdeutschen Strecken kommen werden. Die Ticketpreise für Flugreisen innerhalb des Landes könnten also bald wieder fallen. Das sieht auch Guido Hoymann so, Branchenanalyst aus dem privaten Bankhaus Metzler. "Billigflieger wie Easyjet werden vor allem am Anfang gute Angebote machen. Und sie können das auch, weil sie geringere Kosten haben als etwa die Konkurrentin Lufthansa."

Kartellamt hat Lufthansa im Blick

Der Start von Easyjet in Berlin könnte also eine gute Nachricht für Verbraucher sein. Denn nach der Pleite von Air Berlin waren die Preise auf innerdeutschen Flügen zum Teil förmlich explodiert. Eine ungute Kombination aus verkleinertem Angebot und höherer Nachfrage trieb sie in die Höhe. Die Lufthansa wurde deswegen scharf kritisiert; derzeit untersucht das Bundeskartellamt einen möglichen Marktmissbrauch.

Die Lufthansa wiederum wies die Vorwürfe zurück. Sie habe an ihrer Preispolitik nach der Air-Berlin-Pleite nichts verändert. Allerdings ist bekannt, dass bestimmte Computeralgorithmen sich im Preissystem automatisch anpassen, wenn sich das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage ändert.

Easyjet-Start - ein "Glücksfall für Reisende"

Zu Beginn des Jahres jedenfalls scheint sich die Lage wieder normalisiert zu haben. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Online-Verbraucherforum Mydealz durchgeführt hat. Demnach haben sich die Ticketpreise im Januar wieder normalisiert: Im Vergleich zum Oktober sind die Preise auf 33 von 50 getesteten Mittelstreckenflügen zum Teil deutlich gesunken, und zwar auf das Niveau vor der Pleite von Air Berlin. "Der Markteintritt von Easyjet und der mit ihm wieder erstarkende Wettbewerb erweisen sich so als Glücksfall für Reisende", heißt es in der Studie. Die Chancen stehen gut, dass das in den kommenden Monaten so bleiben wird. Denn mit Easyjet – und demnächst vielleicht auch dem spanischen Billigflieger Vueling, wird es wieder mehr Konkurrenten geben, die das Geschehen am deutschen Flugmarkt und damit die Ticketpreise prägen.

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