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Bioladen oder Discounter - Kauf von Bioprodukten: Überzeugung oder Alibi

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Immer mehr Deutsche kaufen Bio. Das haben auch die Discounter für sich entdeckt. Aber passen die Prinzipien des "best price" und des fairen, regionalen Anbaus wirklich zusammen?

Bio-Zitronen
Bio-Zitronen
Quelle: Daniel Karmann/dpa

Die Discounter haben auf die steigende Nachfrage der Deutschen nach Bio-Produkten reagiert und bieten seit einiger Zeit vereinzelt Bio in ihrem Sortiment an. Seit Herbst hat Lidl sein Angebot auf Bioland-Qualität umgestellt und verkauft Lebensmittel mit dem strengen Siegel des Anbauverbands, das über die EU-Kriterien für den ökologischen Landbau hinausgeht. Aber verträgt sich die Niedrigpreis-Strategie der Discounter mit den Bio-Idealen von einer nachhaltigen, umweltschonenden Produktion? Je nachdem wen man fragt, fallen die Antworten ganz unterschiedlich aus:

Mit größeren Mengen sinkt auch der Preis

Der Verkauf von Bio-Waren als Massenprodukt wird von manchem Branchenvertreter durchaus gerne gesehen. Der ökologische Landbau dürfe nicht als ein Nischenprojekt begriffen werden. "Wir müssen in die Breite gehen, wenn wir das bewirken wollen, wofür wir angetreten sind", sagt der Vorsitzende des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft, (BÖLW) Felix Prinz zu Löwenstein. Immer mehr Bauern stellten auf Ökolandbau um. Wenn im Handel mehr Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln entstehe, sei das positiv.

Durch größere Produktionsmengen sänken dann auch die Preise. Eine Bedrohung für den klassischen Naturkosthandel sieht er nicht. Die Naturkosthändler böten dem Kunden eine größere Produktauswahl und eine bessere Beratung.

Bio ist nicht billig

Die Chefin des Bundesverbands Naturkost Naturwaren (BNN), Elke Röder, sieht den Verkauf von Bioprodukten bei Discountern eher kritisch. "Die Discounter haben zur heutigen schwierigen Situation der Landwirte beigetragen." Sie hätten die Preise für Lebensmittel immer weiter gedrückt und die Menschen über 20 Jahre zum preisgetriebenen Kunden erzogen. Der Discounterkunde achte nicht auf Regionalität oder fair angebaute Lebensmittel. "Die Idee von ökologischem Anbau passt nicht zum Prinzip, Produkte zu versilbern. Bio ist nicht billig!"

Bio-Läden bieten mehr

Jeder Bio-Laden habe dagegen sein individuelles Profil. Es gebe eine Auswahl unterschiedlicher Bio-Produkte sowie regionale Bio-Spezialitäten, konsequente Naturkosmetik und wahrhaftig ökologische Reinigungsmittel. Auch in Sachen Verpackungsvermeidung, saisonalen Angeboten und fundierter Beratung gebe es im Bioladen ein ganz anderes Engagement. "Im Fachhandel treffen sich anspruchsvolle Menschen, denen es wichtig ist, für den Schutz von Umwelt und Klima und für eine gerechtere Verteilung auf der Welt einzutreten", bekräftigt Röder.

Bioladen: Weinflaschen unterschiedlicher Größe
Bioladen: Weinflaschen unterschiedlicher Größe
Quelle: imago

Langfristig wünscht sie sich eine Ausweitung der Bio-Anbauflächen auf 100 Prozent. Die effektivste Maßnahme dazu sei, den Bauern bessere Preise zu zahlen, damit sie investieren könnten. Aber das Bewusstsein, die Wertschätzung und der Lebensstil der Verbraucher müssten sich verändern. Es gibt zwar eine wachsende Zahl von Menschen, die Bio-Produkte kaufen, doch die Zahl wachse viel zu langsam. "Unsere Hoffnung sind die heute elf bis 15-Jährigen, die für das Klima demonstrieren."

Der Lebensmittel-Blogger Peer Schader sieht das Mitmischen von Discountern beim Bio-Trend als Herausforderung für die reinen Bio-Märkte: "Es ist ein deutliches Signal an den Bio-Fachhandel, endlich die Scheuklappen abzulegen." Noch könnten die Biomärkte mit einer größeren Auswahl punkten.

Umsätze des Naturkosthandels steigen

Die Zahl der Deutschen, die immer mehr Bio-Produkte kaufen, steigt tatsächlich. Der BNN meldet für das vergangene Jahr im Naturkost-Einzelhandel einen Branchenumsatz von insgesamt 3,46 Milliarden Euro - ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von 5,2 Prozent. Im Naturkost-Großhandel fiel die Umsatzsteigerung mit 5,54% noch etwas höher aus. Ähnlich gewachsen sein dürfte das Geschäft von Deutschlands Ökolandbau-Betrieben. Sie erwirtschafteten nach Angaben des BÖLW im Jahr 2017 erstmals mehr als zehn Milliarden Euro. "Immer mehr Kunden entscheiden sich an der Ladenkasse für immer mehr Bio", bilanziert der Verband.

Mehr Männer sind Biomuffel

Mehr als drei Viertel der Menschen in Deutschland kaufen Bio: 50 Prozent gelegentlich, 25 Prozent häufig und drei Prozent ausschließlich, wie aus dem Ökobarometer 2018 im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung hervorgeht, über das die Zeitungen der Funke Mediengruppe berichteten. Das ist ein leichter Anstieg im Vergleich zu 2017. Laut der infas-Studie, für die rund 1.000 Teilnehmer befragt wurden, planen mehr Menschen, in Zukunft Bio-Lebensmittel zu kaufen.

Männer sind der Erhebung zufolge im Vergleich zu Frauen eher Bio-Muffel. 29 Prozent der Männer kaufen nie Bio-Lebensmittel, bei den Frauen sind es nur 16 Prozent. 30 Prozent der Frauen entscheiden sich häufig für Bio, 52 Prozent gelegentlich. Sie sind auch eher bereit, in Restaurants einen höheren Preis für ein Gericht mit nachhaltigen Zutaten zu zahlen, wie es hieß: 42 Prozent der Frauen würden ein Bio-Gericht trotz eines höheren Preises bewusst bestellen, bei den Männern sind es nur 35.

Otto-Normal-Verbraucher kauft Bio-Eier, -Obst und -Gemüse

Bei den Lebensmitteln sind vor allem Eier aus nachhaltiger Produktion beliebt - 68 Prozent der Deutschen kaufen sie laut Studie ausschließlich oder häufig. Ähnlich hoch sind die Werte bei Gemüse und Obst, danach folgen Milchprodukte, Kartoffeln, Fleisch und Wurst. Kaum nachgefragt sind alkoholische Getränke aus ökologischer Produktion - nur sechs Prozent entscheiden sich ausschließlich oder häufig dafür.

Mit Material von dpa und EPD.

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