Sie sind hier:

Zum Wohl der Bienen - Neonikotinoide unter Verdacht

Datum:

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland für knapp 1,3 Mrd. Euro Pestizide verkauft. Einige, wie die Neonikotinoide, stehen unter Verdacht, massiv zum Insektensterben beizutragen.

Sie können zur Rettung der Bienen beitragen: Fadenwürmer greifen ohne Nebenwirkungen nur die Schädlinge an, für die sie bestimmt sind. Der Verzicht auf giftige Insektizide wäre möglich.

Beitragslänge:
28 min
Datum:

Im Labor von Jean-Marc Bonmatin. Der Toxikologe hält mit einer Pinzette kleine rote Kügelchen hoch. Es sind mit einem Neonikotinoid ummantelte Maiskörner. Seit über 20 Jahren befasst sich der Toxikologe des nationalen französischen Forschungsinstituts (CNRS) intensiv mit Neonikotinoiden und deren Wirkung auf das Nervensystem von Insekten. Vor allem, weil sich die Meldungen über mysteriöse Bienenverluste seit 1992 häuften – dem Jahr, in dem der Bayer-Konzern diese speziellen Pflanzenschutzmittel auf den europäischen Markt gebracht hat.

Französische Imker machen mobil

Die französischen Imker, deren Bienen plötzlich auch in Sonnenblumenfeldern verendet waren, zwangen das Pariser Landwirtschaftsministerium dazu, eine Studie in Auftrag zu geben. Unter Verdacht waren die neuartigen Bayer-Neonikotinoide. Bonmatin und seine Kollegen sollten für einen Teil der Studie die Laboranalysen machen. Alsbald mussten sie aber feststellen, dass der Bayer-Konzern einen enormen Einfluss auf die Gestaltung der Studie hatte. "Ich glaube, es ist absolut nicht normal, dass ein Unternehmen, über dessen Produkte ja letztlich entschieden werden muss, am Studiendesign bis ins Detail beteiligt ist, auch an der Finanzierung und sogar an den finalen Ergebnissen", sagt Bonmatin heute. Das Resultat war ganz im Sinne des Herstellers. Eine Verantwortung der Neonikotinoide für das Bienensterben konnte nicht nachgewiesen werden.

Aber Jean-Marc Bonmatin und die Imker gaben sich damit nicht zufrieden. Sie unternahmen nun eigene Studien und der Toxikologe wies nach, dass die Neonikotinoide überall dort sind, wo Bienen Nektar und Pollen sammelten. Mittlerweile sind Bonmatin und viele andere unabhängige Wissenschaftler der Überzeugung, dass die Neonikotinoide nicht nur auf Schädlinge wirken, sondern auch auf viele andere Lebewesen in den Ökosystemen. Die Mittel wirkten nicht nur akut, sondern offenbar auch schleichend, blockierten nach und nach die Signalübertragung in den Nervenzellen. Dies könne zu einem Versagen des Immun - oder des Navigationssystems z.B. der Bienen führen, so Bonmatin.

Deutschland bremst

Bereits im Jahr 1999 wurde zum Schutz der Bienen in Frankreich weltweit das erste Neonikotinoid für die Anwendung in Sonnenblumen verboten. Erst 2018 wurden EU-weit drei von fünf weiteren Neonikotinoiden verboten. Auch heute ist man bei Bayer "... unverändert der Überzeugung, dass (…) die Anwendung von Neonikotinoiden sicher für Mensch und Umwelt ist, wenn sie verantwortungsvoll und entsprechend der Gebrauchsanweisungen eingesetzt werden".

Merkwürdigerweise haben auch die deutschen Zulassungsbehörden nicht schon früh auf die französischen Erkenntnisse reagiert. Denn die wissenschaftlichen Arbeiten, die immer mehr Gefahren durch Neonikotinoide dokumentierten, häuften sich mit den Jahren. Obwohl die europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) 1.500 Studien ausgewertet hatte, auf deren Basis im letzten Jahr das Neonikotinoide-Verbot erlassen wurde, zweifelt die oberste deutsche Zulassungsbehörde, das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), die Gefahren der Insektizide weiter an.

Zumindest in Frankreich haben Bayers Neonikotinoide ab 2020 keine Chance mehr. Die französische Nationalversammlung beschloss ein Totalverbot im Freiland. Doch es besteht weiterhin Handlungsbedarf: Eine Verschärfung der EU-Zulassungsrichtlinien ist dringend erforderlich, um von vornherein neue, ähnliche Wirkstoffe wie die Neonikotinoide zu verhindert. Das wäre dann zum Wohl nicht nur der Bienen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.