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Fachmesse "Pest Protect" - Biozide sichern Lebensmittelproduktion

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Schädlingsbekämpfung gehört inzwischen ganz selbstverständlich zum Alltag der Lebensmittelindustrie. Doch diese sogenannten Biozide gelangen ungewollt in die Umwelt.

Schädlingsbekämpfung aufgrund des Zika-Virus, aufgenommen am 17.02.2016 in Soel (Südkorea)
Schädlingsbekämpfung.
Quelle: dpa

Der Fipronil-Skandal ist vielen europäischen Verbrauchern noch in Erinnerung: Um Hühner vor gefährlichen Milben zu schützen, setzen niederländische Eierproduzenten in ihren Groß-Ställen das Insektizid Fipronil ein. Die auf diese Weise belasteten Eier gelangten auch in deutsche Supermarktregale und führten Ende 2017 zu einem erneuten Lebensmittel-Skandal. Regelmäßig stattfindende Laboranalysen belegten allerdings: Das Schädlingsbekämpfungsmittel war sowohl in Hühnereiern als auch in vielen Ei-Produkten nachzuweisen. Es folgten großangelegte Rückrufaktionen von Millionen Eiern sowie Lebensmitteln. Eine akute Gesundheitsgefahr für die Verbraucher bestand nach Behördenangaben zwar nicht. Dennoch sind viele Verbraucher nach wie vor verunsichert. Und Öko-Landwirtschaftsverbände ebenso wie Verbraucherschutzorganisationen beklagen: Bislang ist zu wenig über Einsatz und Auswirkungen von Schädlingsbekämpfungsmitteln in der Nutztierhaltung sowie der anschließenden Lebensmittelherstellung bekannt.

Wie notwendig sind Schädlingsbekämpfungsmittel?

Die Notwendigkeit der Transparenz wird auch die Experten der internationalen Fachmesse PEST PROTECT in den nächsten beiden Tagen in Bremen beschäftigen. Daneben werden während der zweitägigen Veranstaltung auch die Vorteile und Risiken von Schädlingsbekämpfungsmitteln erörtert.

Alle zwei Jahre findet dieser Fachaustausch auf hohem Niveau statt und von außen betrachtet scheint es so, dass der Fipronil-Skandal vom Sommer 2017 ausschlaggebend für das Motto der aktuellen Veranstaltung ist. Denn im Mittelpunkt steht die Diskussion: Wie notwendig und sicher ist der Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln im Produktionsprozess unserer Nahrung.

23 Arten von Schädlingsbekämpfungsmitteln

Unbestritten ist: Pilze, Insekten und Nager können Unternehmen große Schäden und Kosten verursachen, am Ende deren Reputation schädigen, zu Gerichtsverfahren oder, im schlimmsten Fall, sogar zur Schließung des Betriebs führen. Gewinnmaximierung und Sicherung der Massenproduktion, dazu die Einhaltung der hygienischen Vorschriften - das kann nur mit Hilfe von chemischen und biologischen Schädlingsbekämpfungsmitteln erreicht werden. In der EU gibt es derzeit 23 zugelassene Produktarten, um Schädlingen den Garaus zu machen. Gängige Praxis dabei sind die Ausbringung von Fraßködern sowie die Begasung oder ein Versprühen der Bekämpfungsmittel.

Wärme, der Geruch von Lebensmitteln oder Abfällen und dunkle Nischen, all das sind Lockmittel für Schädlinge. Und diese will die Lebensmittelindustrie eliminieren und greift zur chemischen Keule. Zu den wirkungsvollsten Schädlingsbekämpfungsmitteln zählen die Rodentizide. Diese Gifte vertreiben Schadnager und andere Vorratsschädlinge, können sie aber in hoher Konzentration eingesetzt auch töten. Hauptsächlicher Einsatzort der Rodentizide sind die Lagerräume der Lebensmittelindustrie. Strenge Ausbringungsvorschriften sollen verhindern, dass die Inhaltsstoffe der Gifte nicht mit der Rohware in Berührung kommen. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass kleinste Partikel in die Luft und schließlich in den Lebensmittelherstellungsprozess gelangen. Die in manchen Rodentiziden enthaltenen Substanzen - dazu zählen etwa Bromadiolon, Difenacoum, Brodifacoum, Difethialon und Flocoumafen - werden als potentiell persistent (P), bioakkumulierend (B) und toxisch (T) eingestuft. Solche sogenannten PBT-Stoffe werden nur sehr schlecht in der Umwelt abgebaut, können sich in Lebewesen anreichern und sind giftig.

Bundesrisiko-Bewerter setzen auf Verordnungen

Das Bundesinstitut für Risikobewertung verweist darauf, dass "Schädlingsbekämpfungsrückstände in Lebensmitteln so gering sein sollten, dass die Gesundheit der Verbraucher weder bei lebenslanger täglicher Aufnahme noch bei einmaligem Verzehr großer Mengen geschädigt werden darf". Um das Inverkehrbringen und die Verwendung von Biozidprodukten in ganz Europa zu regulieren, wurde bereits im Mai 2012 die "Biozid-Verordnung" 528/2012 verabschiedet. Dennoch passiert es nach wie vor, dass sich Rückstände von Schädlingsbekämpfungsmitteln in Nahrungsmitteln nachweisen lassen.

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